Ex-Baukonzern in der Krise Cevian muss Bilfinger neu erfinden

Seit der Gewinnwarnung im Sommer ging es bei Bilfinger drunter und drüber. Die Krise des ehemaligen Baukonzerns ist nun auch die Krise des schwedischen Großaktionärs Cevian – der dringend gegensteuern muss.

Seit der Gewinnwarnung im August ist der Kurs der Bilfinger-Aktie eingebrochen. Quelle: dpa/Montage

Bis vor Kurzem galt für den schwedischen Finanzinvestor Cevian der Spruch des römischen Feldherrn Gaius Julius Caesar nach der Schlacht von Zela: „Veni, vidi, vici“ – ich kam, sah und siegte. Mit seiner Beteiligung am Versicherer Skandia etwa konnte Cevian seinen Kapitaleinsatz zwischen dem Einstieg 2004 und dem Ausstieg 2006 verdoppeln. Beim Kranbauer Demag Cranes, bei der Assekuranz Münchener Rück und beim Lastwagenbauer Volvo kauften die Anlageprofis ebenfalls größere Aktienpakete günstig ein, erstritten erfolgreiche Korrekturen an der Strategie – und verabschiedeten sich dann mit ordentlichen Gewinnen.

Bei Bilfinger, dem zum Industrie- und Kraftwerksdienstleister mutierten ehemaligen Baukonzern aus Mannheim, fällt die Zwischenbilanz des 2002 gegründeten Finanzinvestors hingegen negativ aus: Drei Jahre nach dem Einstieg bei Bilfinger steht Cevian vor einem Scherbenhaufen.

Der erfolgsverwöhnte Investor droht erstmals mit einem Projekt spektakulär zu scheitern. Fehlende Konzepte für eine strategische Neuausrichtung machen Bilfinger zur Dauerbaustelle. Fortschritte sind erst zu erwarten, wenn die Führungsprobleme behoben und die Konflikte mit alten Seilschaften gelöst sind.

Der Neue und Alte: Herbert Bodner

Um einen Kurswechsel zu erzwingen, haben die Investoren brutalstmöglich die Aufstellung verändert: Nach nur drei Jahren im Amt musste im August Bilfinger-Vorstandschef Roland Koch gehen. Anfang Oktober trat Aufsichtsratschef Bernhard Walter von seinem Amt zurück. Am Montag vergangener Woche wurde bekannt, dass auch Finanzvorstand Joachim Müller seinen Hut nehmen muss.

Geschäftsziele waren unrealistisch

Dem Putsch in Mannheim vorausgegangen waren drei Gewinnwarnungen – verursacht vor allem durch Probleme in der Kraftwerkssparte und durch verfehlte Geschäftsziele, die Koch „ambitioniert“ nannte, die in Wahrheit aber eher unrealistisch waren. Der Auftragsmangel der in Oberhausen und Dortmund ansässigen Kraftwerkssparte hatte die erste Gewinnwarnung Ende Juni ausgelöst, bis zu 300 der bisher 1100 Power-Mitarbeiter müssen mit der Kündigung rechnen.

Probleme gab es auch mit dem Strategieprogramm Best, das eigentlich die „konzerninterne Vernetzung“ der 500 Bilfinger-Einzelunternehmen verbessern und für „verstärktes Cross-Selling“ sorgen soll. Der Aufbau einer dafür geschaffenen Auftragsdatenbank kostete bisher vor allem viel Geld – ob sie jemals mehr Aufträge bringt, weiß niemand. Für viel Frust sorgt das sogenannte Excellence-Programm. Gedacht „zur Steigerung der Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit“, werden dabei 1250 Jobs abgebaut, überwiegend in Deutschland.

Die vielen Baustellen haben den Kurs der im MDax notierten Bilfinger-Aktie auf Talfahrt geschickt. Notierte sie im April noch bei fast 93 Euro, wird sie inzwischen nur noch für etwa 46 Euro gehandelt.

Das harte Durchgreifen kommt nicht unerwartet

Nun zieht Cevian die Reißleine. Die Investorengesellschaft mit Sitz in Stockholm und Büros in London und Pfäffikon bei Zürich hat ihren Bilfinger-Anteil auf über 25 Prozent erhöht und entsendet den früheren Metro-Chef und heutigen Cevian-Partner Eckhard Cordes in den Aufsichtsrat.

Unerwartet kommt das harte Durchgreifen von Cevian nicht: Alte Seilschaften um den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Walter hatten Cevian-Vertreter Jens Tischendorf im Aufsichtsrat immer wieder ins Leere laufen lassen. „Walter kam nicht damit klar, dass Bilfinger plötzlich einen einflussreichen Aktionär hatte“, erzählt ein Bilfinger-Aufsichtsrat.

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