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E-Auto-Pionier Was sich Tesla von der Automesse in Peking erhofft

Ob IAA oder Genf: Tesla bleibt den Branchentreffen der Autoindustrie fern. Doch in Peking macht Tesla eine Ausnahme. Das hat vor allem einen Grund.

Tesla: Was sich der E-Auto-Pionier von der Peking Auto Show erhofft Quelle: Reuters

PekingTesla gilt als seltener Gast auf großen Automessen. Eigentlich ist der US-Hersteller von Elektroautos so gut wie nie auf den wichtigsten Veranstaltungen der Branche vertreten. Elon Musk, der Gründer des kalifornischen Unternehmens, glänzt auf den großen Treffs der Automobilbranche sowieso immer mit Abwesenheit.

In Genf im Frühjahr, im Herbst des vergangenen Jahres in Frankfurt, ja sogar auf der eigenen nationalen Automesse im Januar in Detroit – nie war ein Stand geschweige denn ein Tesla-Mitarbeiter auf einer der großen Automobilveranstaltungen zu sehen.

Tesla setzt auf eine andere Marketing-Strategie als die klassischen Autohersteller. Das US-Unternehmen will allein mit seinen Autos und mit seinen Shops in den Zentren der großen Städte überzeugen. Messen seien deshalb für Tesla überflüssig, lautete die Standardantwort aus Kalifornien.

Doch plötzlich ist alles auf einmal ganz anders – zumindest in China. Auf der in dieser Woche gestarteten Peking Autoshow ist Tesla tatsächlich erstmals wieder mit einem Stand auf einem großen Branchentreffen vertreten. Messebesucher müssen in Peking in Halle W4 allerdings etwas genauer hinsehen. Tesla hat sich in der chinesischen Hauptstadt einen vergleichsweise kleinen Stand geleistet. Der US-Hersteller findet sich irgendwo zwischen Volkswagen und BMW, etwas versteckt und mit wenig Ausstellungsfläche im Vergleich zu dem, was in der Autobranche sonst üblich ist.

Während auf den Ständen der großen Konzerne die Autos in der Regel gleich dutzendweise ausgestellt werden, ist Tesla lediglich mit drei Autos auf das Messegelände im Nordosten Pekings gleich neben dem internationalen Flughafen gekommen. Die Besucher der Ausstellung können ein blaues Model X, ein weißes Model S und ein rotes Model 3 bewundern.

Und die Messebesucher nutzen die Gelegenheit in großer Zahl, sich ein Tesla-Modell einmal etwas genauer anzusehen. Denn in China gibt es selten die Gelegenheit dazu. Die drei in Peking ausgestellten Tesla-Modellen zogen zudem nicht nur die gewöhnlichen Messebesucher in ihren Bann. Auch der Topmanager des einen oder anderen Wettbewerbers wurde auf dem kleinen Messestand gesichtet, hieß es dazu aus Tesla-Kreisen.

Besonders im Fokus steht das Model 3: Das Auto, das es im Moment noch nicht allzu häufig zu kaufen gibt und mit dem Tesla-Gründer Musk große Probleme beim Produktionsanlauf hat. Das Model 3 gilt zugleich als große Herausforderung für die etablierten Automobilhersteller – denn Tesla will damit den Massenmarkt für Elektroautos erschließen. Noch wartet die Branche darauf, dass Elon Musk wirklich die Produktion mit großen Stückzahlen gelingt.

China ist nicht nur für Tesla ein ganz besonderer Markt. In China werden pro Jahr so viele Autos verkauft wie keinem anderen Land der Erde (24 Millionen). Die Volksrepublik schickt sich zugleich an, auch der größte Markt für elektrisch angetriebene Fahrzeuge zu werden.

Dabei hilft der massive Druck der chinesischen Regierung, die die Luft in den riesigen Metropolen des Landes mit Hilfe von Elektroautos endlich wieder sauber bekommen möchte.

In wenigen Jahren könnten schon 30 Prozent aller verkauften Autos elektrisch angetrieben sein, Branchenexperten rechnen mit zehn Millionen Autos jährlich. Da möchten Tesla und Elon Musk natürlich auf jeden Fall mit dabei sein – und deshalb leistet sich der US-Hersteller ausnahmsweise einmal einen Messeauftritt in Peking.

Zu Hunderttausenden werden die Messebesucher während der kommenden Tage durch die Hallen strömen. Und wer zu Volkswagen und BMW unterwegs ist, der kommt auch automatisch bei Tesla vorbei. Eingefleischte Tesla-Fans werden den Stand auf jeden Fall finden. Noch nicht geklärt ist, ob Tesla künftig in China auch noch auf andere Weise Werbung für sich und seine Autos machen wird. Der US-Hersteller verhandelt mit staatlichen Stellen über den Aufbau einer eigenen Produktion in China.

Im Gespräch ist ein Standort im Süden des Landes, in der Region Schanghai. Noch haben die Gespräche zu keinen Ergebnissen geführt. Sollte es auf absehbare Zeit Tesla-Modelle mit dem Label „Made in China“ zu kaufen geben, dürften die Image-Werte in der Volksrepublik noch einmal ordentlich zulegen.

Kommt es zum Bau einer neuen Fabrik in China, kehrt Tesla möglicherweise auch bei den Messeauftritten zu seiner klassischen Vorgehensweise zurück und verzichtet auf der Peking Autoshow das nächste Mal auf den eigenen Stand.

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