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Elektroriese mit Problemen Mit Philips geht es weiter abwärts

Beim niederländischen Elektroriesen Philips geht es trotz aller Erfolgsnachrichten weiter abwärts. Doch mit dem Verkauf des Massengeschäfts im Lichtsektor soll sich das noch in diesem Jahr ändern.

Die größten Spin-offs seit 2010 weltweit
Rang 10Abspaltendes Unternehmen: SLM Corp Abgespaltenes Unternehmen: Navient Land: USA Jahr: 2013 Wert (in Mrd. EUR): 5,6 Quelle: Institute of Mergers, Acquisitions and Alliances Quelle: PR
Rang 9Abspaltendes Unternehmen: Tyco Abgespaltenes Unternehmen: ADT Corporation und Pentair Ltd Land: USA Jahr: 2011 Wert (in Mrd. EUR): 6,1 Quelle: PR
Rang 8 Abspaltendes Unternehmen: LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton SA Abgespaltenes Unternehmen: Hermes International SCA Land: Frankreich Jahr: 2014 Wert (in Mrd. EUR): 6,3 Quelle: PR
Rang 7Abspaltendes Unternehmen: Westfield Group Abgespaltenes Unternehmen: Scentre Group  Land: Australien Jahr: 2010 Wert (in Mrd. EUR): 7,1 Quelle: Reuters
Rang 6Abspaltendes Unternehmen: News Corp Abgespaltenes Unternehmen: New News Corporation Land: USA Jahr: 2012 Wert (in Mrd. EUR): 7,1 Quelle: PR
Rang 5Abspaltendes Unternehmen: Marathon Oil Abgespaltenes Unternehmen: Marathon Petroleum Corp. Land: USA Jahr: 2011 Wert (in Mrd. EUR): 11,3 Quelle: PR
Rang 4Abspaltendes Unternehmen: Fiat SpA Abgespaltenes Unternehmen: Fiat Industrial SpA Land: Italien Jahr: 2010 Wert (in Mrd. EUR): 13,8 Quelle: AP

Zum Jahreswechsel war Philips-Chef Frans van Houten noch bester Laune. Das gerade beendete Geschäftsjahr war für den niederländischen Elektrokonzern eines der besten. Nach mehr als zehn Jahren Umbau und Verlusten stiegen endlich die Gewinne wieder. "Unsere Schrumpfungsphase ist definitiv vorbei", freute sich van Houten damals im Interview mit der WirtschaftsWoche und ergänzte stolz: "Wir sind eine Geschichte der Selbsthilfe."

Das war leider etwas voreilig. Denn die heute veröffentlichte Bilanz für 2014 zeigt: Der Aufschwung ist erstmal wieder gestoppt.

Im lange Zeit profitabelsten Feld Medizintechnik und erst Recht im Lichtgeschäft sanken Umsatz und Gewinn sogar nach Anrechnung aller möglicher Einmaleffekte deutlich. Nur bei cleverer Konsumerelektronik wie Zahnbürsten und Nasenhaarschneidern ging es nach oben.

Das hatte sich van Houten ganz anders gedacht. Denn gerade dank des Lichtgeschäfts erwartete er ein gewaltiges Wachstum. "Wir lösen Probleme, die sonst keiner löst", war seine Vorgabe.

Harter Preiskampf

Gut geklappt hat das leider nur im Konsumgeschäft, wo sich die Mittelschicht weltweit gerne von Rasierern, fettfreien Fritteusen oder Dampfbügeleisen das Leben erleichtern lässt. Schief gegangen ist das leider im Medizingeschäft: Das sollte davon profitieren, dass besonders in den Industrieländern die steigende Lebenserwartung und falsche Ernährung für mehr chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Alzheimer oder Diabetes sorgt, die Philips dann mit seinen Geräten löst.

Doch leider ist der Preiskampf mit den führenden Anbietern Siemens, General Electric sowie neuen Anbietern wie Samsung aus Korea härter als erwartet. So sank der Umsatz im bislang profitabelsten Sektor um fast fünf und der EBITDA genannte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen fiel sogar um 60 Prozent.

