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Es läuft bei Bayer …wenn nur die Monsanto-Übernahme nicht wäre

Bayer verkauft verschreibungspflichtige und rezeptfreie Medikamente, Pflanzenschutzmittel und Saatgut. Solche Geschäfte sind recht konjunkturresistent. Quelle: AP

Bayer kommt glimpflich durch die Coronakrise. Der Umsatz ist im zweiten Quartal nur leicht gesunken. Was stört, ist der enorme Kursverfall der Aktie – und ein Milliardenverlust wegen des Glyphosat-Vergleichs in den USA.

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Bayer hat heute die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr bekannt gegeben. Mit Milliardenverlusten wie bei VW oder der Deutschen Bahn war dabei nicht zu rechnen. Auch nicht mit einem starken Gewinneinbruch wie beim einstigen Rivalen BASF oder bei Covestro, der früheren Bayer-Kunststoffsparte. Und tatsächlich: Der währungsbereinigte Umsatz ist gegenüber dem Vorjahr gerade mal um 2,5 Prozent auf 10,05 Milliarden Euro gesunken – trotz Corona. Damit hatten die meisten Analysten gerechnet. Und das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen (Ebitda) stieg sogar um 5,6 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Bayer-Vorstandschef Werner Baumann begründete das bei der Bekanntgabe der Zahlen mit „Zuwächsen im Agrargeschäft“. Allerdings: Die guten Zahlen werden von Rückstellungen für einen Glyphosat-Vergleich in den USA überschattet. „Für die Beilegung der aktuellen ca. 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Glyphosat-Klagen sowie für die Führung und Beilegung möglicher künftiger Rechtsstreitigkeiten“ erwartet Bayer Gesamtkosten von bis zu 10,9 Milliarden US-Dollar, heißt es beim Konzern. Dadurch verzeichnet Bayer nun insgesamt auch einen Nettoverlust 9,55 Milliarden Euro im zweiten Quartal.

Die sonst guten Zahlen liegen vor allem am neu zugeschnittenen Portfolio: Bayer hat sich inzwischen auf Gesundheit und Ernährung konzentriert. Der Konzern verkauft verschreibungspflichtige und rezeptfreie Medikamente („Aspirin“), Pflanzenschutzmittel und Saatgut. Solche Geschäfte sind nicht nur deutlich konjunkturresistenter als die Produktion von Chemikalien; sie sind auch weniger als andere Branchen von den Folgen der Coronapandemie betroffen.

„Wir sind in den richtigen Geschäften aktiv“, erklärte Bayer-Vorstandschef Werner Baumann auf der virtuellen Hauptversammlung Ende April. 2019 legte der Bayer-Umsatz um 3,5 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg um 28 Prozent auf 11,5 Milliarden. Auch im ersten Quartal 2020 stiegen Umsatz und operatives Ergebnis weiter an. Die Sicherung von Gesundheit und Ernährung in diesen Zeiten sei eine wichtige Aufgabe, erklärte Baumann.



Alles könnte so schön sein. Wenn da nur nicht der Verfall des Aktienkurses wäre. Seitdem Baumann im Mai 2016 die Führung bei Bayer übernahm und den Kauf von Monsanto für 63,5 Milliarden Dollar vorantrieb, ist die Bayer-Aktie um über vierzig Prozent gefallen. Derzeit notiert das Papier unter 60 Euro. Im gleichen Zeitraum ist der Dax um etwa zwanzig Prozent gestiegen. Der Vorstand um Baumann hatte offensichtlich die Klagerisiken unterschätzt. Zehntausende Amerikaner zogen vor Gericht, weil der Wirkstoff Glyphosat angeblich krebserregend sei, was Bayer bestreitet.

Die Folge: Trotz ansprechender Zahlen bei Umsatz und Ergebnis mieden Aktionäre die Bayer-Aktie – die Unsicherheit im Rechtskomplex Glyphosat war ihnen zu groß. Auch ein Vergleich für rund zehn Milliarden Dollar, den Bayer Ende Juni mit einem Großteil der Kläger abschloss, brachte nicht den erhofften Befreiungsschlag an der Börse.

Ein Teil des Vergleichs steht inzwischen wieder auf der Kippe – ein Bundesrichter hatte Zweifel an der Idee geäußert, dass sich ein unabhängiges Wissenschaftlergremium mit künftigen Glyphosat-Klagen befassen sollte.

Ebenso brachte ein erstes Berufungsverfahren Bayer nicht den erhofften Erfolg. Zwar reduzierten die Richter die Summe, die der Konzern im Fall des krebskranken Schul-Hausmeister Dewayne Johnson zu bezahlen hat. Statt ursprünglich 289 Millionen Dollar sind es jetzt nur noch zwanzig Millionen. Doch den eigentlichen Schuldspruch hoben die Richter, wie von Bayer gefordert, nicht auf.

Zuletzt standen die Zeichen eher auf Verkauf der Aktien. Aktionäre warteten ab, ob ihnen die Bayer-Quartalszahlen noch Argumente liefern, wieder einzusteigen.

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Kurz nach dem Vergleich mit den Glyphosat-Klägern über rund zehn Milliarden Dollar macht Bayer die Finanzierung klar. Um Monsanto übernehmen zu können, hat Bayer die ganze Palette finanzieller Möglichkeiten genutzt.

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