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EADS-Chef Enders, der Menschenfänger

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Zwischen Toulouse und Tegernsee

Auf dem Rollfeld trifft Enders auf Naresh Goyal, den Gründer der indischen Jet Airways Quelle: Clint McLean

„Ich habe ein tolles Team, es macht einen Riesenspaß, Airbus-CEO zu sein“, sagt er in die abendliche Runde. Dass er in wenigen Stunden nach München, tagsdrauf nach Berlin und 24 Stunden später in die USA fliegen wird, hat er tief im Hinterkopf vergraben. Hier ein Plausch mit einem Mann im Polohemd, dort ein Smalltalk mit ein paar Frauen, ein paar Minuten und Meter weiter ein kurzes Gespräch mit seinem Chefstrategen Marwan Lahoud. „Enders ist zugänglich und hat keinen Dünkel“, sagt ein Airbus-Mitarbeiter. „Der wirkt ganz natürlich“, findet ein anderer.

Enders schlägt mit dem Messer an sein Glas. „Wir sind eine Familie“, ruft er auf Englisch. „Mit 211 Orders haben wir die Verkaufsziele weit übertroffen.“ Applaus, das Menu wird serviert: Thunfisch-Carpaccio, Fisch, schließlich ein Sorbet.

Brotzeit auf dem Berg

Die Dubai Air Show wirkt wie ein bunter Tupfer in Enders’ Leben, das er ansonsten generalstabsmäßig durchorganisiert. Wenn er nicht gerade reist, lebt er in einer Dienstwohnung am Airbus-Sitz Toulouse, unweit vom Zentrum der südfranzösischen Industriestadt an der Garonne. „Ich stehe um fünf Uhr auf, bereite mich auf den Tag vor und schreibe Mails. Dann gehe ich joggen, dusche und fahre ins Büro“, sagt er – zack, zack, zack. Am Wochenende pendelt er meist an den Tegernsee, wo seine Frau mit den vier Söhnen wohnt. Dort geht es weiter, zack, zack, zack, nur gemütlicher. „Besonders gern besteige ich mit meiner Familie schon frühmorgens einen Berg“, sagt der Rastlose, „und mache dann Brotzeit mit Speck und einem Tegernseer Hell.“

Dass Enders trotz seines Aufstiegs die Bodenhaftung nicht verloren hat, verdankt der Sohn eines Schäfers im Westerwald der Tank- und Raststation Familie. „Dafür sorgt schon meine Frau“, sagt er offen. Mit Gattin Friederike ist er seit mehr als 20 Jahren verheiratet. Sie steht mit beiden Füßen im Volk, macht für die CSU Kommunalpolitik am Tegernsee. „Mit der Schickimicki-Gesellschaft Münchens hat die nichts am Hut“, sagt ein Vertrauter der Familie. „Auf dem Golfplatz werden Sie mich nicht finden“, sagt auch Enders.

Ein Chef mit Bodenhaftung

Nachdem er Airbus-Chef geworden war, hielt er regelmäßige Frühstückstreffen mit Mitarbeitern aller Hierarchiestufen ab. Bis heute beantwortet er E-Mails von Beschäftigten selbst. Um die Stimmung zu verbessern, führte er konsequent Mitarbeiterbefragungen ein, die für Airbus zunächst wenig schmeichelhaft ausfielen.

Stringenz und Einsatz hat der Aufsteiger lange vor der Bundeswehr gelernt, von seinem Vater, der wegen einer Herzkrankheit von Schuhmacher auf Schäfer umsatteln musste. Die Familie half mit, eine eigene Herde aufzubauen. „Geld hatten wir nicht viel“, erinnert sich Enders. „Mit 1000 Schafen war eine Menge zu tun. Meine drei Geschwister und ich waren mächtig eingespannt.“ Im Sommer musste Heu gemacht werden, damit die Tiere auch im Winter genug zu fressen hatten. „Was ich bin, das habe ich nicht zuletzt auch einer harten Schule daheim zu verdanken“, sagt er.

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