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Digitalisierung Autohändler streiten sich mit Volkswagen

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Zumindest teilweise herrscht Einigkeit


Bislang gibt Volkswagen seinen Händlern die Zusage, dass der Hersteller keinen eigenständigen Direktvertrieb etwa über das Internet einführt. Doch in Wolfsburg gibt es Pläne, daran etwas zu ändern. „Wenn der Kunde es wünscht, warum sollten wir den Direktvertrieb nicht zulassen?“, fragt Deutschland-Vertriebschef Zahn.

Sollte sich Volkswagen für einen Direktvertrieb komplett ohne Händlerbeteiligung entscheiden, droht der Partnerverband mit Widerstand. „Dann ist der Protest unserer Mitglieder vor den Werktoren garantiert“, betont Weddigen von Knapp. Aus seiner Sicht kann auch ein Online-Direktvertrieb nicht ohne den Händler funktionieren. Probefahrt und Kundengespräch seien klassische Aufgaben für den Handelsbetrieb, die auch entsprechend honoriert werden müssten.

Weniger umstritten ist die gemeinsame Nutzung von Kundendaten. Nach Angaben des Partnerverbandes gibt es darüber bereits eine Einigung mit dem Wolfsburger Autohersteller. Der Konzern will unbedingt auch den Zugriff auf die Kundendaten bekommen. Eine Forderung, die in der Vergangenheit regelmäßig für Verstimmung auf der Händlerseite sorgte.

„Sollten wir Kundendaten erhalten und nicht damit arbeiten, nutzen diese niemandem – auch nicht dem Kunden“, sagt Vertriebschef Zahn. Die bestmögliche Verwendung von Kundendaten sei nur zusammen mit dem Autokonzern erreichbar. „Diese Aufgabe wird der Handel womöglich nicht alleine stemmen können und daher sehe ich es als gemeinsame Aufgabe.“

Digitalisierung und der neue Elektroantrieb werden die kommenden Jahre für die VW-Händler nicht einfacher machen, das sieht auch der Händlerverband so. „Das Geschäft wird sich grundlegend verändern und die Margen geraten unter Druck“, betont Verbandschef Weddigen von Knapp. Bei einem Elektromotor werde es deutlich weniger Wartungs- und Servicebedarf geben, glaubt der Händlerverband. Durch die neuen Fahrassistenzsysteme, die als Vorbereitung auf das Autonome Fahren schon jetzt in den Fahrzeugen Einzug halten, gebe es zudem „auch weniger Blechschäden und Dellen“. Am Ende müssten die Handelsbetriebe und deren Werkstätten mit weniger Umsatz auskommen.

Doch schon jetzt klagen viele Händler über die aus ihrer Sicht viel zu niedrigen Margen. Die Durchschnittsrendite aller deutschen Betriebe, also nicht nur bei Volkswagen, liegt nach Berechnungen des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe zwischen 1,6 und 1,9 Prozent. „Wer den Autohandel als unverzichtbare Schnittstelle zum Kunden erhalten will, muss ihm auch Luft zum Atmen lassen. Und die fängt bei drei Prozent Mindestrendite an“, fordert ZDK-Präsident Jürgen Karpinski, selbst Volkswagen-Händler in Frankfurt am Main.

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