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Drivy-Gründer Dementhon im Interview „Unsere Kundenzahl wird sich verzehnfachen“

Mit der Übernahme von Autonetzer steigt Drivy zum Marktführer im privaten Carsharing auf. Im Interview mit dem Handelsblatt erklären die beiden Gründer, wie ihre Pläne für eine weitere Internationalisierung aussheen.

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Der deutsche Drivy-Chef Gero Graf, Drivy-Gründer Paulin Dementhon und Autonetzer-Gründer Sebastian Ballweg (von links nach rechts) wollen den Markt für Autovermietung mit privaten Carsharing-Angeboten aufrollen. Quelle: Pressefoto

Um diese Nachricht zu verkünden, ist der Gründer Paulin Dementhon aus Paris nach Berlin gekommen: Das französische Start-up Drivy übernimmt Autonetzer. Damit entsteht im privaten Carsharing ein neuer Marktführer. Gemeinsam mit dem Autonetzer-Gründer Sebastian Ballweg erklärt Dementhon im Interview mit dem Handelsblatt, wie seine weiteren Wachstumspläne aussehen.

Handelsblatt: Mit Drivy übernehmen Sie nun ihren größten Konkurrenten in Deutschland Autonetzer und steigen damit zum größten Vermieter von privaten Autos auf. Welche Ambitionen verfolgen Sie mit dieser Übernahme?

Paulin Dementhon: Deutschland war der erste Markt, den wir uns für die Internationalisierung ausgesucht haben. Es ist nicht nur der größte, sondern auch der wichtigste Automarkt ein Europa und darüber hinaus auch ein sehr innovativer. In den ersten Monaten sind wir hier stärker gewachsen als wir erwartet hatten – und der Kauf von Autonetzer soll dieses Wachstum weiter beschleunigen. Unsere Kundenzahl wird sich damit verzehnfachen. Wir können aber nicht nur von den Kunden, sondern auch von der Erfahrung von Autonetzer auf dem deutschen Markt profitieren.

Was können die Deutschen vom Drivy-Erfolg in Frankreich lernen?

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Standort erkennen

    Dementhon: Es hat uns sehr geholfen, dass wir früh in die Technologie investiert haben. Unsere wichtigste Erkenntnis war es, das Produkt so einfach wie möglich zu gestalten. Gerade wenn man Privatautos vermietet braucht man da auch eine gewisse Zahl an Nutzern, die ihr Auto anbieten wollen. Und mobil haben wir nachgelegt. Bei uns kann den Mietvertrag jetzt direkt in der App abschließen. Der Vertrag wird digital an unseren Kundenservice übertragen.

    Sebastian Ballweg: Drivy hat alleine zehn Entwickler, die sich um die technische Verbesserung des Produkts kümmern. Das ist nochmal ein technologischer Sprung und wird helfen, unser Angebot zu verbessern.

    Die größten Problem der privaten Autovermietung sind zwei Dinge: die unsichere Versicherung und inaktive Nutzer. Wie wollen diese Probleme angehen?

    Dementhon: Wir bemühen uns sehr inaktive Nutzer zu identifizieren, sie zu motivieren und zu schulen – oder im Zweifel inaktive Nutzer aus der Kartei zu entfernen. Dafür werten wir unsere Statistiken akribisch aus, wie Airbnb es auch macht.

    Ballweg: Und bei Versicherungsfragen, haben wir auch eine sehr gute Lösung. Jede Anmietung bei Autonetzer war bisher über die R+V-Versicherung abgesichert. Ab dem 10. Juni, wenn die Website umgestellt wird, wechseln wir ebenfalls zum Drivy-Partner Allianz. Diese Versicherungslösung hat zurecht einen guten Ruf. Und das gibt uns auch die Möglichkeit, ein internationales Wachstum in Angriff zu nehmen.


    Warum die Franzosen erfolgreicher sind

    In welchem Segment erwarten Sie das größte Wachstum? Wird es bald normal sein, im Urlaub ein Privatauto zu mieten statt bei Sixt oder Europcar?

    Dementhon: Sicher ist das Reisesegment ein Bereich, in dem wir noch wachsen können. Im Juli starten wir in Spanien, in diesem Jahr kommt ein weiteres europäisches Land dazu. Wir haben es als eines der wenigen europäischen Start-ups geschafft, schnell über die Landesgrenze hinaus zu wachsen, das wird uns auch im Reisemarkt helfen. Noch größeres Potential sehen wir aber im lokalen Carsharing. Menschen, die auf ein eigenes Auto verzichten, aber trotzdem mal für mehrere Tage mieten wollen – typischerweise am Wochenende. Im Schnitt werden unsere Autos für dreieinhalb Tage gemietet.

    Vor wenigen Monaten hat Blablacar den deutschen Konkurrenten Mitfahrgelegenheit geschluckt, jetzt übernimmt Drivy Autonetzer. Warum sind die französischen Startups im Carsharing-Segment erfolgreicher als die Deutschen?

    Dementhon: Ich weiß nicht ob man das verallgemeinern kann. Insgesamt ist die deutsche Internetszene vielleicht sogar noch ein bisschen stärker als die französische. Aber wir sind schnell gewachsen, und das ist in unserer Branche wichtig, damit man ein gutes Produkt anbieten kann. Es kommt sehr auf die Geschwindigkeit an. In vielen Fällen ist es auch anders herum gelaufen.

    Sebastian Ballweg: Allgemein kann man aber schon sagen, dass es in Deutschland schwieriger ist, eine große Finanzierungsrunde zu bekommen – abgesehen von einigen Champions. In den USA sind Finanzierungsrunden für private Carsharing-Anbieter mit 50 Millionen Dollar beispielsweise keine Seltenheit. Dort denkt man in größeren Maßstäben.

    Dementhon: In Paris ist es vielleicht nicht so einfach wie im Silicon Valley, aber auch wir haben eine gesunde Struktur. Für unser Wachstum haben wir bisher 16 Millionen eingesammelt. Damit haben wir noch Großes vor.

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