Digitale Holz-Vermessung Neue Technologien sorgen für Ärger im Wald

Moderne Apps und Spezialkameras könnten das Geschäft mit Holz revolutionieren. Doch die Käufer blockieren die neuen Messmethoden, da sie bisher von Ungenauigkeiten profitieren.

Vermessungsfahrzeug für Holzstapel Quelle: PR

Die Geländewagen von Christian Stuhlmann sehen aus wie Googles Street-View-Fahrzeuge und sind fast genauso umstritten: Kästen mit Spezialkameras sind auf die Dächer montiert, denn auch ihre Mission ist die fotografische Vermessung. Allerdings haben es Stuhlmanns Kamerawagen nicht auf Straßenzüge abgesehen, sondern auf Baumstämme.

Stuhlmann arbeitet als deutscher Regionalmanager für das Unternehmen Dralle A/S. Die Dänen haben eine Technologie entwickelt, mit der die Digitalisierung nun auch die Holz- und Forstwirtschaft durcheinanderwirbelt – eine Branche, die wenig wahrgenommen wird, die aber mit 1,1 Millionen Menschen mehr Mitarbeiter beschäftigt als die Autoindustrie.

Mit der Drohne im Wald

Vielen Förstern könnten Dralles Kameraautos die Arbeit vereinfachen: In fünf Minuten können sie damit einen dreißig Meter langen und drei Meter hohen Stapel Baumstämme vermessen. "Normalerweise dauert das 20 Minuten", sagt Stuhlmann.

Der gelernte Forstwissenschaftler hat selbst oft genug Holzpolter auf althergebrachte Art vermessen: Mit einer Sprühdose werden erst die Messstellen und bei Bedarf jeder einzelne Stamm markiert, "dabei verbraucht man leicht zwei Farbdosen, die allein acht Euro kosten". Dann hantieren Förster und Holzhändler mit zwei bis drei Meter langen Messstäben und klettern über die Stapel, um mit einem Kluppe genannten Messschieber die Durchmesser ausgewählter Stämme zu ermitteln.

"Größte Innovation in der Forstwirtschaft"

Die neue Technik ist schneller und bequemer. Auch bei Regen kann gemessen werden und dank des eingebauten LED-Blitzes im Dunkeln – durch die starken Kontraste des schwarzen Hintergrundes sind die Ergebnisse teilweise sogar besser als bei Tageslicht. Vor allem aber werden Messergebnisse, Fotos und der Standort in einer Datenbank gespeichert und mit Karten verknüpft, ein Riesenfortschritt gegenüber der herkömmlichen Zettelwirtschaft.

Für Lutz Freytag, der beim Staatsforst des Bundes den Holzverkauf aus den 350.000 Hektar Wald leitet, ist das "die größte technische Innovation in der Forst- und Holzwirtschaft seit langer Zeit". Erstmals liegen Daten schon im Wald in digitaler Form vor und können für alle logistischen und kaufmännischen Prozesse genutzt werden.

Doch ausgerechnet diese Vorteile werden für Dralle zum Problem. "Unser System ist vielen zu transparent und zu genau", sagt Stuhlmann. Vor allem Holzkäufer sperren sich gegen die neue Technik. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des Deutschen Branchenverbandes Holzwirtschaft, bezweifelt die Zuverlässigkeit und warnt: "Wenn Unternehmen die Verfahren im Geschäftsverkehr einsetzen, begehen sie eine Ordnungswidrigkeit." Denn die Technologien seien nicht geeicht und zugelassen.

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