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E-Autos und Hybride Deutsche verlieren die Lust auf Diesel

Der Diesel ist an der Tanke so günstig wie lange nicht mehr. Doch eine neue Studie der Unternehmensberatung Bearing Point zeigt, dass die Nachfrage nach alternativen Antriebe in Deutschland trotzdem deutlich zunimmt.

Die Nachfrage nach alternativen Antrieben könnte demnächst deutlich steigen. Quelle: dpa

DüsseldorfMit dem elektrischen Auto ist es ein bisschen wie mit Bio-Fleisch: In Umfragen ist das ökologische Bewusstsein der Kunden groß. Doch im Supermarkt greifen viele dann aber doch lieber zu den Billigschnitzeln. Und im Autohaus wird der Diesel-SUV gekauft. Hybride, Elektroautos und andere alternative Antriebe sind in der deutschen Zulassungsstatistik bisher nicht mehr als eine Randnotiz. Dagegen haben die Dieselverkäufe in Deutschland nach dem Skandal – auch dank niedriger Spritpreise – noch nicht spürbar gelitten.

Eine Studie der Unternehmensberatung Bearing Point (ehemals KPMG Consulting), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, zeigt nun, dass die Nachfrage nach alternativen Antriebe bei den Deutschen in den nächsten Jahren deutlich zulegen könnte. Demnach nimmt hat die Akzeptanz von alternativen Antrieben wie Hybrid-, Gas- und Elektroantrieb sukzessive zu – insbesondere bei jüngeren Kunden.

Laut der repräsentativen Umfrage mit 1000 Teilnehmern können sich als zwei Drittel aller Befragten vorstellen, in Zukunft auf einen alternativen Antrieb umzusteigen. Nur noch 31 Prozent aller Befragten wollen auch zukünftig ausschließlich mit einem Verbrenner unterwegs sein. Damit liegt die Zustimmung für die alternativen Antriebe deutlich über ihrer derzeitigen Relevanz auf der Straße.

Ganz vorne in der Gunst der Käufer rangiert der Hybridantrieb mit 41 Prozent, dahinter der Gasantrieb mit einer Zustimmung von 31 Prozent. Jeder vierte könnte sich auch vorstellen, mit einem reinen Elektroauto unterwegs zu sein.

„Sicherlich hat der aktuelle Abgasskandal hier eine Rolle gespielt. Fakt ist aber auch, dass Fahrzeuge mit alternativen Antrieben generell gesellschaftsfähig geworden sind und mittlerweile von fast allen Herstellern angeboten werden“, sagt Matthias Loebich, globaler Leiter Automotive bei Bearing Point. Mittlerweile sei es mit Modellen wie dem Tesla Model S oder dem BMW i3 gelungen, mit Elektroautos Emotionen zu wecken. Auch bei der Alltagstauglichkeit hätten die alternativen Antriebe zugelegt. Bei Taxifahrern seien Hybride mittlerweile außerordentlich beliebt.


Dieselskandal sensibilisiert die Käufer

Offenbar ist die Bereitschaft, auf alternative Antriebe umzusteigen, auch eine Frage des Alters und der Bildung. Bei den Befragten zwischen 50 und 69 Jahren haben Diesel- und Benzinmotoren immer noch die höchste Zustimmungsrate. Bei den Befragten unter 29 Jahren erreichen vor allem reine Elektroautos eine deutlich höhere Zustimmung von 40 Prozent. Nur noch 24 Prozent aller jungen Autokäufer wollen auch in Zukunft ausschließlich mit dem Verbrenner fahren.

Noch größer sind die Unterschiede, wenn nach Bildung differenziert wird: Bei den Befragten mit Abitur oder einem noch höheren Bildungsgrad erreichen alternative Antriebe eine deutlich höhere Akzeptanz als die klassischen Verbrenner. Bei Befragten mit Volks- oder Hauptschulabschluss sind Diesel- und Benziner auch in Zukunft der Antrieb, der von der Mehrheit bevorzugt wird.

Nach Ansicht der Unternehmensberater scheint der Dieselskandal die Autokäufer aber für die Umwelt sensibilisiert zu haben. Für rund zwei Drittel aller Befragten spielen die Abgase eine wichtige oder sehr wichtige Rolle beim nächsten Autokauf. 28 Prozent wollen sich nach dem Abgasskandal sogar für eine andere Automarke entscheiden. Ein Wert, der vor allem VW beunruhigen sollte.

Die deutschen Hersteller werden nach Ansicht der Berater zum Umdenken gezwungen sein. Mit der Einführung realistischerer Testzyklen in den nächsten Jahren würden auch die Verbrauchs- und Abgaswerte noch stärker in den Fokus rücken. „In Konsequenz werden wohl konventionelle Antriebe noch mehr verlieren“, sagt Bearing-Point-Berater Loebich. „Das Lippenbekenntnis, grün zu sein, wird mehr und mehr auch in Kaufentscheidungen umgesetzt.“

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