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EMA und EU-Kommission geben grünes Licht Kann der Moderna-Impfstoff die Impfmisere in Deutschland beenden?

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA gibt grünes Licht für den Einsatz des Corona-Impfstoffs von Moderna. Ein EMA-Ausschuss empfahl am Mittwoch eine Zulassung des Impfstoffs. Quelle: REUTERS

Nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Behörde hat die EU-Kommission den Covid-Impfstoff von Moderna zugelassen. Damit wird es das zweite zugelassene Präparat für Europa. Wird damit jetzt alles gut?

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Der bisherige Lockdown in Deutschland konnte nicht die erwünschte deutliche Absenkung der Corona-Infektions- und Todeszahlen und damit Entlastung der Kliniken bringen. Bund und Länder einigten sich daher am Dienstag auf eine Verlängerung des Lockdowns und weitere, durchaus harte Einschnitte. Vor allem die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Bürger sorgt für Wirbel, von allen Seiten hagelt es heftige Kritik an der deutschen Impfstrategie.

Hoffnung weckt nun die Aussicht auf mehr Impfstoff: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA gab am Mittwoch grünes Licht für den Einsatz des Vakzins von Moderna. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA empfahl eine bedingte Zulassung. Auf Grundlage dessen hat die Europäische Kommission den Impfstoff nun zugelassen. In den USA, Kanada und Israel ist der Impfstoff bereits erlaubt. Das Moderna-Serum ist nach dem Präparat von Biontech/ Pfizer der zweite Impfstoff, der in der EU zugelassen wird. Wird sich die Lage in Deutschland damit spürbar entspannen? Die wichtigsten Punkte um Überblick:

Wie viel Corona-Impfstoff ist da, wie viel wurde davon bereits genutzt?

Bislang wurden 1,3 Millionen Dosen des Impfstoffes der Mainzer Firma Biontech an die Bundesländer geliefert. Damit werden zunächst Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal versorgt. Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts vom Mittwoch zeigen, dass inzwischen rund 316.962 Menschen eine erste Impfung erhalten haben.

Selbst wenn man die Hälfte der Dosen für die nötige zweite Impfung zurücklegt, wurde also noch lange nicht die gesamte in Deutschland verfügbare Menge aufgebraucht.

Warum geht es in Deutschland so langsam voran – und beschleunigen weitere Impfstoffe den Vorgang?

Das Gesundheitsministerium verweist für das Impfprozedere an die Bundesländer. Denn diese sind für Ankauf und die Verteilung des Impfstoffs zuständig. Sie verteilen den Impfstoff auf die Städte und Kommunen und regeln jeweils unterschiedlich, wie die ersten Personengruppen an die Impfungen kommen. Generell könnte das langsame Voranschreiten daran liegen, dass zunächst vorrangig in Alten- und Pflegeheimen geimpft wird. Die Bewohner dort sind oft nicht mobil, sodass Impfteams in die Heime fahren müssen. Das dauert länger als Massenimpfungen in einem Impfzentrum. Außerdem sind vor dem Impfen Aufklärungsgespräche mit einem Arzt vorgesehen und es müssen Formulare ausgefüllt werden.

Wie sich die Corona-Impfstoffe unterscheiden

Dass die Zulassung weiterer Präparate die Impfungen beschleunigt, gilt zwar als wahrscheinlich. Die größten Hoffnungen liegen hier aber nicht auf der bevorstehenden Moderna-Zulassung, sondern vor allem auf dem Serum von AstraZeneca. Das liegt daran, dass dieser Impfstoff nach einem anderen Prinzip funktioniert und preislich deutlich unter der Konkurrenz liegt. Der Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca muss außerdem nicht stark heruntergekühlt werden wie derzeit der von Biontech. Das würde die Logistik vereinfachen und das Serum könnte auch in Arztpraxen verabreicht werden. Daher dringt etwa der Virologe Christian Drosten darauf, dass die EMA auch rasch den Weg für das AstraZeneca-Mittel freimachen soll, das in Großbritannien bereits zugelassen ist.

Wann kommt die nächste Impfstoff-Lieferung in den Ländern an?

Die nächste Charge Biontech-Impfstoff kommt am Freitag, dem 8. Januar. Bis Anfang Februar sind jeweils montags drei weitere Liefertermine vorgesehen. Bis einschließlich 1. Februar sollen weitere 2,68 Millionen Impfdosen an die Länder verteilt werden, bis zum 16. Februar werde man insgesamt 5,34 Millionen Dosen liefern, so Biontech.

Noch im Januar sollte das Moderna-Präparat dazukommen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet zunächst nicht mit großen Lieferungen. Im ersten Quartal erwarte man in Deutschland knapp zwei Millionen Dosen, sagt Spahn. Wenn das Moderna-Mittel noch an diesem Mittwoch genehmigt werde, könnten erste Lieferungen nächste Woche eintreffen.

Die EU hat bereits 160 Millionen Dosen des Moderna-Impfstoffes bestellt. Insgesamt bekommt Deutschland nach Angaben des Gesundheitsministeriums über die EU 55,8 Millionen Impfdosen von Biontech sowie 50,5 Millionen Dosen der US-Firma Moderna. Dass Deutschland hiervon relativ gesehen so viele Impfdosen bekommt, liegt daran, dass einige EU-Staaten keinen Moderna-Impfstoff beziehen wollten und deshalb der deutsche Anteil größer wurde. Doch die weiteren Impfdosen gibt es natürlich genauso wenig auf einen Schlag, wie die von Biontech. Moderna erwartet laut einer Mitteilung, im ersten Quartal 2021 zwischen 100 und 125 Millionen Dosen weltweit verfügbar machen zu können – der Löwenanteil von 85 bis 100 Millionen Impfdosen geht dabei an die USA. Bleiben also nur 15 bis 25 Millionen Dosen an Länder jenseits Amerikas. Nur ein kleiner Teil der Dosen dürfte auf Deutschland entfallen. Sechs Millionen Dosen hatte Israel bestellt, das den Moderna-Impfstoff Anfang der Woche bereits zugelassen hat.

Weitere, hierzulande bislang nicht zugelassene Impfstoffe stehen aus: Von der Firma AstraZeneca steht Deutschland ein EU-Anteil von 56,2 Millionen Dosen zu. Hinzu kommen 42 Millionen Dosen über EU-Verträge mit dem deutschen Unternehmen Curevac, dessen Impfstoff in der ersten Jahreshälfte zugelassen werden könnte. 20 Millionen Dosen kann Deutschland zudem durch ein nationales Programm beziehen, weil die Entwicklung der Impfstoffe von Curevac ebenso wie bei Biontech durch Steuergeld gefördert wurde. Über die EU würde Deutschland zudem von Johnson & Johnson weitere 37,25 Millionen Dosen beziehen.

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