Energieagentur Die USA steigen zum Öl-König der Welt auf

Pennsylvania statt Persischer Golf: Die USA steigen der Internationalen Energieagentur zufolge zum größten Ölförderer der Welt auf. Sie deklassieren Saudi Arabien und Russland. Doch das Nachsehen werden andere haben.

Umstrittene Energiequelle: Ein Bohrloch für Schiefergas im US-Bundesstaat North Dakota. Quelle: Handelsblatt Online

Düsseldorf/LondonDie USA werden bei der Ölproduktion die klassischen Förderländer Saudi Arabien und Russland überholen. Bis zum Jahr 2017 werden sich die USA vom weltgrößten Energieverbraucher zum größten Produzenten wandeln, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA). Das Land werde seinen Bedarf weitgehend aus den eigenen Quellen decken können, schreibt die Agentur in ihrem heute vorgestellten Ausblick zum Energiemarkt. Schon bis 2015 steigt das Land zudem zum größten Gasproduzenten der Welt auf.

Die wachsende Fördermenge aus unkonventionellen Quellen katapultiert das Land bis zum Jahr 2030 sogar in die Rolle eines Öl-Exporteurs. „Die USA importieren derzeit rund 20 Prozent ihres gesamten Energiebedarfs. Doch das Land wandelt sich zum Selbstversorger“, heißt es in dem IEA-Bericht. „Das ist eine drastische Umkehr zu der Entwicklung in anderen Staaten, die Energie einführen.“

Grund für diesen grundlegenden Wandel sind neue Fördermethoden, die bislang unerreichbare Öl- und Gasquellen erschließen. Bei der Fracking genannten Methode werden unter hohem Druck Wasser, Sand und Chemikalien in poröse Schiefergesteinsformationen gepresst, um darin gebundenes Öl oder Gas an die Oberfläche befördern zu können.

Nach konservativen Schätzungen lässt sich so die US-Ölproduktion von heute 7,8 Millionen Barrel pro Tag bis 2020 auf 11,6 Millionen Barrel steigern - mehr als Kuwait, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar dann zusammen fördern werden.

Was hinter „Fracking“ steckt

Bisher haben die USA ihren Öldurst vor allem in den Golf-Staaten gestillt und zur Sicherung ihrer Versorgung in Bahrain, Katar, Kuwait und anderen arabischen Golf-Anrainerstaaten große Militärbasen eingerichtet. „Krieg für Öl“ wurde Washington vorgeworfen, als George W. Bush die US-Armee zum zweiten Mal in den Irak einmarschieren und den Diktator Saddam Hussein stürzen ließ. Nun spüren die Scheichs den Rückgang der Ölnachfrage aus den USA.

Der weltweite Verbrauch wird bis zum Jahr 2035 auf 99,7 Millionen Fass Rohöl am Tag steigen. Ein Fass Rohöl (Barrel) entspricht rund 159 Litern. Im vergangenen Jahr bezifferte sich der Öldurst auf 87,4 Millionen Fass, teilte die IEA mit. Die Organisation berät 28 Industrienationen bei Energiefragen, etwa die USA, Japan und Deutschland.

Die wachsende Förderung von Öl und Gas verschafft den USA eine größere Unabhängigkeit von ausländischen Quellen. Damit ist das Land auch weniger anfällig bei Lieferschwierigkeiten oder Störungen. Kriege und Stürme lassen die Förderung in den betroffenen Regionen stocken. Damit steigen auch die Preise auf dem Weltmarkt. Die EU-Staaten haben etwa ihre Öleinfuhren aus dem Iran ausgesetzt. Das Land war der zweitgrößte Produzent im Ölkartell Opec.

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