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Drucken statt Fräsen 3-D-Druck - Maschinenbau öffnet Tür zur Zukunft

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Wo sich 3D-Druck lohnt


Was man drucken kann
Magische Lampe Quelle: Presse
Fliessende Formen
Kistenproduktion Quelle: Presse
Spielmobil Quelle: Presse
Opulenter Auftritt
Lesehilfe Quelle: Presse
Flotte Flöte Quelle: Presse

Aber selbst bei Mengen von 12 000 Stück sei die 3-D-Produktion mitunter schon wirtschaftlicher gewesen als die herkömmliche Fertigung von Spritzgussteilen. Schließlich senke der Verzicht auf die 20 000 bis 30 000 Euro teuren Formen bei Kleinserienteilen die Kosten pro Bauteil um rund die Hälfte, rechnet Müller-Lohmeier vor.

Ein wichtiger Faktor ist der Preis des Ausgangsmaterials. Bei den herkömmlichen Verfahren fällt viel Verschnitt an - zum Teil bleiben nach allen Fräs- und Schleifvorgängen nur 10 Prozent des Ausgangsmaterials stehen. Bei den Druckverfahren wird nur das geschmolzen und verklebt, was zum Objekt werden soll. Das Sparpotenzial ist beträchtlich. Teile können durch die neue Bauweise aber auch deutlich leichter werden, weil Querstreben, die man aus gusstechnischen Gründen brauchte nun wegfallen. Der britische Triebwerkshersteller Rolls Royce forscht im Rahmen des sieben Millionen Euro schweren EU-Projekts Merlin an einer Anwendung, die es ihm erlaubt seine Turbinen im 3D-Drucker herzustellen. Sie sollen dann leichter und energieeffizienter sein.

Machen, was Kunden nicht für möglich halten

3D-Druck wird sich in naher Zukunft immer dann lohnen, wenn entweder die Kosten eine untergeordnete Rolle spielen, die Anwendung so komplex ist, dass neu-konstruierte Teile einen echten Mehrwert bieten, es um die Fertigung von individuellen Einzelstücke geht wie etwa in der Medizintechnik oder der Verschnitt massiv reduziert werden kann. Michael Hümmeler will genau diese Anwendungsgebiete ausloten. Der Maschinenbaumeister setzt seit rund 10 Jahren voll auf 3D-Druck, speziell auf die Sinter-Technik. Während die meisten Unternehmen mit ihren 3D-Druckern Prototypen herstellen, ist Hümmeler nach eigener Aussage schon kurz vor der Serienreife.

Mit "getunten Maschinen" wie er sagt, habe es LMD geschafft, die Qualität der Teile aus dem 3D-Drucker so zu verbessern, dass sie mit den Bauteilen alter Machart mithalten können. Hümmeler will aber viel mehr: "Wir wollen Teile herstellen, die unsere Kunden gar nicht für möglich gehalten haben." Drei ineinander liegende Kugeln jeweils von innen beschriftet, sind theoretisch möglich. Diese Kugeln, wird ein Maschinenbauer wohl nie brauchen. "Es geht darum zu zeigen, was plötzlich möglich ist."

Forschung



Gerade arbeitet sein Betrieb an einem Greifer. Seine Bauteile sind im Gegensatz zu bisherigen so schön rund und glatt, dass die Verletzungsgefahr auf ein Minimum sinkt. "Dasselbe Teil in dieser Form wäre mit den alten Verfahren zwar möglich, aber unbezahlbar". Fälle wie dieser sind es, die Hümmeler antreiben. Er sehe sich als Marktpionier, "einer der Neuland betreten will".

An eine dritte industrielle Revolution durch 3D-Druck glaubt aber auch er nicht recht. "In manchen Bereichen könnte 3D-Druck andere Verfahren verdrängen, in einigen wird er sich aber schlichtweg nie lohnen. Jedes Verfahren hat seine Stärken und Schwächen." Überhaupt gehe es ja nicht um die Maschine oder das Verfahren an sich. "Die Revolution hängt ja von denen ab, die verstehen, was damit möglich ist."

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