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Duell der Aufsichtsräte Im Zeichen der Egos: Cromme gegen Ackermann

Über den Machtkampf zwischen Gerhard Cromme und Josef Ackermann nach dem Chefwechsel bei Siemens.

Foto von G. Cromme Quelle: dpa

„Gerhard Cromme könnte kurz vor seinem Rücktritt stehen“, ahnte vorige Woche ein enger Wegbegleiter, der den Siemens-Aufsichtsratschef gut kennt. Doch festlegen wollte sich dieser lang gediente Manager nicht. Denn: „Durch Cromme tobt zurzeit ein Gefühlssturm, der ihn von der einen Seite auf die andere wirft.“ Der Tod von Berthold Beitz habe dessen früheren Stellvertreter in der Krupp-Stiftung „schwerst getroffen“. Und die in der Öffentlichkeit geäußerten Forderungen, Cromme solle als Aufsichtsratschef von Siemens zurücktreten und den Weg für einen Neuanfang freimachen, kämen ihm „wie ein Dolchstoß“ vor.

„Cromme hat in München kaum noch Freunde“, sagt der Manager. Nur sein Stehvermögen und seine Härte, die er hinter Charme verberge, bewahrten ihn vor Wutausbrüchen gegenüber den Siemens-Kontrolleuren, insbesondere Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der ihn ablösen lassen will, wie es aus dem Aufsichtsrat heißt. Cromme schweigt dazu. Er habe sich nach Meinung von Ackermann durch sein fast schon selbstherrliches Zusehen als ThyssenKrupp-Chefaufseher bis hin zur Existenznot des Industriekonzerns auch für Siemens desavouiert.

Welche Chefs massiv unter Druck stehen
Commerzbank: Martin Blessings ewige BaustelleSeit sechs Jahren saniert Martin Blessing die teilverstaatlichte Commerzbank: Zu seinem Rezept gehört, das Institut auf Privatkunden und Mittelstand neu auszurichten, bis 2016 rund 5200 Stellen einzusparen und weniger lukrative Randbereiche und Altlasten abzustoßen. So konnte Blessing im Juli den Verkauf des britischen Immobiliengeschäfts aus dem Bestand der ehemaligen Hypothekentochter Eurohypo vermelden. Ein Fortschritt, doch die Reste der Eurohypo kleben Blessing noch immer wie ein Klotz am Bein. Unterm Strich liefert die Commerzbank keine gutes Ergebnisse ab. In der ersten Jahreshälfte ist die Aktie um fast 45 Prozent gefallen - hält diese Entwicklung an, droht der Ausstieg aus dem Dax. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass der Umbau der Commerzbank frühestens 2015 Früchte tragen wird. Auch für Blessing wird das Eis dünn. Jetzt mischt sich auch noch der Bund in die Verhandlungen über Abfindungen von zwei Commerzbank-Vorständen ein. Quelle: REUTERS
K+S: Investoren sind unzufrieden mit Norbert SteinerKein DAX-Wert lief schlechter als der von K+S. Die Aktie des Düngemittelherstellers fiel von Juli 2012 bis Juli 2013 um knapp ein Drittel. Damit sorgt K+S-Chef Norbert Steiner für Unmut bei den Investoren, unter denen manche den Aufstand proben sollen. Steiner zu stürzen, wird jedoch schwierig sein – angesichts der zersplitterten Aktionärsstruktur auf der einen Seite und dem starken Rückhalt Steiners innerhalb des Unternehmens auf der anderen. Quelle: dpa
ThyssenKrupp: Heinrich Hiesinger kämpft mit AltlastenMilliardenhohe Schmiergelder an Auftragnehmer, Kartellbildung mit Schienen-, Aufzug- und Rolltreppenherstellern, ausufernde Bürokratie, Luxusreisen für Journalisten, Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Die Altlasten, die ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger übernommen hat, sind gewaltig. Durch die Abschreibungen auf die Stahlwerke hat der Konzern Schulden von 5,3 Milliarden Euro angehäuft. Die Eigenkapitalquote schrumpft zusehends. Hiesinger hat das Gros der Probleme nicht verursacht, soll es nun aber richten. Eine Sisyphusaufgabe. Quelle: dpa
Daimler: Zetsche kämpft gegen die MarktlageSeit Dieter Zetsches Vertrag nur um drei, statt um fünf Jahre verlängert wurde, gilt der Daimler-Chef als angezählt. Gründe gibt es viele. Die Aktionäre sind unzufrieden, die Renditen bleiben hinter den Erwartungen zurück und ausgerechnet im Wachstumsmarkt China fährt Daimler der Konkurrenz hinterher. Der Kastenwagen Citan patzte beim Crashtest und jetzt auch noch das Gerangel mit Frankreich wegen eines nicht zulässigen Kältemittels. Für Zetsche läuft es nicht rund. Es fehlen die großen Innovationen - BMW setzt auf seine Elektro-Flitzer aus Karbon. Nissan, General Motors und Toyota verkaufen jedes Jahr Zehntausende von Elektroautos. Von Mercedes dagegen gibt es bis heute kein einziges E-Mobil. Der Daimler-Chef hat den Aktionären eine Verbesserung der Geschäftslage versprochen. Angesichts des schwachen deutschen und europäischen Markts ein mutiges Versprechen. Quelle: dpa
Karstadt: Andrew Jennings bekommt nicht die KurveDrei Jahre nach der vermeintlichen Karstadt-Rettung durch Investor Nicolas Berggruen geht es dem Warenhaus immer noch nicht besser. Der neu eingesetzte Chef Andrew Jennings konnte das Ruder nicht herumreißen, auch weil sich Berggruen bisher weigert, Geld zu investieren. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 fuhr Karstadt Verluste von knapp 250 Millionen Euro vor Steuern ein, für 2012/13 soll erneut ein Verlust anstehen. Jennings reagiert, indem er den Tarifvertrag aussetzt und 2.000 Stellen streicht. Ob das ausreicht, ist fraglich. Der Aufsichtsrat sucht bereits seit mehreren Wochen nach einem Nachfolger. Quelle: dpa
Apple: Tim Cook soll endlich liefernApple-Chef Tim Cook fehlt nicht nur die Strahlkraft des 2007 verstorbenen Unternehmensgründers Steve Jobs – sondern auch dessen Erfolge: Seit dem iPad hat das Unternehmen in drei Jahren kein grundlegend neues Produkt mehr herausgebracht, das iPhone 5 war im Herbst 2011 bloß eine Weiterentwicklung des 4S. Während Konkurrent Google an der Computer-Brille Google Glass arbeitet, setzt Apple auf eine Computer-Uhr, die "iWatch". Nach zahlreichen Neueinstellungen sollen mittlerweile 100 Tüftler an dem Produkt dran sein.  Neue Verkaufsschlager sind nötig, wenn Cook den Erfolgskurs seines Vorgängers fortsetzen will. Denn im dritten Geschäftsquartal (bis Ende Juni 2013) stagnierte der Umsatz bei etwa 35,3 Milliarden Dollar, der Gewinn schrumpfte sogar das zweite Mal in Folge. Er fiel mit 6,9 Milliarden Dollar um 22 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum (5,3 Milliarden Euro). Quelle: REUTERS
Siemens: Peter Löscher muss gehenFür ihn heißt es bereits "game over". Vorstandschefs Peter Löscher musste seinen Chefsessel räumen. Finanzvorstand Joe Kaeser hat das Ruder übernehmen. Zu viele Probleme hatten sich angesammelt. Zweimal in Folge musste Löscher die Gewinnerwartungen senken - einmal für 2013, einmal für 2014. Auf die Bilanz drücken Vorfälle wie Verluste bei Windparks, versemmelte Zukäufe und verspätete Auslieferung der neuen ICE-Züge an die Deutsche Bahn. Quelle: dapd

