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Elon Musks Wette auf SolarCity „Euer Glaube wird belohnt“

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Musk ist aufs Ganze gegangen

Weil SolarCity durch das Verleasen von Solaranlagen 6,3 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten angehäuft hatte und so arg nach flüssigem Kapital gierte, dass es sogar seine zukünftigen Profite belieh, sah die Übernahme eher nach dem verzweifelten Retten einer ins Trudeln geratenen Investition des Musk-Clans aus.

Und hatte Tesla mit der Produktion seines massentauglichen Models 3 nicht schon genug Herausforderungen am Hals, eingeschlossen der Finanzierung für dessen Fertigungslinie? Ganz zu schweigen von Musk weiteren Job als Technikchef des Raketenentwicklers SpaceX. Viele an der Wall Street bezweifelten, dass der forsche Workaholic mit der Übernahme bei seinen Aktionären durchkommen würde.

Falsch. Der Multi-Unternehmer hat seine Skeptiker – wieder einmal – eines Besseren belehrt. So sicher war er seiner Sache, dass er sich bei der Abstimmung Mitte November enthielt. Zuvor versprach Musk via Twitter, dass der Wert von SolarCity dessen Schulden bei weitem übersteige und dass er notfalls mit seinem eigenen Vermögen einspringen würde. Das zog. Knapp 86 Prozent der verbleibenden Stimmen votierten für die SolarCity-Übernahme. Nach dem Sieg verhieß er seinen Jüngern: „Ich glaube, dass euer Glaube belohnt wird.“

Im neuen Jahr sind nun nicht mehr Präsentationen oder Tweets gefragt, sondern Taten. SolarCity, nun Teil des Tesla-Motors-Imperium, ist weiterhin finanziell instabil. Rein vom Umsatz her sieht das Unternehmen wie ein Überflieger aus. Setzte SolarCity vor fünf Jahren noch 60 Millionen Dollar um, waren es im vergangenen Jahr fast 400 Millionen Dollar. Im selben Zeitraum fielen aber auch insgesamt 1,5 Milliarden Dollar Verlust an.

Die Solarbranche ist Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Um die Nachfrage anzuheizen, hat sie großzügig ihren Kunden Anlagen aufs Dach gestellt, ohne dass diese einen Cent dafür anzahlen mussten. SolarCity bleibt Eigentümer, die Nutzer beziehen dafür ihren Strom vom Unternehmen, das zugleich die Solarförderung vom Staat sowie Einspeisevergütungen einkassiert. Das bindet in der Startphase enorm Kapital, weil die Erträge über die Laufzeit von 30 Jahren gestreckt werden.

Kaufen auf Kredit statt Leasing

Als Staaten wie Arizona und Nevada die Einspeisevergütung in Frage stellten und mehr und mehr Hausbesitzer klagten, dass eine geleaste Solaranlage den Weiterverkauf ihrer Immobilie erschwere, brach die Nachfrage nach Leasingmodellen ein.

SolarCity reagierte mit einem Umschwenken seines Geschäftsmodells. Die Anlagen werden den Kunden nun vorrangig als Kaufobjekt auf Pump angeboten. Was den Vorteil hat, dass externe Finanzierer den Kredit offerieren können und so SolarCity nicht mehr in Vorleistung gehen muss. Das spült schneller Kapital die klammen Kassen.



Musk braucht es. Denn er will SolarCity mit einer Taktik beleben, auf die Tesla Motors im bevorstehenden Wettbewerb mit den Automobilherstellern bereits setzt. In der Elektroautosparte ist das die in der Wüste von Nevada gemeinsam mit dem japanischen Panasonic-Konzern für fünf Milliarden Dollar hochgezogene, auf den Namen „Gigafactory“ getaufte Akku-Fertigung. Ihre schiere Masse soll Tesla beim Akku Kostenvorteile gegenüber den Wettbewerbern sichern.

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