Noch dramatischer war das im Lichtgeschäft. Das Feld litt ohnehin an der sinkenden Nachfrage im bisherigen Hauptbereich mit mehr oder weniger konventionellen Glühlampen. Hier hoffte van Houten vor einem Jahr, vielen Städten neue sparsame LED-Lampen zu verkaufen. Die drücken die Kosten für Straßenlaternen nicht nur dank verbrauchsarmen LED-Chips, sondern auch dank einer intelligenten Stadtbeleuchtung – die schwach leuchten, wenn die Straßen leer sind und heller, wenn ein Bewegungsmelder ein Fußgänger oder ein Auto kommen sieht.

Begrifflichkeiten bei Unternehmenstrennungen

Doch trotz einiger Erfolge, etwa mit dem Verkauf eines solchen Systems an die spanische Hauptstadt Madrid, blieb nicht nur die Kundenzahl im Geschäft mit den Leichtchips unter den Erwartungen. Der Preiskampf war offenbar so hart, dass Philips im Vergleich zu LED-Herstellern mit mehr Erfahrung im schnelllebigen Chipgeschäft nicht mithalten konnte. So fiel der seit Langem rückläufige Umsatz erneut um rund vier Prozent und das EBITDA halbierte sich auf gut vier Prozent, was unterm Strich einem Verlust gleich kommt.

Mehr Dividende

Die Gründe gehen über die Anpassungen in den Feldern hinaus. Ein Blick auf die weltweite Umsatzverteilung zeigt eine dramatische Unwucht. Statt wie geplant mehr Geld außerhalb der westlichen Industrieländer zu verdienen, sind die Einnahmen in intern als „Wachstums-Geographien“ bezeichneten Ländern wie China oder Brasilien um vier Prozent gesunken, während die USA und Westeuropa fast gleich bleiben.

Um das zu ändern, besinnt sich van Houten auf einen Trick und eine Tugend, für die Philips inzwischen wahrscheinlich mehr steht als für Innovation und schönes Design: mehr Dividende und ein weiterer Komplettumbau des Konzerns.

Ersteres ist verständlich. Trotz sinkender Gewinne will van Houten seine Anteilseigner gleich zweifach erfreuen: mit einer gleichbleiben Ausschüttung und einem Aktienrückkauf, um den nach einem Zwischenhoch im Schlussquartal 2014 zuletzt wieder rückläufigen Kurs zu stabilisieren. Doch leider hat das zumindest bis heute nicht geklappt. Die aktuelle Bilanz 2014 hat den Kurs erstmal um bis zu sechs Prozent einbrechen lassen.

Stärker auf Effizienz getrimmt

Damit sich das ändert, ordnet van Houten nun wieder alles neu. Am augenfälligsten und leichtesten ist die erneute Spaltung des Konzern – diesmal in zwei Teile: der größere heißt Royal Philips und besteht aus Medizin- und Konsumgeschäft mit derzeit zwei Dritteln des Konzernumsatzes von gut 21 Milliarden Euro. Das leidende Lichtgeschäft will van Houten dagegen loswerden und – um den Massenmarkt LED und Autolampen erleichtert – unabhängig als Philips Lighting agieren lassen.

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Gemeinsam haben die beiden Philips-Teile zunächst vor allem das „Accelerate“-Programm, welches den Konzern noch stärker auf Effizienz trimmen soll. Mehr auf die lokalen Märkte zugeschnittene Produkte sollen die bisher weltweit recht ähnlichen Angebote ergänzen. Dazu will Philips gerade im öffentlichen Gesundheitssektor GE und Siemens mehr Konkurrenz machen. Und natürlich sollen Entlassungen sowie mehr Leistungsorientierung die Kosten senken – um 1,8 Milliarden Euro bis 2016.

Bisher sind die Fortschritte laut van Houten vielversprechend. Denn die Zahlen für das Schlussquartal 2014 waren deutlich besser als die für das Gesamtjahr. Ob das Investoren und Mitarbeiter überzeugt, bleibt abzuwarten. Denn ein besseres Schlussquartal als im Vorjahr gab es bei Philips bereits 2013 – aber die Folgen waren alles andere als positiv.

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