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Evonik-Vorstand Yu Dahai Zwei Milliarden Euro Invest für Asien

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Die Kunden haben andere Bedürfnisse

Patentanmeldungen in China
Chinesische Flagge Quelle: dpa
Sony-Gebäude Quelle: dpa
Amerikanische Flagge Quelle: dpa
Kia-Logo Quelle: Reuters
Ein Schild mit der Aufschrift "Patent" liegt auf mehreren Brokkoli Quelle: dpa
Produktionsband der Firma Heineken Quelle: Reuters
Eiffelturm

Welche besonderen Bedürfnisse meinen Sie?

Lassen Sie es mich am Beispiel eines Autos erklären, da ist es einfacher. Audi hat für China eine Langversion des A6 entwickelt. Erstens ist so eine Limousine für den chinesischen Käufer ein Statussymbol. Zweitens hat dieser Kunde meist einen Fahrer und sitzt selbst hinten – deshalb muss die Limousine dort geräumiger sein.

Auf welchen Feldern will Evonik denn in China am stärksten wachsen?

Wir profitieren vor allem von zwei Branchen stark: zum einen von der rapiden Entwicklung der Autoindustrie, zum anderen vom Bauboom, der trotz aktueller
Schwächen nach unserer Einschätzung anhalten wird. Dazu kommen die generell steigenden Einkommen der Mittelschicht, aus denen für uns wieder enorme Potenziale beim Geschäft mit Gesundheitsvorsorge entstehen.

Die Stärken und Schwächen von ThyssenKrupp
Stärke 1: Das Unternehmen besitzt ein solides Liquiditätspolster. Zwar hat Thyssen-Krupp gerade den zweiten Milliardenverlust in drei Jahren eingefahren. Dennoch ist der Konzern, dank eines sehr konservativen Finanzengagements, erstaunlich gut bei Kasse. Im vierten Quartal gelang es Finanzchef Guido Kerkhoff, die liquiden Mittel auf 3,6 Milliarden Euro zu erhöhen. Maßgeblich dazu beigetragen hat der Verkauf eigener Aktien, die ursprünglich als strategische Reserve für Übernahmen gedacht waren. Der Verkauf brachte einen Erlös von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Das aktuelle Liquiditätspolster reicht – abzüglich einer halben Milliarde Euro, die fest im operativen Geschäft gebunden sind – aus, um die in wenigen Monaten fälligen Finanzschulden von 0,6 Milliarden Euro abzulösen. Außerdem kann Thyssen-Krupp auf nicht gezogene Kreditlinien zurückgreifen, um sich bei Bedarf weitere 4,7 Milliarden Euro bei seinen Hausbanken zu borgen. Dank der hohen Liquidität sind die Anleihen von Thyssen-Krupp sogar für einen kleinen Kreis institutioneller Investoren interessant, die ihr Geld auch bei Unternehmen mit einer schlechten Bonitätsnote anlegen. Thyssen-Krupp gibt überwiegend Anleihen mit einem Nennwert von 1.000 Euro aus , wendet sich also gezielt an Privatanleger. Der Ruhrkonzern steht für Seriosität und finanzielle Solidität. Die Sorge, das Unternehmen könne pleitegehen, haben viele Privatanleger nicht. Bei den meisten Dax-Konzernen ist eine Mindeststückelung von 50.000 Euro üblich. Quelle: dapd
Stärke 2: Innovative Ingenieure sichern Vorsprung gegenüber den Konkurrenten. Der Investitionsgüter- und Stahlkonzern Thyssen-Krupp ist überwiegend auf bereits entwickelten Märkten tätig – und trifft dabei auf Konkurrenten mit günstigeren Kostenstrukturen. Um gegen sie zu bestehen, setzt der Konzern auf die innovative Kompetenz seiner Ingenieure. Denn erfahrungsgemäß sind die Kunden bereit, für bessere Qualität, größere Zuverlässigkeit und längere Lebensdauer eines Produktes einen Aufpreis zu bezahlen. Quelle: dapd
Auch im Geschäft mit seinen wichtigsten Kunden, den deutschen Autokonzernen, folgt Thyssen-Krupp diesem Prinzip. Und bei der wichtigsten Kennzahl, dem operativen Gewinn vor Abschreibungen pro Tonne Stahl, liegt der Konzern mit 124 Euro vor der Konkurrenz: Voestalpine verdient 105, Weltmarktführer Arcelor-Mittal sogar nur 44 Euro. Quelle: dpa
Allerdings musste Thyssen-Krupp auch lernen, dass ein vermeintlich günstiges Angebot am Ende richtig teuer werden kann: Um das Budget für das neue Stahlwerk in Brasilien nicht zu überziehen, hatte der Vorstand entschieden, die für das Milliardenprojekt wichtige neue Kokerei von einem chinesischen Anbieter bauen zu lassen. Der Experte im eigenen Haus, der Anlagenbauer Uhde, kam nicht zum Zug. Das Ergebnis ist bekannt: Die Chinesen lieferten Schrott, und jetzt muss Uhde für viel Geld die Kokerei ans Laufen bringen. Quelle: dpa
Stärke 3: Führende Marktposition in den meisten Geschäftsbereichen. Für einige Experten ist Thyssen-Krupp ein Paradebeispiel für einen Mischkonzern. Für andere ist der Essener Konzern ein unübersichtliches Industriekonglomerat. Tatsächlich zählt das Essener Traditionsunternehmen allein 636 Tochtergesellschaften in mehr als 80 Ländern, deren Geschäftszahlen, also Umsätze und Ergebnisse, voll in die Konzernbilanz einfließen. Quelle: dpa
Viele dieser Unternehmen sind in ihren Märkten tonangebend. Die Tochter Thyssen-Krupp Steel Europe beispielsweise ist nach Umsatz gemessen der zweitgrößte Anbieter auf dem Kontinent – hinter dem Branchenprimus Arcelor-Mittal. Weltweit belegt Thyssen-Krupp mit sämtlichen Stahlaktivitäten in Europa, Nord- und Südamerika sowie der Edelstahlstahlsparte nach Umsatz den siebten Rang. Nach Produktionsmenge zählt der Konzern nicht zu den Top 15. Quelle: dpa

