EADS-Chef Gallois 350 Millionen mehr Gewinn durch Reorganisation

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Der scheidende EADS-Chef Louis Gallois erwartet, dass der Gewinn des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns bis Ende 2012 allein durch die engere interne Zusammenarbeit um fast ein Viertel steigt.

Louis Gallois Quelle: dpa

„Wir haben jetzt konzernweit die gleichen Abläufe bei Personalverwaltung, Einkauf, IT oder Finanzen. Wir wollen damit bis zum Jahresende weitere 350 Millionen Euro einsparen“, sagte Gallois im Interview mit der WirtschaftsWoche und kündigte an, dass die Einsparungen „direkt in den Gewinn vor Steuern und Zinsen fließen.“ Das wäre ein Plus von knapp einem Viertel gegenüber dem Gewinn vor Steuern und Zinsen für 2011, den Analysten auf rund 1,5 Milliarden Euro schätzen. Die Bilanz für 2011 wird EADS am 8. März vorstellen.

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Womit der Airbus-Konzern am meisten verdient
Der EADS - KonzernLeitung: Thomas Enders Umsatz 2011: 49, 1 Milliarden Euro (2010: 45,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 1,69 Milliarden Euro (2010: 1,23 Milliarden Euro) Nettogewinn 2011: 1,037 Milliarden Euro (2010: 553 Millionen Euro) Mitarbeiter: 133.115 Die Auftragseingänge 2011 stiegen um 58 Prozent auf 131 Milliarden Euro. Die European Aeronautic Defence and Space Company ist Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern, sowie zweitgrößter Rüstungskonzern. Zum Konzern gehören die Divisionen Airbus, Cassidian, Eurocopter sowie Astrium. Quelle: dpa
Airbus: Leitung : Fabrice Bérgier Mitarbeiter: 52.500 Umsatz 2011: 33,1 Milliarden Euro (29, 978 Milliarden Euro) EBIT 2011: 584 Millionen Euro (2010: 305 Mio.) Die wichtigste EADS-Tochter Airbus verzeichnete 2011 Jahr mit 1608 Neubestellungen das beste Jahr ihrer Geschichte und verwies Konkurrent Boeing mit 921 Bestellungen auf den zweiten Platz. Airbus ist die größte Division von EADS. Sie gliedert sich auf in Airbus Commercial sowie Airbus Military, das 2009 neu gegründet wurde. Quelle: dpa
Unterdivision Airbus CommercialUmsatz 2011: 31,2 Milliarden Euro (2010: 27,7 Milliarden) EBIT 2011: 543 Millionen Euro (2010: 291 Millionen Euro) Airbus Commercial ist führender Anbieter von Zivilflugzeugen mit 100 oder mehr Plätzen. Die Produktpalette reicht vom kleinsten Airbus A318 bis zum 2007 eingeführten A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, durch dessen Einführung Airbus im Jahr 2006 das erste mal in der Geschichte Verluste erwirtschaftete. Quelle: Reuters
Unterdivision Airbus Military: Umsatz 2011: 2,5 Milliarden Euro (2010: 2,68 Milliarden Euro) EBIT 2011: 49 Millionen Euro (2010: 21 Millionen Euro) Airbus Military ist für den Bau von Militärflugzeugen sowie taktischen Militärtransportern, wie dem A310 MRTT oder dem A400M zuständig, und bietet zudem eine Reihe von spezialisierten Missionsflugzeugen wie Seefernaufklärer an. In diesem Segment ist das Unternehmen Weltmarktführer. Quelle: dpa
Cassidian: CEO: Stefan Zoller Umsatz 2011: 5,8 Milliarden Euro (2010: 5,9 Milliarden Euro) EBIT 2011: 331 Millionen Euro (2010: 457 Mio. Euro) Mitarbeiter: ca. 28.000 Die Cassidian Division bildet im EADS-Konzern den Schwerpunkt Sicherheits- und Verteidigungsaktivitäten. Unter anderem umfasst das Portfolio von Cassidian Lenkflugkörpersysteme, Verteidigungs- und Sicherheitslösungen für zivile und militärische Anwendungsbereiche sowie das Eurofighter-Programm. Quelle: dpa-dpaweb
Eurocopter: Leitung: Lutz Bertling Umsatz 2011: 5,4 Milliarden Euro (2010: 4,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 259 Millionen Euro (2010: 183 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.500 Eurocopter ist weltweiter Markführer für zivile und militärische Hubschrauber und bietet neben der umfangreichen Produktpalette dazugehörige Dienstleistungen an. Über 30 Prozent der weltweiten zivilen sowie halbstaatlichen Hubschrauberflotte sind Eurocopter-Produkte. Quelle: dpa
Astrium: Leitung: François Auque Umsatz 2011: 4,9 Milliarden Euro (2010: 5 Milliarden Euro) EBIT 2011: 267 Millionen Euro (2010: 283 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.000 Der weltweit drittgrößte Anbieter von Weltraumsystemen Astrium entwirft, entwickelt und fertigt Satelliten, Trägerraketen sowie Raumfahrtinfrastrukturen. Unter anderem ist das Unternehmen maßgeblich an der Entwicklung und Bau der Ariane-Rakete und des Raumlabors Columbus beteiligt. Quelle: dapd
Thomas Enders: Der EADS-Verwaltungsrat hat Thomas Enders, 53, zum neuen Chef des Unternehmens ernannt. Am 1. Juni tritt er als Nachfolger von Louis Gallois sein Amt an. Damit ist erstmals ein Deutscher an der Spitze des Konzerns. Quelle: dpa
Arnaud Lagardère: Seit diesem Jahr ist der Franzose Arnaud Lagardère, 50, als Nachfolger von Bodo Uebberder Verwaltungsratsvorsitzende bei EADS. Quelle: Reuters
Jean-Claude Trichet: Der ehemalige Präsident der europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, wurde dieses Jahr von der französischen Regierung für den Verwaltungsrat von EADS nominiert. Da die Regierung, die 15 Prozent der Aktien von EADS hält, ihre Interessen nicht ausreichend von Aranud Lagardère vertreten sah, soll ihn nun Trichet bei seinen Entscheidungen beaufsichtigen. Quelle: dpa

Eine weitere deutliche Gewinnsteigerung erwartet Gallois, der im Juni sein Amt an den Deutschen Thomas Enders übergibt, vom neuen Mittelstreckenjet A320neo, den Airbus ab 2015 ausliefern will. „Vom ersten Flugzeug an“, so Gallois, werde der A320neo Geld bringen: „Die Entwicklungskosten sind begrenzt, sodass wir sie bereits vor Beginn der Produktion abgeschrieben haben werden. Und weil wir für das Flugzeug dank des deutlich niedrigeren Spritverbrauchs zudem einen höheren Preis bekommen als für die bisherige Variante, wird das von Anfang an ein gutes Geschäft.“ Für den  A320neo hat Airbus derzeit mehr als 1300 feste Bestellungen vorliegen.

Seinem Nachfolger rät Gallois zum Bau eines Airbus-Werks in den USA neben den drei bisherigen Fabriken in Hamburg, dem französischen Toulouse und Tianjin in China: „Das ist ein Punkt, den man sich genau anschauen sollte.“ Dabei verweist er auf die auf die bisherigen Erfolge des Konzerns in den USA. „American Airlines, bisher ein reiner Boeing-Kunde, hat sich 2011 für unsere A320neo entschieden. Dazu hat DirecTV, ebenfalls ein reiner Boeing-Kunde, bei uns Satelliten bestellt. Diese Aufträge signalisieren durchaus einen Durchbruch im US-Markt.“

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