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Evonik-Börsengang Das System WestLB lebt

Mit dem Scheitern des Börsengangs von Evonik erhalten Politiker wieder Oberhand über Teile der Wirtschaft.

Das Evonik-Logo auf einem Fabrikgebäude in Darmstadt: Kurz vorm Abschluss ist der Börsengang des Chemiekonzerns nach langem Ringen endgültig abgesagt worden. Quelle: REUTERS

Drei Mal hat die RAG-Stiftung, die Großaktionärin von Evonik, versucht, das Chemieunternehmen an die Börse zu bringen. Drei Mal scheiterte der Plan. 2008 lag es an der Finanzkrise, dann an der Euro-Krise, die das Börsenklima eintrübte. Als der Stiftungsvorstand am vergangenen Montag den dritten Börsenversuch abblies, war niemand böse, abgesehen vom britischen Finanzinvestor CVC, der etwas über 25 Prozent an Evonik hält.

In Nordrhein-Westfalen formierte sich gerade das rot-grüne Landeskabinett unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die dem Kuratorium der RAG-Stiftung angehört und schon immer als Gegnerin des Börsengangs galt.

Lieber bauen die Sozialdemokraten die RAG-Stiftung zu einer „industriepolitischen Plattform“ auf, um Soziales und Kulturelles im Ruhrgebiet zu päppeln.

Die Politik mischt kräftig mit

Darum kümmert es die Landespolitiker im Kuratorium der Stiftung wenig, dass dies dem Stiftungszweck widerspricht. Er sieht vor allem eine „Verwertung“ von Evonik vor, einen Verkauf an einen Investor oder einen Börsengang.

Nun verschiebt sich das Kräfteverhältnis zugunsten von Kraft. Denn von Juli an laufen die ersten Verträge im 13-köpfigen Kuratorium der Stiftung aus. Dann kann die Landeschefin beginnen, dort ihre eigenen Leute zu installieren und ihre Macht in der Stiftung auszubauen.

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Eigentlich ist die Stiftung gegründet worden, um die Folgekosten des stillgelegten Steinkohlebergbaus zu finanzieren.

Der Börsengang sollte die Mittel dafür in die Kasse spülen. Aber inzwischen haben Politiker Gefallen daran gefunden, mithilfe der RAG-Stiftung Standortpolitik in Nordrhein-Westfalen zu betreiben – so wie es einst die WestLB gemacht hat unter der 20-jährigen Leitung ihres legendären Chefs Friedel Neuber.

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