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EADS Vorläufiger Frieden

Die bayerische Landesregierung lässt die EADS einen ihrer Verwaltungssitze von München nach Toulouse verlagern – aber nicht so ganz. Jetzt bleibt die Frage, wie Bundesregierung agiert, wenn sie wie geplant ihre Anteile am Luftfahrtkonzern aufstockt.

Horst Seehofer Quelle: dpa

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat also den Widerstand gegen eine teilweise Verlagerung der EADS-Konzernzentrale von München ins südfranzösische Toulouse aufgegeben. Die spontane Frage, die sich da stellt ist natürlich: warum denn nicht gleich so? Schließlich steckt hinter dieser Erlaubnis nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit. EADS darf wie ein Unternehmen handeln und muss nicht wie eine Behörde die Erlaubnis der deutschen Regierung einholen.

Doch für eine komplette Entwarnung ist es noch deutlich zu früh. Denn, wer die Worte Seehofers im Handelsblatt von heute einmal genau liest, entdeckt kurz darauf einen bemerkenswerten Satz. Der künftige EADS-Chef Thomas Enders, steht da, müsse „EADS auch ein Stück weit so gestalten können, wie es nötig ist, um das Unternehmen erfolgreich zu führen.“
Nur „ein Stück weit“? Heißt das im Klartext: So richtig Unternehmer sein darf Enders also auch künftig nicht? Ist die EADS also aus Sicht Seehofers nach wie vor nicht komplett ihren Eigentümern, den Aktionären, sowie den Gesetzen der Betriebswirtschaft verpflichtet, sondern eben auch der deutschen Politik und ihren Bedürfnissen?

Womit der Airbus-Konzern am meisten verdient
Der EADS - KonzernLeitung: Thomas Enders Umsatz 2011: 49, 1 Milliarden Euro (2010: 45,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 1,69 Milliarden Euro (2010: 1,23 Milliarden Euro) Nettogewinn 2011: 1,037 Milliarden Euro (2010: 553 Millionen Euro) Mitarbeiter: 133.115 Die Auftragseingänge 2011 stiegen um 58 Prozent auf 131 Milliarden Euro. Die European Aeronautic Defence and Space Company ist Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern, sowie zweitgrößter Rüstungskonzern. Zum Konzern gehören die Divisionen Airbus, Cassidian, Eurocopter sowie Astrium. Quelle: dpa
Airbus: Leitung : Fabrice Bérgier Mitarbeiter: 52.500 Umsatz 2011: 33,1 Milliarden Euro (29, 978 Milliarden Euro) EBIT 2011: 584 Millionen Euro (2010: 305 Mio.) Die wichtigste EADS-Tochter Airbus verzeichnete 2011 Jahr mit 1608 Neubestellungen das beste Jahr ihrer Geschichte und verwies Konkurrent Boeing mit 921 Bestellungen auf den zweiten Platz. Airbus ist die größte Division von EADS. Sie gliedert sich auf in Airbus Commercial sowie Airbus Military, das 2009 neu gegründet wurde. Quelle: dpa
Unterdivision Airbus CommercialUmsatz 2011: 31,2 Milliarden Euro (2010: 27,7 Milliarden) EBIT 2011: 543 Millionen Euro (2010: 291 Millionen Euro) Airbus Commercial ist führender Anbieter von Zivilflugzeugen mit 100 oder mehr Plätzen. Die Produktpalette reicht vom kleinsten Airbus A318 bis zum 2007 eingeführten A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, durch dessen Einführung Airbus im Jahr 2006 das erste mal in der Geschichte Verluste erwirtschaftete. Quelle: Reuters
Unterdivision Airbus Military: Umsatz 2011: 2,5 Milliarden Euro (2010: 2,68 Milliarden Euro) EBIT 2011: 49 Millionen Euro (2010: 21 Millionen Euro) Airbus Military ist für den Bau von Militärflugzeugen sowie taktischen Militärtransportern, wie dem A310 MRTT oder dem A400M zuständig, und bietet zudem eine Reihe von spezialisierten Missionsflugzeugen wie Seefernaufklärer an. In diesem Segment ist das Unternehmen Weltmarktführer. Quelle: dpa
Cassidian: CEO: Stefan Zoller Umsatz 2011: 5,8 Milliarden Euro (2010: 5,9 Milliarden Euro) EBIT 2011: 331 Millionen Euro (2010: 457 Mio. Euro) Mitarbeiter: ca. 28.000 Die Cassidian Division bildet im EADS-Konzern den Schwerpunkt Sicherheits- und Verteidigungsaktivitäten. Unter anderem umfasst das Portfolio von Cassidian Lenkflugkörpersysteme, Verteidigungs- und Sicherheitslösungen für zivile und militärische Anwendungsbereiche sowie das Eurofighter-Programm. Quelle: dpa-dpaweb
Eurocopter: Leitung: Lutz Bertling Umsatz 2011: 5,4 Milliarden Euro (2010: 4,8 Milliarden Euro) EBIT 2011: 259 Millionen Euro (2010: 183 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.500 Eurocopter ist weltweiter Markführer für zivile und militärische Hubschrauber und bietet neben der umfangreichen Produktpalette dazugehörige Dienstleistungen an. Über 30 Prozent der weltweiten zivilen sowie halbstaatlichen Hubschrauberflotte sind Eurocopter-Produkte. Quelle: dpa
Astrium: Leitung: François Auque Umsatz 2011: 4,9 Milliarden Euro (2010: 5 Milliarden Euro) EBIT 2011: 267 Millionen Euro (2010: 283 Mio. Euro) Mitarbeiter: 15.000 Der weltweit drittgrößte Anbieter von Weltraumsystemen Astrium entwirft, entwickelt und fertigt Satelliten, Trägerraketen sowie Raumfahrtinfrastrukturen. Unter anderem ist das Unternehmen maßgeblich an der Entwicklung und Bau der Ariane-Rakete und des Raumlabors Columbus beteiligt. Quelle: dapd

Hinein ins Forderungskarussell
Das klingt nicht danach, dass die Politik den Widerstand aufgibt. Es klingt nur nach einem vorläufigen Frieden und lässt für die Zukunft auf wenig Gutes hoffen. Denn nach den jüngsten Plänen, soll künftig die deutsche Staatsbank KfW ja noch in diesem Jahr möglichst viele der Anteile übernehmen, die bislang im Besitz des Autokonzerns Daimler sind. Und dann könnte das Gezerre um Posten und Arbeitspakete erneut loslegen, weil Deutschland dann mit großer Überzeugung in seiner Eigenschaft als Aktionär Forderungen stellen könnte, die im Zweifel eben der Politik geschuldet sind – und nicht der Betriebswirtschaft. Das ist zu befürchten, wenn man Seehofers Worte liest und noch die Äußerungen von Staatssekretär Peter Hinze aus dem Bundeswirtschaftsministerium vor Augen hat.

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Und wenn Deutschland so offene Forderungen stellt, dann dürfte Frankreich als Besitzer von 15 Prozent der EADS-Aktien sicher bald mit ähnlichen Forderungen kommen. Das könnte dann zu einem deutsch-französischen Forderungskarussell führen - am Ende gehen die alten weitgehend überwundenen Grabenkämpfe wieder neu los. Keine schönen Aussichten.

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