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EADS Eurocopter profitiert von der Energiewende

Der Chef von Eurocopter baut den Hubschrauberhersteller um und errichtet in Deutschland ein neues Entwicklungszentrum.

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Lutz Bertling Quelle: Laif/Rea

WirtschaftsWoche: Herr Bertling, Ihre Mitarbeiter klagen angeblich, der Einfluss der Deutschen schwinde im Unternehmen. Ist Eurocopter noch ein deutsches Unternehmen oder schon ein französisches?

Bertling: Weder noch, wir sind beides: Eurocopter ist das europäischste Unternehmen, das Sie sich vorstellen können. Wir sind ein komplett integriertes Unternehmen, bei dem Mitarbeiter mit deutschem Arbeitsvertrag auch Vorgesetzte von Beschäftigten mit französischem Arbeitsvertrag sein können und umgekehrt.

Keines unserer Produkte hat rein deutsche oder französische Technologie. Gleichzeitig wahren wir auf beiden Seiten des Rheins volle Systemfähigkeit, können also sowohl in Deutschland als auch in Frankreich komplette Hubschrauber entwickeln, bauen und betreuen.

Womit der Airbus-Konzern am meisten verdient
Der EADS - KonzernLeitung: Thomas Enders Umsatz 2011: 49, 1 Milliarden Euro (2010: 45,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 1,69 Milliarden Euro (2010: 1,23 Milliarden Euro) Nettogewinn 2011: 1,037 Milliarden Euro (2010: 553 Millionen Euro) Mitarbeiter: 133.115 Die Auftragseingänge 2011 stiegen um 58 Prozent auf 131 Milliarden Euro. Die European Aeronautic Defence and Space Company ist Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern, sowie zweitgrößter Rüstungskonzern. Zum Konzern gehören die Divisionen Airbus, Cassidian, Eurocopter sowie Astrium. Quelle: dpa
Airbus: Leitung : Fabrice Bérgier Mitarbeiter: 52.500 Umsatz 2011: 33,1 Milliarden Euro (29, 978 Milliarden Euro) EBIT 2011: 584 Millionen Euro (2010: 305 Mio.) Die wichtigste EADS-Tochter Airbus verzeichnete 2011 Jahr mit 1608 Neubestellungen das beste Jahr ihrer Geschichte und verwies Konkurrent Boeing mit 921 Bestellungen auf den zweiten Platz. Airbus ist die größte Division von EADS. Sie gliedert sich auf in Airbus Commercial sowie Airbus Military, das 2009 neu gegründet wurde. Quelle: dpa
Unterdivision Airbus CommercialUmsatz 2011: 31,2 Milliarden Euro (2010: 27,7 Milliarden) EBIT 2011: 543 Millionen Euro (2010: 291 Millionen Euro) Airbus Commercial ist führender Anbieter von Zivilflugzeugen mit 100 oder mehr Plätzen. Die Produktpalette reicht vom kleinsten Airbus A318 bis zum 2007 eingeführten A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, durch dessen Einführung Airbus im Jahr 2006 das erste mal in der Geschichte Verluste erwirtschaftete. Quelle: Reuters
Unterdivision Airbus Military: Umsatz 2011: 2,5 Milliarden Euro (2010: 2,68 Milliarden Euro) EBIT 2011: 49 Millionen Euro (2010: 21 Millionen Euro) Airbus Military ist für den Bau von Militärflugzeugen sowie taktischen Militärtransportern, wie dem A310 MRTT oder dem A400M zuständig, und bietet zudem eine Reihe von spezialisierten Missionsflugzeugen wie Seefernaufklärer an. In diesem Segment ist das Unternehmen Weltmarktführer. Quelle: dpa
Cassidian: CEO: Stefan Zoller Umsatz 2011: 5,8 Milliarden Euro (2010: 5,9 Milliarden Euro) EBIT 2011: 331 Millionen Euro (2010: 457 Mio. Euro) Mitarbeiter: ca. 28.000 Die Cassidian Division bildet im EADS-Konzern den Schwerpunkt Sicherheits- und Verteidigungsaktivitäten. Unter anderem umfasst das Portfolio von Cassidian Lenkflugkörpersysteme, Verteidigungs- und Sicherheitslösungen für zivile und militärische Anwendungsbereiche sowie das Eurofighter-Programm. Quelle: dpa-dpaweb
Eurocopter: Leitung: Lutz Bertling Umsatz 2011: 5,4 Milliarden Euro (2010: 4,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 259 Millionen Euro (2010: 183 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.500 Eurocopter ist weltweiter Markführer für zivile und militärische Hubschrauber und bietet neben der umfangreichen Produktpalette dazugehörige Dienstleistungen an. Über 30 Prozent der weltweiten zivilen sowie halbstaatlichen Hubschrauberflotte sind Eurocopter-Produkte. Quelle: dpa
Astrium: Leitung: François Auque Umsatz 2011: 4,9 Milliarden Euro (2010: 5 Milliarden Euro) EBIT 2011: 267 Millionen Euro (2010: 283 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.000 Der weltweit drittgrößte Anbieter von Weltraumsystemen Astrium entwirft, entwickelt und fertigt Satelliten, Trägerraketen sowie Raumfahrtinfrastrukturen. Unter anderem ist das Unternehmen maßgeblich an der Entwicklung und Bau der Ariane-Rakete und des Raumlabors Columbus beteiligt. Quelle: dapd

