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EADS-Chef Enders, der Menschenfänger

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Ungewöhnlicher Werdegang

Schulterklopfen und Lächeln: Sechs Flugstunden von Deutschland entfernt trifft Enders alte Bekannte: Den Manager Mahmut Türker (links) und Andreas Lindemann, der für den Flugzeugsitzhersteller Recaro arbeitet Quelle: Clint McLean

Solche Erinnerungen holen Enders in den wenigen stillen Minuten in Dubai ein, wenn er an seinen künftigen Job als EADS-Chef denkt. Dann macht er sich bewusst, welch ungewöhnlichen Werdegang er hat. Die Eltern, die heute noch in ihrem kleinen Haus im Westerwald leben, ließen alle vier Kinder Abitur machen. „Wir sollten es besser haben“, sagt Enders. Bafög, Studentenjobs und ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung ermöglichten ihm das Studium der Wirtschaft, Politik und Geschichte in Bonn und Los Angeles.

Wäre er da nicht eher ein Fall für die SPD, die Partei der kleinen Leute? „Ich stand anfangs tatsächlich der SPD nahe und habe deren Vorsitzenden und Bundeskanzler Willy Brandt bewundert“, sagt Enders unter dem Sternenhimmel am Golf. „Mit der roten Heidemarie Wieczorek-Zeul, der späteren Entwicklungshilfeministerin, war ich sogar mal auf einer Demo.“ Helmut Schmidt, den zweiten SPD-Bundeskanzler, habe er sogar regelrecht verehrt. „Kürzlich habe ich ihn in Hamburg besucht. Das war ein Erlebnis für mich.“

Doch als in den Achtzigerjahren viele Sozialdemokraten nicht gegen die atomaren Mittelstreckenraketen in Osteuropas nachrüsten wollten, trat Soldat Enders in die Partei der Befürworter ein, in die Union. Weil die Bundesregierung in diesem Jahr die Teilnahme Deutschlands am Libyen-Krieg ablehnte und aus der Atomenergie ausstieg, verließ er die CSU wieder.

So kameradschaftlich sich Enders zu geben versteht, so gehört zu ihm aber auch die Bereitschaft zum Konflikt wie die Kalaschnikow zum Bürgerkrieg. Anders hätte er sich nicht den Respekt verdient, den er für den Aufstieg an die EADS-Spitze brauchte. Als er im November 2005 wie andere Beschäftigte EADS-Aktien verkaufte und einige Monate später massive Verspätungen beim Bau des Großraumflugzeugs A380 bekannt wurden, stürzte der Kurs ab.

"Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt"

Prompt gerieten Enders und andere EADS-Manager wegen des Verdachts der Insidergeschäfte ins Visier der französischen Justiz. Sein Vorvorgänger Gustav Humbert sowie der damalige Airbus-Finanzchef Andreas Sperl mussten stundenlange Verhöre über sich ergehen lassen, ihre Uhren und Schnürsenkel abgeben und in kargen Zellen übernachten. Enders geißelte diese Methoden als „Schauprozesse“. Die aggressive Retourkutsche erfüllte ihren Zweck, die Franzosen stellten ihre Verhöre mit anschließender Untersuchungshaft ab. „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“, zitiert Enders bis heute einen Sponti-Spruch aus Zeiten der 1968er-Studentenbewegung.

Enders hat auch bewiesen, dass er in der Lage ist, Entscheidungen gegen nationale Empfindlichkeiten durchzusetzen. Wie seine Crew in Dubai, so kommen auch die Beschäftigten von Airbus aus aller Herren Länder: Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien, USA, Indien, China.

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