Düngemittelkonzern Gewinn von K+S bricht um ein Viertel ein

Geringere Absatzmengen und Preise im Geschäft mit Kali- und Magnesiumprodukten haben den Gewinn des Düngemittel- und Salzherstellers K+S im zweiten Quartal einbrechen lassen.

Welche Chefs massiv unter Druck stehen
Commerzbank: Martin Blessings ewige BaustelleSeit sechs Jahren saniert Martin Blessing die teilverstaatlichte Commerzbank: Zu seinem Rezept gehört, das Institut auf Privatkunden und Mittelstand neu auszurichten, bis 2016 rund 5200 Stellen einzusparen und weniger lukrative Randbereiche und Altlasten abzustoßen. So konnte Blessing im Juli den Verkauf des britischen Immobiliengeschäfts aus dem Bestand der ehemaligen Hypothekentochter Eurohypo vermelden. Ein Fortschritt, doch die Reste der Eurohypo kleben Blessing noch immer wie ein Klotz am Bein. Unterm Strich liefert die Commerzbank keine gutes Ergebnisse ab. In der ersten Jahreshälfte ist die Aktie um fast 45 Prozent gefallen - hält diese Entwicklung an, droht der Ausstieg aus dem Dax. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass der Umbau der Commerzbank frühestens 2015 Früchte tragen wird. Auch für Blessing wird das Eis dünn. Jetzt mischt sich auch noch der Bund in die Verhandlungen über Abfindungen von zwei Commerzbank-Vorständen ein. Quelle: REUTERS
K+S: Investoren sind unzufrieden mit Norbert SteinerKein DAX-Wert lief schlechter als der von K+S. Die Aktie des Düngemittelherstellers fiel von Juli 2012 bis Juli 2013 um knapp ein Drittel. Damit sorgt K+S-Chef Norbert Steiner für Unmut bei den Investoren, unter denen manche den Aufstand proben sollen. Steiner zu stürzen, wird jedoch schwierig sein – angesichts der zersplitterten Aktionärsstruktur auf der einen Seite und dem starken Rückhalt Steiners innerhalb des Unternehmens auf der anderen. Quelle: dpa
ThyssenKrupp: Heinrich Hiesinger kämpft mit AltlastenMilliardenhohe Schmiergelder an Auftragnehmer, Kartellbildung mit Schienen-, Aufzug- und Rolltreppenherstellern, ausufernde Bürokratie, Luxusreisen für Journalisten, Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Die Altlasten, die ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger übernommen hat, sind gewaltig. Durch die Abschreibungen auf die Stahlwerke hat der Konzern Schulden von 5,3 Milliarden Euro angehäuft. Die Eigenkapitalquote schrumpft zusehends. Hiesinger hat das Gros der Probleme nicht verursacht, soll es nun aber richten. Eine Sisyphusaufgabe. Quelle: dpa
Daimler: Zetsche kämpft gegen die MarktlageSeit Dieter Zetsches Vertrag nur um drei, statt um fünf Jahre verlängert wurde, gilt der Daimler-Chef als angezählt. Gründe gibt es viele. Die Aktionäre sind unzufrieden, die Renditen bleiben hinter den Erwartungen zurück und ausgerechnet im Wachstumsmarkt China fährt Daimler der Konkurrenz hinterher. Der Kastenwagen Citan patzte beim Crashtest und jetzt auch noch das Gerangel mit Frankreich wegen eines nicht zulässigen Kältemittels. Für Zetsche läuft es nicht rund. Es fehlen die großen Innovationen - BMW setzt auf seine Elektro-Flitzer aus Karbon. Nissan, General Motors und Toyota verkaufen jedes Jahr Zehntausende von Elektroautos. Von Mercedes dagegen gibt es bis heute kein einziges E-Mobil. Der Daimler-Chef hat den Aktionären eine Verbesserung der Geschäftslage versprochen. Angesichts des schwachen deutschen und europäischen Markts ein mutiges Versprechen. Quelle: dpa
Karstadt: Andrew Jennings bekommt nicht die KurveDrei Jahre nach der vermeintlichen Karstadt-Rettung durch Investor Nicolas Berggruen geht es dem Warenhaus immer noch nicht besser. Der neu eingesetzte Chef Andrew Jennings konnte das Ruder nicht herumreißen, auch weil sich Berggruen bisher weigert, Geld zu investieren. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 fuhr Karstadt Verluste von knapp 250 Millionen Euro vor Steuern ein, für 2012/13 soll erneut ein Verlust anstehen. Jennings reagiert, indem er den Tarifvertrag aussetzt und 2.000 Stellen streicht. Ob das ausreicht, ist fraglich. Der Aufsichtsrat sucht bereits seit mehreren Wochen nach einem Nachfolger. Quelle: dpa
Apple: Tim Cook soll endlich liefernApple-Chef Tim Cook fehlt nicht nur die Strahlkraft des 2007 verstorbenen Unternehmensgründers Steve Jobs – sondern auch dessen Erfolge: Seit dem iPad hat das Unternehmen in drei Jahren kein grundlegend neues Produkt mehr herausgebracht, das iPhone 5 war im Herbst 2011 bloß eine Weiterentwicklung des 4S. Während Konkurrent Google an der Computer-Brille Google Glass arbeitet, setzt Apple auf eine Computer-Uhr, die "iWatch". Nach zahlreichen Neueinstellungen sollen mittlerweile 100 Tüftler an dem Produkt dran sein.  Neue Verkaufsschlager sind nötig, wenn Cook den Erfolgskurs seines Vorgängers fortsetzen will. Denn im dritten Geschäftsquartal (bis Ende Juni 2013) stagnierte der Umsatz bei etwa 35,3 Milliarden Dollar, der Gewinn schrumpfte sogar das zweite Mal in Folge. Er fiel mit 6,9 Milliarden Dollar um 22 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum (5,3 Milliarden Euro). Quelle: REUTERS
Siemens: Peter Löscher muss gehenFür ihn heißt es bereits "game over". Vorstandschefs Peter Löscher musste seinen Chefsessel räumen. Finanzvorstand Joe Kaeser hat das Ruder übernehmen. Zu viele Probleme hatten sich angesammelt. Zweimal in Folge musste Löscher die Gewinnerwartungen senken - einmal für 2013, einmal für 2014. Auf die Bilanz drücken Vorfälle wie Verluste bei Windparks, versemmelte Zukäufe und verspätete Auslieferung der neuen ICE-Züge an die Deutsche Bahn. Quelle: dapd

