Eurokrise Deutsche Exporteure mit größtem Auftragsminus seit 2009

Euro-Krise und weltweite Konjunkturflaute setzen den deutschen Exporteuren immer mehr zu. Ihre Aufträge fielen im August so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr. Besonders in den rezessionsgeplagten südeuropäischen Ländern sinkt die Nachfrage.

Containerhafen Quelle: dapd

Aber auch China - für viele Unternehmen inzwischen der wichtigste Absatzmarkt - kämpft gegen einen Abwärtstrend. Die Exportaufträge schrumpften so stark wie seit April 2009 nicht mehr, wie das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 500 Industrieunternehmen mitteilte. "Besonders markant ging die Zahl der Bestellungen aus Südeuropa zurück."

Schon im ersten Halbjahr waren die Ausfuhren nach Portugal um 14,3 Prozent eingebrochen, die nach Spanien und Griechenland gingen um jeweils mehr als neun Prozent zurück, während der Umsatz in Italien um 8,2 Prozent schrumpfte. Über eine sinkende Nachfrage klagen Markit zufolge besonders die Hersteller von Maschinen, Geräten und anderen Investitionsgütern sowie die Produzenten von Vorleistungsgütern wie Chemikalien.

Wie die deutschen Firmen unter Griechenland leiden
Maschinenbau: Stagnation statt WachstumDie Unsicherheit ist in die deutsche Industrie zurückgekehrt. Als Ursache für die Stagnation benannte er die Unsicherheit in der Euro-Zone und eine schwächere Nachfrage aus China. Der Maschinenbau mit seinen 950.000 Beschäftigten war bislang einer der Haupttreiber für die Konjunktur in Deutschland. Quelle: dapd
Maschinenbau: Stagnation statt Wachstum Der Kranhersteller Demag Cranes verbuchte im vergangenen Quartal zwar noch ein leichtes Auftragsplus, Firmenchef Aloysius Rauen beklagte aber eine „verminderte Dynamik“ bei der Nachfrage. Probleme bereite vor allem Südeuropa. Jürg Oleas, Chef des Anlagenbauers Gea, sieht zwar derzeit kein Abflauen der Nachfrage, nennt aber die Euro-Krise als Unsicherheitsfaktor. Quelle: dpa
Maschinenbau: Stagnation statt WachstumDer Maschinenbau ist ein Motor der deutschen Exportwirtschaft: Entsprechend alarmiert zeigt sich DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann: „Die Rezession in Ländern wie Griechenland, Portugal, Italien und Spanien geht auf Kosten des Auslandsgeschäfts deutscher Exporteure, auch wenn sie nur jeden zehnten Euro in diesen Ländern verdienen.“ Quelle: dpa
Maschinenbau: Stagnation statt WachstumAuch Siemens bekam die Konjunkturabschwächung zu spüren: Im vergangenen Quartal sank erstmals seit zwei Jahren der Auftragseingang. Zwar betonte Finanzvorstand Joe Kaeser, dass der Konzern nur sechs Prozent seiner Umsätze in Griechenland, Italien, Portugal und Spanien macht. Quelle: dpa
Auto: Die Märkte für Kleinwagen brechen wegSieger sehen anders aus. Das neue Jahr fing für den Rüsselsheimer Autohersteller Opel katastrophal an. Während der europäische Automarkt im Januar verglichen zum Vorjahr 6,6 Prozent einbüßte, brach der Absatz von Opel und seiner Schwestermarke Vauxhall um fast 21 Prozent ein. Der Marktanteil schrumpfte von 6,8 Prozent auf magere 5,7 Prozent. So massiv wie kein anderer deutscher Hersteller bekommt Opel damit nun seine starke Abhängigkeit vom europäischen Automarkt zu spüren. Operativ rutschte die Marke mit dem Blitz und ihre britische Schwester Vauxhall im vergangenen Jahr mit 747 Millionen Dollar ins Minus. Quelle: Reuters
Auto: Die Märkte für Kleinwagen brechen wegVor allem den auf Europa fixierten Kleinwagenherstellern brechen derzeit die Märkte weg. Auch andere Konzerne wie der französische Rivale PSA Peugeot-Citroën lahmen deshalb. Doch die Auswirkungen sind bei den Rüsselsheimern besonders drastisch. Quelle: dpa
Auto: Die Märkte für Kleinwagen brechen wegZum Vergleich: Der zweitgrößte US-Autobauer Ford fuhr mit seinem eigenen Europageschäft einen vergleichsweise moderaten operativen Verlust von 27 Millionen Dollar ein. Besserung ist nicht in Sicht: Die Ratingagentur Moody’s erwartet, dass der Pkw-Absatz in Westeuropa 2012 im Jahresvergleich zum fünften Mal in Folge schrumpfen wird – um 6,2 Prozent auf 13,4 Millionen Fahrzeuge. Denn die Euro- und Schuldenkrise lässt die Nachfrage vor allem in den südeuropäischen Ländern deutlich zurückgehen. Spät entdecken Opel und Peugeot nun die boomenden Auslandsmärkte. Peugeot will bis 2015 jedes zweite Auto außerhalb Europas verkaufen. Auch Opel will nun Chancen nutzen, die sich aus dem Export von Fahrzeugen in Wachstumsmärkte ergeben. In der Not sprechen beide Firmen auch über eine umfassende Zusammenarbeit. Quelle: AFP