So berichten es Gewährsleute aus dem Siemens-Aufsichtsrat. Die Abwerbung von Heinrich Hiesinger von Siemens zu ThyssenKrupp sei zum Schaden von Siemens erfolgt. Und Gerüchten, Siemens sei an der profitablen Technologiesparte von ThyssenKrupp (Rolltreppen, Aufzüge, Anlagenbau) interessiert, sei Cromme nicht entgegengetreten.

Reitzle ante portas?

In dem Schweizer Ackermann hat Cromme einen ebenbürtigen Gegner. Soft nach außen, stets im Kammerton sprechend, ist Ackermann – Siemens-Kontrolleur, Shell-Aufsichtsrat, Präsident des Verwaltungsrates der Zürich Versicherung – ein Durchzieher seiner Meinungsbildung in die Praxis. Und die lautet jetzt offenbar: Crommes Entscheidungen sind falsch, er hätte die Wahl von Finanzer Joe Kaeser zum Vorstandschef verhindern müssen. Ackermann hat zwar Kaeser mitgewählt. Eine Gegenstimme auf der Kapitalseite hätte schlecht ausgesehen. Aber laut Ackermann hätte Siemens wohl eher einen Ingenieur gebraucht.

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Da bietet sich einer für den Aufsichtsrat an: Wolfgang Reitzle, der im Mai 2014 aus Altersgründen beim Gasehersteller Linde ausscheidet. Er hat als Chefkontrolleur beim Autozulieferer Continental bewiesen, dass er nicht mehr der Exzentriker von früher ist, sondern ein „faktenbasierter“ Manager (Reitzle über Reitzle). Cromme hatte sich 2007 gegen Reitzle als Nachfolger von Klaus Kleinfeld als Siemens-Chef ausgesprochen. Nun könnte es eine Chance im Aufsichtsrat geben.

Folgt Reitzle auf Cromme? Dessen Gedanke sei möglicherweise, so heißt es aus Siemens-Kreisen in München, erst die Beisetzung von Beitz abzuwarten, bevor er seinen Rücktritt ankündigt. Denn der Zeremonie will Cromme als Siemens-Aufsichtsratschef und nicht als Privatmann beiwohnen. Doch auch das ist unsicher.

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