EADS Endlich ein Unternehmen

Die Forderung der Bundesregierung nach einer festen deutsch-französischen Parität bei dem Luftfahrtkonzern schadet nicht nur dem Unternehmen selbst, sondern vor allem ihrem Einfluss bei der EADS. Statt auf Drohungen sollte die deutsche Politik auf Überzeugungsarbeit und Rückendeckung für den deutschen Teil des Konzern setzen.

Peter Hintze Quelle: dpa

Manchmal hat man den Eindruck, trotz Eurokrise und einem drohenden Rückgang wird es Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze manchmal ein wenig langweilig. Er mischt sich offen in die Unternehmensführung der EADS ein - mit einem Brief, der im Unternehmen als dreist empfunden wird. Hintze fordert eine Mitsprache bei der Besetzung des Managements. Überraschende Begründung: Die Bundesregierung habe bei der Finanzierung des neuen Langstreckenfliegers A350 der größten EADS-Tochter Airbus vor zwei Jahren mit einer Kreditgarantie ausgeholfen. Er nennt einen Betrag von 500 Millionen Euro.

Womit der Airbus-Konzern am meisten verdient
Der EADS - KonzernLeitung: Thomas Enders Umsatz 2011: 49, 1 Milliarden Euro (2010: 45,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 1,69 Milliarden Euro (2010: 1,23 Milliarden Euro) Nettogewinn 2011: 1,037 Milliarden Euro (2010: 553 Millionen Euro) Mitarbeiter: 133.115 Die Auftragseingänge 2011 stiegen um 58 Prozent auf 131 Milliarden Euro. Die European Aeronautic Defence and Space Company ist Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern, sowie zweitgrößter Rüstungskonzern. Zum Konzern gehören die Divisionen Airbus, Cassidian, Eurocopter sowie Astrium. Quelle: dpa
Airbus: Leitung : Fabrice Bérgier Mitarbeiter: 52.500 Umsatz 2011: 33,1 Milliarden Euro (29, 978 Milliarden Euro) EBIT 2011: 584 Millionen Euro (2010: 305 Mio.) Die wichtigste EADS-Tochter Airbus verzeichnete 2011 Jahr mit 1608 Neubestellungen das beste Jahr ihrer Geschichte und verwies Konkurrent Boeing mit 921 Bestellungen auf den zweiten Platz. Airbus ist die größte Division von EADS. Sie gliedert sich auf in Airbus Commercial sowie Airbus Military, das 2009 neu gegründet wurde. Quelle: dpa
Unterdivision Airbus CommercialUmsatz 2011: 31,2 Milliarden Euro (2010: 27,7 Milliarden) EBIT 2011: 543 Millionen Euro (2010: 291 Millionen Euro) Airbus Commercial ist führender Anbieter von Zivilflugzeugen mit 100 oder mehr Plätzen. Die Produktpalette reicht vom kleinsten Airbus A318 bis zum 2007 eingeführten A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, durch dessen Einführung Airbus im Jahr 2006 das erste mal in der Geschichte Verluste erwirtschaftete. Quelle: Reuters
Unterdivision Airbus Military: Umsatz 2011: 2,5 Milliarden Euro (2010: 2,68 Milliarden Euro) EBIT 2011: 49 Millionen Euro (2010: 21 Millionen Euro) Airbus Military ist für den Bau von Militärflugzeugen sowie taktischen Militärtransportern, wie dem A310 MRTT oder dem A400M zuständig, und bietet zudem eine Reihe von spezialisierten Missionsflugzeugen wie Seefernaufklärer an. In diesem Segment ist das Unternehmen Weltmarktführer. Quelle: dpa
Cassidian: CEO: Stefan Zoller Umsatz 2011: 5,8 Milliarden Euro (2010: 5,9 Milliarden Euro) EBIT 2011: 331 Millionen Euro (2010: 457 Mio. Euro) Mitarbeiter: ca. 28.000 Die Cassidian Division bildet im EADS-Konzern den Schwerpunkt Sicherheits- und Verteidigungsaktivitäten. Unter anderem umfasst das Portfolio von Cassidian Lenkflugkörpersysteme, Verteidigungs- und Sicherheitslösungen für zivile und militärische Anwendungsbereiche sowie das Eurofighter-Programm. Quelle: dpa-dpaweb
Eurocopter: Leitung: Lutz Bertling Umsatz 2011: 5,4 Milliarden Euro (2010: 4,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 259 Millionen Euro (2010: 183 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.500 Eurocopter ist weltweiter Markführer für zivile und militärische Hubschrauber und bietet neben der umfangreichen Produktpalette dazugehörige Dienstleistungen an. Über 30 Prozent der weltweiten zivilen sowie halbstaatlichen Hubschrauberflotte sind Eurocopter-Produkte. Quelle: dpa
Astrium: Leitung: François Auque Umsatz 2011: 4,9 Milliarden Euro (2010: 5 Milliarden Euro) EBIT 2011: 267 Millionen Euro (2010: 283 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.000 Der weltweit drittgrößte Anbieter von Weltraumsystemen Astrium entwirft, entwickelt und fertigt Satelliten, Trägerraketen sowie Raumfahrtinfrastrukturen. Unter anderem ist das Unternehmen maßgeblich an der Entwicklung und Bau der Ariane-Rakete und des Raumlabors Columbus beteiligt. Quelle: dapd

Mal ganz abgesehen davon, dass der Betrag nach mehr klingt als er ist. Denn angesichts der guten Verkaufszahlen, wird die Bundesregierung das Geld wahrscheinlich mit Zinsen zurückbekommen. Mit welchem Recht mahnt sich Hintze mehr Rechte an als die Aktionäre, die gemessen am Börsenwert immerhin fast 23 Milliarden Euro in dem Unternehmen stecken haben? Was EADS-Chef Thomas Enders tut und lässt, muss sich vor allem am Wohl des Unternehmens orientieren. Denn er ist Konzernchef und nicht deutscher Statthalter.
Dazu gilt – wie vor zwei Wochen bei der Diskussion um einen Abbau von Doppelstrukturen in der EADS-Verwaltung: Mit welcher Berechtigung fordert die Bundesregierung eine größere, ja sogar nur eine gleichbleibende Deutschlandpräsenz der EADS? In Deutschland war die EADS - neben der effizienten Produktion inklusive der vielen innovativen und hochqualifizierten Arbeitskräfte – vor allem aus einem Grund aktiv: staatliche Hilfen. Letztere reichten von zinsgünstigen Krediten für neue Flugzeugmodelle der Zivilflugtochter Airbus über Großbestellungen für Waffensysteme bis zur Exportförderung wenn sich Mitglieder der Bundesregierung im Ausland für EADS-Produkte einsetzten.

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