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EADS-Chef Enders, der Menschenfänger

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Sturm der Entrüstung

Dubai Air Show Quelle: Clint McLean

„Ich habe von Anfang an versucht, nicht nach nationalen Kriterien auszuwählen“, schwört Enders. „Den einzigen Spanier im Vorstand habe ich rausgeworfen, weil er nichts konnte.“ Der Mann hieß Juan Carlos Martinez Saiz und war für das Airbus-Militärgeschäft zuständig. Sein Abgang löste in Spanien einen Sturm der Entrüstung aus. Aber Enders’ Reputation wuchs, als er auch bei deutschen Managern kein Federlesen machte. So servierte er Rüdiger Fuchs ab, der einst den Kabelsalat im Großraumflugzeug A380 entknotete – die Chemie zwischen beiden stimmte nicht. Selbst Julien Talavan, der Boss der Deutschland-kritischen französischen Gewerkschaft Force Ouvrière, attestiert Enders, wichtige Posten „nach Kompetenz, nicht nach nationaler Zugehörigkeit“ zu vergeben.

Gelegentliche Sticheleien

Dass der künftige EADS-Chef kaum Französisch spricht, hat ihm bei Airbus und EADS nicht geschadet. Das mag daran liegen, dass auch kein französischer EADS- Spitzenmanager Deutsch kann, weder Holding-Chef Louis Gallois noch der operative Konzernchef Fabrice Brégier oder sein Strategiekollege Marwan Lahoud. Enders wäre schon froh, wenn alle Franzosen vernünftig Englisch sprächen. Er jedenfalls beherrscht die Sprache fast akzentfrei.

Auch seine ungewöhnliche Sozialisation geriet Enders nicht zum Nachteil. Airbus-Vize Brégier etwa ist Absolvent einer französischen Eliteschule und soll Enders vermutlich 2012 als Airbus-Chef nachfolgen. Trotz solcher Gegensätze und gelegentlicher Sticheleien gelang es Enders, dem Franzosen klarzumachen, dass sie an einem Strang ziehen müssten. Und tatsächlich: Der Franzose akzeptierte, dass Enders der Boss ist, gegen die Gewerkschaften das Kostensenkungsprogramm Power 8 durchsetzte und so Milliarden einsparte. Umsetzen musste das Programm Brégier.

Gut verdrahtet - mit Luft nach oben

Enders weiß, dass der Job an der EADS-Spitze ohne gute Kontakte in die französische Politik ein Höllenkommando wird. Die größte Nähe hatte er bisher zu Christine Lagarde, doch die ehemalige Finanzministerin leitet den Internationalen Währungsfonds. Zwar gilt Enders als gut verdrahtet mit dem einen oder anderen französischen Politiker wie Xavier Musca, dem engen Berater von Präsident Nicolas Sarkozy. Ansonsten wird er sich die Akzeptanz bei den Granden an der Seine noch erarbeiten müssen. Seine ablehnende Haltung gegenüber staatlichen Aktionären kommt weder in Paris noch bei der Bundesregierung gut an, die über die staatliche deutsche KfW Bank Anteile an EADS hält und wohl weitere von Daimler zukaufen wird.

Am Strand von Dubai ist Enders davon nichts anzumerken. Er sitzt auf einer Liege und genehmigt sich ein Bier. Sein Programm für die EADS steht. Und Widerstand von politischer Seite ist einkalkuliert. „Erwarten Sie von mir keine Diplomatie“, sagt er und nimmt einen Schluck.

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