Erster A400M für Deutschland Airbus sucht neue Abnehmer für Problem-Flieger

Der A400M zählt zu den größten Pannenprojekten der Bundeswehr - und bereitet auch Hersteller Airbus Probleme. Anfang Dezember soll der erste Militärtransporter nach Deutschland kommen. Doch die Misere ist nicht vorbei.

Die erste A400M geht in Dienst
Im Cockpit des A400M. Zu einer offiziellen Feier der Übergabe der ersten neuen Frachtmaschine wird das französische Verteidigungsministerium zu einem späteren Zeitpunkt laden. Die offizielle Übergabefeier soll nach der Sommerpause am Standort der Endmontagelinie im spanischen Sevilla stattfinden. Die A400M gilt als eines der wichtigsten Rüstungsprojekte Europas. Um die Finanzierung hatte es allerdings lange heftigen Streit gegeben. Missmanagement und technische Probleme führten zu der jahrelangen Verspätung und zu Milliarden-Mehrkosten. Der europäische EADS-Konzern (künftig: Airbus), der von Frankreich und Deutschland dominiert wird, drohte zwischenzeitlich sogar mit einer Einstellung des Programms, an dem europaweit rund 40 000 Arbeitsplätze hängen. Damit sollte Druck auf die Käuferstaaten ausgeübt werden, mehr Geld lockerzumachen. Die Bundeswehr bezifferte die Projektkosten für die 40 eigenen Maschinen zuletzt auf 25 Milliarden Euro. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget vor einigen Wochen war ein A400M ausgestellt worden und auch zu Präsentationszwecken in die Luft gegangen. Hier ein Blick in das Innere der Maschine. Die erste an Frankreich gelieferte A400M wird nach Angaben von Airbus Military vor ihrer Eingliederung in die Transportflotte der französischen Luftwaffe zunächst für die weitere Ausbildung der Besatzungen eingesetzt. Die deutschen Maschinen sollen in Zukunft beim Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf bei Hannover stationiert werden. Unter anderem der Mittelrumpf des Transportfliegers wird bei Airbus in Bremen gebaut. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Zu diversen Anlässen waren die Testmaschinen in den vergangenen Monaten bereits zu Showflügen gestartet. Hier wird eine A400M von einer französischen Kampfflugzeugstaffel begleitet. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Nicht nur für reine Frachtflüge kann die Maschine eingesetzt werden, auch zum Absetzen von Fallschirmspringern ist sie geeignet. Bis zu 116 voll ausgerüstete Springer können an Bord gehen. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Die französischen A400M werden am Standort Orléans-Bricy stationiert sein. Die technische Daten des Flugzeugs: Reisegeschwindigkeit: 780 km/h; Spannweite: 42 m; Länge: 45 m. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Die Verzögerung in Produktion und Zulassung waren so immens, dass das französische Beschaffungsbüro der Streitkräfte von einem „schmerzvollen Prozess“ spricht. In Deutschland ... Quelle: EADS
... steht die offizielle Zulassung noch aus. Die Bundeswehr soll trotz der Probleme bei der Zulassung des Militär-Airbus A400M im Herbst nächsten Jahres ihre erste neue Maschine bekommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums soll das Flugzeug im November 2014 ausgeliefert werden. Insgesamt ist die Anschaffung von bis zu 60 neuen Militärtransportern geplant. Der A400M soll bei der Luftwaffe das in die Jahre gekommene Transportflugzeug Transall ablösen. Ursprünglich hatte das erste Flugzeug 2009 in Dienst gestellt werden. Das Bild zeigt eine A400M bei einer Flugvorführung in Le Bourget nahe Paris. Quelle: AP

Technische Mängel, bürokratische Scherereien und jahrelange Verzögerungen durch eine zu ambitionierte Technologie: Der A400M gilt als Musterbeispiel für die Problemprojekte der Bundeswehr. Nun setzt Pechvogel endlich zur Landung in Deutschland an.

Nach mehrjähriger Verspätung soll die Bundeswehr im Dezember ihren ersten Airbus-Militärtransporter erhalten. Im niedersächsischen Wunstorf soll die Premieren-Maschine zunächst offiziell in Dienst gestellt werden, bevor die mehrmonatige Einsatzprüfung beginnt.

Technische Daten zum A400M

Einem ARD-Bericht zufolge muss Airbus zwar vor der Übergabe des ersten Flugzeugs noch mehrere Hundert Nacharbeiten, wie die Beseitigung von Lackschäden oder die Neuverlegung von Kabeln, vornehmen.

Trotz der Mängel hält Bundesamt für Ausrüstung am bisherigen Zeitplan fest. „Wir sind auf gutem Wege“, sagte ein Sprecher. Und Airbus erklärt, die Arbeiten seien „im Bereich des Normalen“. Mit Blick auf die letzte Pannenserie bei der Bundeswehr klingt das vielversprechend.

Ist also endlich alles gut beim Pannenprojekt A400M? Nein, natürlich nicht. Während sich der Airbus-Konzern mit Deutschland und anderen EU-Ländern noch um die Verantwortung für die Kostenexplosion zofft, sucht der Flugzeughersteller händeringend nach weiteren Abnehmern. Die sind dringend nötig, um das Pannenprojekt noch zu einem finanziellen Erfolg zu machen.

