Ernteausfälle wegen Hitze „Da wächst nichts mehr, wenn es zu trocken oder heiß ist“

Die Hitzewelle könnte den Ertrag auf vielen Feldern in Europa schmälern. Quelle: dpa

In der Hitze verdorrt das Gras, und auch die Weizen- und Maisfelder könnten weniger Ertrag bringen, warnt Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbands. Er warnt: Wenn Europa weniger erntet, führt das zu Hunger.

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Der Präsident des Deutschen Bauernverbands Joachim Rukwied erwartet Ernteausfälle durch die Hitzewelle in Europa. „Wir müssen europaweit mit geringeren Ernten rechnen, als wir noch vor drei oder vier Wochen prognostiziert haben“, sagte Rukwied im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Besonders die spät zu erntenden Kulturen wie Weizen, Mais, Zuckerrüben oder Kartoffeln leiden. „Da wächst nichts mehr, wenn es zu trocken oder zu heiß ist.“ Auch bei Wein und Obst seien schon Hitzeschäden bemerkbar. „Eigentlich trifft es alle Kulturen, die zwischen August und November geerntet werden“, erläutert Rukwied.

Die Ernteausfälle durch die Hitze treffen auch die Viehbetriebe. „Wir machen uns sehr große Sorgen um das Futter“, sagte Rukwied. „Auf dem Grünland wächst jetzt nichts mehr nach, da ist kein Gras, das die Landwirte für die Tiere mähen können.“ Die Kosten für Futter, etwa für Schweine, seien in den vergangenen Monaten bereits stark angestiegen.

Die Hitzewelle in Europa könnte gravierende Auswirkungen auf die Ernährungssituation in anderen Regionen der Welt haben, warnte Rukwied. „Wenn Europa in Teilen weniger produziert, hat das weltweit Auswirkungen. Die Ernährungskrise könnte noch drastischer ausfallen als bisher angenommen.“

Selten war die Stimmung der Landwirte so schlecht wie heute – zu Recht, meint Bauernpräsident Joachim Rukwied. Er erklärt den Frust der deutschen Landwirte, fordert mehr politische Unterstützung und höhere Fleischpreise.
von Jacqueline Goebel

Nach einem Bericht der Welthungerhilfe leiden weltweit über 800 Millionen Menschen unter Hunger und Nahrungsmittelknappheit. Besonders betroffen sind Konfliktregionen wie der Jemen, Afghanistan oder Südsudan. In Ostafrika sind viele Menschen wegen der andauernden Dürre mangelernährt oder hungern. Viele der betroffenen Staaten importieren Weizen oder Mais aus dem Ausland.

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