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EADS-Chef Enders, der Menschenfänger

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Prototyp eine Soldaten

Enders und sein Verkaufschef John Leahy schließen Verhandlungen mit arabischen Geschäftspartnern ab Quelle: Clint McLean

Disziplin, Selbstbeherrschung fast bis zur Selbstkasteiung – anders kommt Enders an diesem Morgen nicht gegen die 30 Grad Hitze an, nicht gegen das Donnern der Kampfflugzeuge am Himmel über dem Messegelände, nicht gegen die Anwürfe der Herren in Weiß, wenn sie glauben, unwürdig behandelt zu werden.

Es gibt Stress, Riesenstress. Die Verhandlungspartner von Qatar Airways, der Fluglinie des gleichnamigen arabischen Emirats, blockieren unerwartet die sicher geglaubte Bestellung von 50 A320-Neo-Flugzeugen, fünf A380-Riesenfliegern sowie Optionen für weitere 30 Neos und drei A380. Es geht um rund fünf Milliarden Euro. Enders blickt kurz aus der Tür. Er hat sein Sakko ausgezogen. „Wir müssen den Termin verschieben, es gibt Probleme“, sagt er einem wartenden Gesprächspartner.

Ein Mann der klaren Worte

Im Büro spitzt sich die Lage zu. Qatar-Airlines-Chef Akbar Al Baker, ein klein gewachsener Araber mit verkniffenem Blick, hatte vor Verhandlungsbeginn die bissige Bemerkung verbreitet: „Airbus muss noch lernen, Flugzeuge zu bauen.“ Grund für die verbale Breitseite waren Verzögerungen beim Langstreckenflieger A350, bei dem der Araber Änderungswünsche nachgereicht hatte. Er sei sehr pessimistisch, ob es zur Unterzeichnung des lange unterschriftsreifen Vertrages komme.

Als es eineinhalb Stunden später doch die Einigung gibt, ist Enders pottsauer. Ein Prototyp eines Soldaten wie er hält nichts vom Pokern. Er hat sogar schon Michael O’Leary, den Chef der Billig-Airline Ryanair, aus seinem Büro geworfen, als der exorbitant hohe Rabatte forderte. Diesmal, weiß Enders, blieb ihm jedoch nur, sich im Zaum zu halten. Er merkte, dass ihm das nötige schauspielerische oder diplomatische Geschick gefehlt hätte, um sein Innerstes ausreichend für sich zu behalten. Ein Selbstschutzreflex lässt ihn zurücktreten und seinen stets freundlichen Verkaufschef, den Amerikaner John Leahy, den Vertrag unterzeichnen.

Die Finger am Blackberry

So wie in diesen Minuten haben Enders bisher nur wenige erlebt. Er lässt sich, die Finger am Blackberry, ins Hotel bringen. Vorbei an Pferdestatuen, Kronleuchtern, an Touristen in Badeschlappen eilt er in sein Zimmer. Er tauscht Anzug und Krawatte gegen Jeans und Sporthemd und strebt an den Strand. Ein Handtuch um die Hüfte, in die Badehose geschlüpft – der künftige EADS-Chef schwimmt sich den Ärger im Persischen Golfs vom Leib.

Enders hätte sich kaum für den neuen Posten empfohlen, besäße er nicht die auffällige Begabung, Menschen mitzureißen. „Major Tom“ hätten sie ihn schon bei der Bundeswehr genannt, weil er dort „den Zusammenhalt, die Kameradschaft“ gepflegt habe, erinnert er sich. Dieses Gefühl verbreitet er nach seiner kleinen Flucht ins Meer, auf der Soirée am Strand von Dubai.

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