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EADS Thomas Enders rückt auf den Pilotensitz

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Zankapfel Konzernspitze

Vor allem die Produktion der großen Flugzeuge bereitet Airbus weiterhin finanzielle Probleme - zwar steigt die Zahl der Auslieferungen, jedoch ist die Produktion so teuer, dass Airbus nach wie vor drauf zahlt. Quelle: dpa

Die magere Marge resultiert vor allem aus Problemen in der Produktion. Zwar hat Airbus in diesem Jahr mehr Flieger denn je verkauft. Doch bei der Fertigung der großen Flugzeuge, die den meisten Gewinn bringen, hakt es.
Beim Superjumbo A380 steigen zwar die Auslieferungen, doch Airbus zahlt drauf, weil die Produktion nach wie vor zu aufwendig und teuer ist. Bei den kleineren Langstreckenmaschinen vom Typ A350 musste Airbus gerade die zweite Verzögerung innerhalb eines halben Jahres verkünden. Unternehmenskenner bezweifeln, dass dies die letzte war.
Eine Grundrenovierung braucht auch die Rüstungssparte, die Enders bis 2004 leitete. Angesichts sinkender Verteidigungsetats in Europa benötigt der Bereich dringend neue Aufträge. Hinzu kommt, dass EADS auch hier bei vielen Projekten, etwa dem Militär-Airbus A400M oder den unbemannten Kampffliegern, draufzahlt.

Um diese Probleme zu lösen, muss Enders sich mit den Politikern vor allem aus Deutschland und Frankreich arrangieren. Zwar haben bei EADS offiziell der französische Verleger Arnaud Lagardère und der deutsche Autokonzern Daimler das Sagen. De facto aber entscheiden bei EADS die Regierungen in Berlin und Paris über jede größere Veränderung – wegen der zunehmenden Lustlosigkeit der Privataktionäre, des sensiblen Rüstungsgeschäfts und der gut 120.000 High-Tech-Jobs im Konzern.

Wird aus EADS bald "Airbus"?

Hier könnte Enders, den Airbus-Mitarbeiter gern „Major Tom“ nennen, den ersten großen Konflikt riskieren. Denn er ist überzeugt, dass das zivile Flugzeuggeschäft bessere Geschäftsperspektiven besitzt als das Rüstungsgeschäft. Um dies nach außen sichtbar zu machen, hat er intern vorgeschlagen, EADS in Airbus umzubenennen. Gleichzeitig würde er gern den doppelten Unternehmenssitz in Paris und München beseitigen und die neue Konzernzentrale am südwestfranzösischen Airbus-Hauptsitz Toulouse einrichten. Das würde die Effizienz erhöhen und gleichzeitig die Bodenkontrolle über das Geschäft durch die Politiker schwächen.
Damit dürfte Enders sich allerdings weder in Berlin noch in Paris Freunde machen. Die Franzosen fürchten, er könnte EADS von der Provinz aus stärker internationalisieren und mehr Fertigung ins Ausland verlagern. Hiesige Politiker wiederum argwöhnen, Enders plane eine Abspaltung der Rüstungssparte, bei der die Deutschen die Oberhand haben.

Enders’ Vertraute sind zuversichtlich, dass ihr künftiger Chef den Konflikt für sich entscheidet. „Es gibt wenige Dinge“, sagt einer, „bei denen er so aufblüht wie bei der Lösung scheinbar unlösbarer Probleme."

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