Armee mit Schrott
Helme der Bundeswehr Quelle: dpa
Der Puma-Panzer ist nicht zu bremsen Quelle: dpa
Eine Rekrutin der Bundeswehr sichert auf einem Truppenübungsplatz eine Patrouille. Quelle: dpa
Mitte September 2014 sorgte diese Panne für Aufsehen und lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit nach längerer Zeit wieder auf die Ausrüstungsmängel bei der deutschen Bundeswehr: Weil die Transall-Maschinen der Bundeswehr technische Defekte aufwiesen, konnten die Ausbilder, die kurdische Peschmerga-Kämpfer bei ihrer Arbeit gegen den radikal islamischen IS im Irak vorerst nicht zu ihrer Mission aufbrechen. Sie mussten die Maschinen auf dem Militärflugplatz Hohn wieder verlassen. Es ist die jüngste, aber bei weitem nicht die erste Blamage in Sachen Bundeswehrausrüstung. Quelle: AP
Wie jetzt durch einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt wurde, gab es auch bei den Bordhubschraubern vom Typ Sea Lynx der Marine erhebliche Ausfälle. Von 22 Maschinen sei keine einzige einsatzbereit, so das Blatt, was sich nach dem der „SZ“ vorliegenden internen Dokument 2014 auch nicht mehr ändern werde. Im Juni wurde demnach in einem Modell einer Fregatte ein 20 Zentimeter langer Riss entdeckt, woraufhin der komplette Betrieb mit dem Modell zunächst eingestellt wurde. Wohl zu Recht: Danach wurden an drei weiteren Hubschraubern ähnliche Schäden gefunden. Quelle: dpa
Bereits im August gab es Berichte über nur bedingt einsatzfähiges Bundeswehrmaterial. So meldete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf ein internes Dokument des Verteidigungsministeriums, von den hier Schau fliegenden Kampfjets des Typs Eurofighter seien nur acht von 109 Maschinen voll einsatzbereit. Von 67 CH-53-Transporthubschraubern konnten demnach im August ebenfalls nur sieben in die Lüfte gehen. Quelle: dpa
Und auch die Bundeswehrhubschrauber vom Typ NH-90 glänzten nicht gerade mit Bereitschaft: Laut „Spiegel“ waren im Sommer nur fünf von 33 voll intakt, während unter den Transall-Maschinen des Typs C-160 auch damals nur 21 flugtüchtig waren. Quelle: dpa

Kostenexplosion beim Transportflieger

Das künftig modernste Flugzeug der deutschen Luftwaffe bereitete Airbus von Beginn an erhebliche Probleme. Erstmals 1982 angedacht und 2001 endgültig in Auftrag gegeben, sollte die erste A400M-Maschine schon 2009 in Dienst gestellt werden. Als Ablösung für die immerhin fast 50 Jahre alte C-160 Transall, mit der die Luftwaffe bei Auslandseinsätzen immer wieder geplante oder - wegen nötiger Reparaturen immer öfter - ungeplante Zwischenstopps einlegen musste.

Immer wieder verzögerte sich jedoch die Fertigstellung. Und mit der Zeit stiegen auch die Kosten. Inzwischen liegen die offiziell bei insgesamt 25 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte Airbus einen Festpreis von 20 Milliarden für eine größere Stückzahl angeboten.

Die Kostenexplosion hatte Folgen für Deutschland: Rund acht Milliarden Euro sollten 60 bestellte A400M einst kosten. Trotz der Reduzierung der Liefermenge auf 53 Exemplare, überstiegen die Kosten für das Rüstungsprojekt die Planung wohl um rund 15 Prozent – mindestens.

Wer hat Schuld an der A400M-Misere

Im großen Prüfbericht zu den Rüstungsprojekten der Bundeswehr empfehlen die Experten der KMPG, Airbus zu Verantwortung zu ziehen. Sie raten zur „Einforderung von Kompensationsleistungen wegen des reduzierten Bauzustands bei bestehender Verpflichtung zur Nachbesserung des A400M.“

Das will der Flugzeughersteller freilich nicht auf sich sitzen lassen . „Den Schwarzen Peter nun allein bei uns abzuladen, wird der Sache nicht gerecht“, wetterte Airbus-Chef Thomas Enders zuletzt zurück. Schuld seien ebenso die Regierungen. An den 175 Flugzeugen für europäische Kunden werde Airbus außerdem keinen Cent verdienen. Lautstark zog Enders die Konsequenz: „So einen Vertrag wie bei A400M unterschreiben wir nie wieder.“ Sein Unternehmen habe bei der A400M gut vier Milliarden Euro draufzahlen.

Einsatzbereitschaft der Waffensysteme der Bundeswehr

Nun können nur noch zusätzliche Exporte die A400M zum finanziellen Erfolg machen. Nach außen gibt sich Airbus zuversichtlich: „Wir sehen für die kommenden 30 Jahre einen Markt für 300 bis 400 Flugzeuge - zusätzlich zu den aktuell 174 im Auftragsbuch“, so ein Sprecher.

A400M soll Exportschlager werden

In Ländern wie Mexiko, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Kasachstan gab es bereits die ersten Demonstrationsflüge. Zu den möglichen Kunden gehören unter anderem auch die USA und Südafrika.

Doch die jahrelangen Scherereien um den A400M, haben bei den Interessenten Argwohn geweckt. Südafrika etwa galt ursprünglich als sicherer Käufer, orderte im Dezember 2004 acht Flieger - und bestellte sie später wieder ab. Auch weitere Aufträge aus Kanada und Chile verliefen bislang im Sand. Und Deutschland hat – wie andere Staaten auch – nicht seine Bestellung reduziert, sondern will auch 13 A400M direkt weiter verkaufen.

Dass der Stückpreis des Fliegers mittlerweile von 124,8 auf 175,3 Millionen Euro angestiegen ist, dürfte dem Absatz kaum förderlich sein.

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