Viele Unternehmen, die wie Sie euphorisch nach China aufbrachen, sind nach kurzer Zeit wegen Know-how-Diebstahls ernüchtert. Wie gehen Sie mit dieser Gefahr um?

Wir haben einen umfassenden Katalog erarbeitet, um unser Know-how zu schützen Einer der wichtigsten Punkte hierbei ist, dass wir unsere Mitarbeiter an uns
binden. Personalentwicklung ist ein wichtiger Aspekt beim Schutz des geistigen Eigentums. Illoyale Mitarbeiter sind hier das größte Risiko. Denn natürlich müssen wir im Land selbst Forschung und Entwicklung betreiben. Das können wir nicht alles nur aus Deutschland machen. Wir haben gerade beschlossen, 23 Millionen Euro in unser Forschungszentrum in Shanghai zu investieren und es zu erweitern.

Was sagen Sie zu der Klage mancher Unternehmer, dass China inzwischen einfach zu teuer geworden sei, und die deshalb andere Standorte suchen?

Evonik ist nicht wegen der niedrigen Lohnkosten nach China gegangen, sondern wegen des großen Marktpotenzials. Wir haben uns keine Illusionen darüber
gemacht, dass auch die Kosten steigen, wenn der Wohlstand zunimmt.

Industrie



Seitdem das Bruttoinlandsprodukt etwas langsamer zunimmt, befürchten manche Beobachter, dass die Phase des schnellen Wachstums beendet sei und China auf eine harte Landung oder sogar einen Crash zusteuere. Besteht Anlass zur Sorge?

Nein, die Sorge halte ich für übertrieben. Ich finde es auch richtig, dass China künftig stärker den Fokus auf die Qualität des Wachstums und weniger auf dessen
Quantität richten will. Diese Transformation ist ganz wichtig, um das Wirtschaftswachstum nachhaltiger zu machen und Fortschritte beim Umweltschutz zu erzielen.Und wenn die chinesische Regierung jetzt das Ziel für das Wirtschaftswachstum von 8,0 auf 7,5 Prozent reduziert hat, so ist das doch nicht schlecht. Welche Märkte
verzeichnen denn eine so hohe Zuwachsrate noch?

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen im Asiengeschäft?

Wir müssen uns noch viel stärker mit den Besonderheiten des Marktes beschäftigen. Und mit der Personalentwicklung: Wir brauchen gute Leute, die unsere Anlagen sicher betreiben und das Geschäft profitabel entwickeln können.

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