Der Betriebsgewinn (Ebit I) sei binnen Jahresfrist um 25,7 Prozent auf 162,6 Millionen Euro geschrumpft, teilte das Kasseler Unternehmen am Dienstag mit. Analysten hatten im Schnitt mit 165 Millionen Euro gerechnet. K+S-Chef Norbert Steiner hatte erst vor einer Woche aufgrund der Unsicherheiten auf dem Kalimarkt seinen Geschäftsausblick für dieses Jahr gekippt. Eine neue Prognose wagte Steiner nicht. Der Konzern setzte von April bis Juni 874,5 Millionen Euro um - ein Minus von 12,2 Prozent.

Wie Analysten die K+S-Aktie bewerteten

"Verglichen mit dem außergewöhnlich hohen Absatz des Vorjahresquartals kam es im zweiten Quartal zu einer Normalisierung der Düngemittelverkäufe bei deutlich unter dem Vorjahr liegenden Preisen", sagte Steiner. K+S verkaufte seine Kali-Produkte im zweiten Quartal zu einem Durchschnittspreis von 309,4 Euro die Tonne - vor Jahresfrist lag der Preis noch bei 340,8 Euro die Tonne. Besser lief es im Quartal im Geschäft mit Düngemittel-Spezialitäten: Dort legte der Umsatz leicht zu. Insgesamt erzielte K+S im zweiten Jahresviertel nur noch einen Überschuss von 102 Millionen Euro. Das sind 25,8 Prozent weniger als ein Jahr zvor.
Die Kündigung der russisch-weißrussischen Kali-Allianz BPC durch den russischen Konzern Uralkali hatte Ende Juli für ein Erdbeben im globalen Düngemittel-Markt gesorgt. Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner hatte stark fallende Kali-Preise prognostiziert. Daraufhin waren die Kurse der großen Kali-Produzenten weltweit in den Keller gestürzt. Bislang hatten BPC und das kanadische Konkurrenz-Bündnis Canpotex für nahezu identische Preise in den wichtigsten Abnehmerländern gesorgt. Davon hatten auch Firmen wie K+S profitiert, die keiner Allianz angehören. Uralkali will nun künftig alleine handeln. Fallende Kali-Preise wollen die Russen über steigende Absatzmengen in China, Indien und Brasilien auffangen.

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Wegen der Turbulenzen in der Kalibranche hatte Steiner das bisherige Ziel für dieses Jahr begraben, den Betriebsgewinn (Ebit I) im Vergleich zu den 804,1 Millionen Euro des Vorjahres leicht zu erhöhen. Die erwartete Ergebnisverbesserung im Salzgeschäft werde nicht reichen, um das Minus bei Kali- und Magnesiumprodukten wettzumachen. K+S werde fortlaufend den Wettbewerb beobachten und sich auf mögliche Veränderungen vorbereiten.
Das Unternehmen bekräftigte, dass das große Minenprojekt in Zentralkanada planmäßig vorangeschritten sei. Vor wenigen Monaten hatte Steiner einräumen müssen, dass der Bau des neuen Bergwerks gut drei Milliarden Euro kosten werde - 630 Millionen Euro mehr als zuvor geplant. Die neue Mine soll im Sommer 2016 den Betrieb aufnehmen. Bis Ende 2017 soll sie eine Produktionskapazität von mindestens zwei Millionen Tonnen erreichen.

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