Der Markit-Einkaufsmanagerindex stieg trotz der schwächelnden Auslandsnachfrage um 1,7 auf 44,7 Punkte und damit zum ersten Mal seit Jahresbeginn. Das Barometer verharrte aber deutlich unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. "Trotz der verlangsamten Talfahrt steht der deutschen Industrie im dritten Quartal das schlechteste Quartal seit über drei Jahren bevor", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Das Bruttoinlandsprodukt war zu Jahresbeginn um 0,5 Prozent gewachsen, im Frühjahr um 0,3 Prozent. Für den Sommer befürchten Pessimisten, dass die Wirtschaftsleistung sinkt.

In der Euro-Zone sieht es nicht besser aus. Auch hier setzte die Industrie ihren Abschwung mit leicht gebremstem Tempo fort. Der Einkaufsmanagerindex stieg um 1,1 auf 45,1 Punkte, blieb aber den 13. Monat in Folge unter der Wachstumsmarke von 50 Zählern. "Die leicht abgeschwächte Talfahrt könnte zwar bedeuten, dass das Schlimmste überstanden ist", sagte Markit-Ökonom Rob Dobson. "Doch bleibt die Industrie - im dritten Quartal jedenfalls - Wachstumsbremse Nummer eins."

„Heißer Herbst“ für die Euro-Retter - Der Fahrplan in der Krise


Unter der Krise in Europa leidet auch Exportweltmeister China. Die Neuaufträge der Industrie fielen so schwach aus wie seit März 2009 nicht mehr, wie aus einer Umfrage der Großbank HSBC hervorgeht. Dies schürt Sorgen, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Sommer weiter an Fahrt verlieren könnte. "Chinas Exporteuren bläst der Wind immer schärfer ins Gesicht", sagte der HSBC-Chefvolkswirt für China, Qu Hongbin. Der gesamte HSBC-Einkaufsmanagerindex sank im August auf 47,6 von 49,3 Punkten und blieb damit den zehnten Monat unter der 50-Zähler-Marke. Am Wochenende war bereits der amtliche Einkaufsmanagerindex auf 49,2 Prozent gerutscht und damit erstmals seit November 2011 unter die Wachstumsschwelle.

Die zehn größten Euro-Lügen
Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Giorgios Papandreou Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dapd
Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker Quelle: dapd
Angela Merkel mit Draghi Quelle: dapd
Mariano Rajoy Quelle: REUTERS


China hat im Juni und Juli bereits die Geldpolitik gelockert, um die merkliche Konjunkturabkühlung zu bremsen. Fachleute gehen davon aus, dass sie Geld noch billiger machen wird, um die Wirtschaft zu stützen. "Peking muss die Lockerung verstärken, um das Wachstum zu stabilisieren und die Lage am Arbeitsmarkt zu verbessern", sagte HSBC-Experte Qu.

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