Es braucht mehr als ein „Osterpaket“: Aurubis-Chef Harings dringt auf Klimaschutzverträge
Vor dem Hintergrund der Ausrufung der Frühwarnstufe des Notfallplans Gas der Bundesregierung dringt der Chef von Europas größten Kupferhersteller Aurubis, darauf, die „Multimetallbranche“ im Fall einer Mangellage mit Erdgas zu versorgen
Foto: dpaRoland Harings, Vorstandsvorsitzender von Europas größtem Kupferproduzenten Aurubis, hält zusätzlich zum gerade verkündeten „Osterpaket“ weitere staatliche Unterstützung bei der Transformation hin zu einer emissionsfreien Produktion für erforderlich. „Anders als mit einer Absicherung durch sogenannte Carbon Contracts for Difference funktioniert es in meinen Augen gar nicht“, sagte Harings der WirtschaftsWoche.
Mit diesen Differenzverträgen oder Klimaschutzverträgen kann die Bundesregierung über einen festgelegten Zeitraum höhere Betriebskosten bei der Umstellung auf eine emissionsfreie Produktion ausgleichen. Das von Robert Habeck (Grüne) geführte Wirtschafts- und Klimaministerium (BMWK) ist mit der konkreten Gestaltung dieser Verträge befasst. „Die genaue Ausgestaltung des Modells liegt noch beim Wirtschaftsministerium, und wir erhalten hier sehr unterschiedliche Signale. Uns ist dabei natürlich besonders wichtig, dass die Rolle der Kupferindustrie, der Multimetallverarbeiter – als Schlüsselindustrie für die Rohstoffsicherung in Deutschland – ausreichend berücksichtigt wird“, sagte Harings.
Vor dem Hintergrund der Ausrufung der Frühwarnstufe des Notfallplans Gas der Bundesregierung dringt Harings darauf, die „Multimetallbranche“ im Fall einer Mangellage mit Erdgas zu versorgen. „Wir gehen davon aus, dass die Schlüsselindustrie weiter mit Gas versorgt wird, insbesondere diejenige Grundstoffindustrie, die am Anfang der Wertschöpfungskette steht und für gesellschaftlich höchst notwendige Bereiche wie zum Beispiel die Energie- und Medizintechnik benötigt wird. Ein Windrad benötigt allein 30 Tonnen Kupfer. Ohne die Kupferindustrie also keine Dekarbonisierung“, sagte Harings.
In seinem Hamburger Werk hat Aurubis im vergangenen Jahr getestet, ob bei der Produktion von Kupfer in Anodenöfen Erdgas durch Wasserstoff ersetzt werden kann. „Das positive Ergebnis der durchgeführten Testreihe in unserem Hamburger Werk ist, dass der Einsatz von Wasserstoff in der industriellen Produktion funktioniert, und zwar ohne Qualitätsverluste. Allerdings müssten die Öfen vergrößert werden“, sagte Harings. Zudem fehle es vor allem an Wasserstoff: „Der sofortige Umbau der Anlagen und der Einsatz ist bis auf weiteres allerdings nicht möglich, da Wasserstoff noch nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung steht. Dafür brauchen wir aber nicht nur eine Förderung der Investitionskosten, sondern auch der operativen, der Betriebskosten (OPEX) – zum Beispiel durch Carbon Contracts for Difference: also Förderung und Investitionssicherheit für die klimafreundliche Umstellung in der Industrie, damit ein wirtschaftlicher Betrieb überhaupt möglich wird“, sagte Harings. Eine Umstellung der Produktion sei voraussichtlich nicht vor 2026 oder 2027 möglich.
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