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    Verlagerung von Arbeitspaketen findet in beide Richtungen statt: Wir haben bestimmte Bereiche in jeweils einem Land gebündelt, um auf größere Stückzahlen und Kostenvorteile bei Entwicklung und in der Produktion zu kommen. Damit werden Teile dann an anderen Orten gebaut als früher. Das kann in einer Übergangszeit auf beiden Seiten zu Erstaunen führen.

    Aber insgesamt ist klar: Beide Seiten haben stark von dem deutsch-französischen Zusammenschluss profitiert. In Deutschland ist die Beschäftigtenzahl seit der Eurocopter-Gründung prozentual sogar stärker angestiegen als in Frankreich.

    Forschungsprojekte wie der schnelle Hubschrauber X-3 kommen aus Frankreich, nicht aus Deutschland.

    Dafür forschen wir in Deutschland an der nächsten Generation besonders umweltfreundlicher Hubschrauber. Darüber hinaus reden wir mit den Regierungen in Bayern und Deutschland über die Förderung eines neuen zivilen Programms. Deutschland ist also keineswegs ein Schrauberstandort. Im Gegenteil: Donauwörth ist ein vollwertiger Hubschrauberstandort! Wir bauen unser deutsches Standbein sogar noch aus und investieren dort 100 Millionen in ein neues Entwicklungszentrum. Zudem liefert bei jedem Programm die Gesellschaft des jeweils anderen Landes zu.

    Mehr Hubschrauber als Aufträge

    Militärhubschrauber vom Typ Eurocopter Tiger Quelle: dpa

    Sie wollen 2012 und 2013 die Produktion kräftig hochfahren. Wie schaffen Sie das? In den vergangenen zwei Jahren haben Sie mehr Hubschrauber ausgeliefert, als Aufträge hereinkamen.

    Wir sind dank unseres starken Geschäfts mit Dienstleistungen und Services wie der Helikopterwartung bereits in den vergangenen Jahren gewachsen. Und wir erwarten 2012 wieder deutlich mehr Aufträge, wodurch die Zahl der Auslieferungen erreicht oder gar übertroffen wird.

    Woher kommt denn das Wachstum?

    Bis 2015 vor allem durch Rüstungsprogramme, aber auch durch die Versorgung von Öl- und Gasplattformen, den Tourismus und öffentliche Dienste – und das weltweit.

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      Die größten Rüstungsschmieden der Welt
      Rüstung Quelle: dapd
      Krauss-Maffei Wegmann Quelle: dapd
      Diehl Stiftung Quelle: dpa/dpaweb
      ThyssenKrupp Quelle: dpa
       Rheinmetall Quelle: dpa/dpaweb
      Thales Quelle: REUTERS
      Finmeccanica Quelle: REUTERS

      Arbeiten Sie diese Aufträge dann außerhalb Europas ab?

      Nein, das Wachstum in Übersee geht nicht zulasten Europas. Im Gegenteil: Wir exportieren schon heute 75 Prozent unserer Produktion in Staaten außerhalb unserer Heimatländer und werden zumindest in den nächsten 20 Jahren den überwiegenden Teil der Aufträge in Frankreich und Deutschland abarbeiten und damit sogar Arbeitsplätze „importieren“.

      Wird das Zivilgeschäft von Eurocopter jemals größer sein als die Rüstungssparte?

      Das ist schon heute der Fall und gehört zu unseren Wettbewerbsvorteilen für die Zukunft: Wenn man den Gesamtmarkt betrachtet, wird ab 2015 der militärische Anteil gegenüber dem zivilen deutlich abnehmen, bis etwa 2025 werden beide Märkte gleich groß sein. Dafür sorgen beispielsweise die Bestellungen der Unternehmen aus der Energiebranche.

      Industrie



      Dazu sind wir in gewisser Weise auch ein Profiteur der Energiewende: Die Zahl der Windparks auf hoher See wächst ebenso wie die Zahl schwer erreichbarer Hochspannungsleitungen. Beide können Sie nur mit Hubschraubern erreichen, überwachen und warten. Dazu gibt es weltweit mehr Aufträge staatlicher Organisationen. Die Erfahrung zeigt: Hat ein Land ein Bruttoinlandsprodukt von mehr als 10.000 Dollar pro Einwohner, baut es ein Rettungsflugnetz auf oder investiert in Polizeihelikopter.

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