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Ernährung Zucker ist die neue Zigarette

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Je industrialisierter das Land, desto höher der Zuckerverbrauch

Der Weizen auf den Feldern vor Braunschweig sieht an diesem Juli-Tag schlecht aus. Die vergangenen Tage waren trocken, die Halme sind spröde, die Ähren hängen herab. Fuchs frohlockt. Nicht, weil er den Bauern keine gute Ernte gönnen würde, aber es ist besser für sein Geschäft. Er kauft den Landwirten ihre Zuckerrüben ab und macht daraus Zucker. „Der Weizen und Raps sind die wichtigsten Referenzgrößen für den Rübenpreis“, sagt Fuchs. „Ich muss wissen, welche Alternativen die Landwirte haben, damit wir mit diesem Hintergrund in die Preisverhandlungen gehen können“, sagt er. Läuft es für den Weizen nicht so gut, muss er den Landwirten auch die Zuckerrüben nicht zu teuer abkaufen. Schließlich werden sie angesichts der mageren Alternative einem tiefen Preis zustimmen.

Getränkehersteller-setzen-auf-weniger-Zucker Quelle: PR

Nach Frankreich und Russland erntet niemand auf der Welt so viele Zuckerrüben wie die Deutschen, mehr als 28.500 Landwirte haben damit ihre Felder bepflanzt. Viele von ihnen planen derzeit eine Ausweitung ihrer Zuckerrübenproduktion.

„Ich erwarte, dass durch den starken Wettbewerb der Zuckerpreis erst mal nach unten gehen wird. Doch das werden nicht alle Produzenten aushalten und aussteigen“, sagt Fuchs. Zumal im Inland kaum Wachstum möglich sei. Denn so sehr er sich über den Zeitgeist aufregt, so wenig Illusionen macht er sich, dass sich etwas ändert. „Der Markt hier ist aus meiner Sicht gesättigt, dies wird auch zu Importen gen null führen“, sagt er.

Doch während die Deutschen ihr Produkt verteufeln, entsteht woanders gerade erst die Lust darauf. Denn je industrialisierter ein Land, desto mehr Zucker essen die Menschen. Also setzen Fuchs und seine Mitstreiter auf den Weltmarkt. Vorbild ist dabei die Tabakbranche, in der es ähnlich lief: Vor allem in China und Nahost steigt der Verbrauch. Der Heimatmarkt stagniert, doch der weltweite Zuckerkonsum wächst um zwei Prozent pro Jahr. Die Unternehmen rüsten deshalb seit Jahren auf. Die Investitionen der Zuckerbranche haben sich seit 2010 von 56 Millionen auf mehr als 160 Millionen verdreifacht. Ein Teil dieser Millionen wurde in Uelzen zu Stahl und Beton. Hier steht ein 75 Meter hohes Silo, um von der einen Wand zur anderen zu gelangen, muss man einen Durchmesser von 45 Metern durchqueren. 80 Millionen Kilo Zucker passen hier rein.

Das tun Führungskräfte für ihre Gesundheit
Grillwurst Quelle: dpa
vegetarische Suppe Quelle: dpa Picture-Alliance
Vitaminpillen auf einem Löffel Quelle: dpa
drei Leute joggen Quelle: dpa
Zigaretten Quelle: dpa
Frauen in einer Saune Quelle: dpa Picture-Alliance
Menschen machen Yoga am Times Square Quelle: AP

„Für uns ist der Wegfall der Quote vor allem eine Chance, nun stärker in den Export zu gehen“, sagt Fuchs. Mit dem Silo kann Nordzucker flexibler auf schwankende Weltnachfrage reagieren. Einen anderen Weg geht Hauptkonkurrent Südzucker. Das Unternehmen hat 240 Spezialgüterwaggons bauen lassen, um damit Seehäfen in ganz Europa beliefern zu können.

Womöglich wird Fuchs’ Nordzucker dann künftig nicht mehr zu roter Grütze verarbeitet. Aber dem Chef wird’s recht sein. In einem Markt kann man sich seine Kunden nicht aussuchen. Und in einem Markt, da macht sich Fuchs keine Illusionen, ist er jetzt endgültig angekommen.

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