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Explosion in Leverkusen Wenn es im Chemiepark knallt

Quelle: imago images

Unternehmen wie Currenta stehen meist nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Durch die tödliche Explosion im Chempark Leverkusen hat sich das geändert. So funktioniert das Geschäft mit Chemieparks.

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Für Lars Friedrich war es eine eher ungewohnte Aufgabe, den Journalisten Rede und Antwort zu stehen. Am Dienstagmorgen sind infolge einer Explosion in einer Sondermüllverbrennungsanlage zwei Menschen getötet und etwa dreißig verletzt worden. Friedrich wirkt bedrückt, als er berichtet, dass noch weitere Personen vermisst werden. Die Hoffnung, diese lebend zu finden, schwinde zunehmend, erklärt er später.

Friedrich leitet den Chempark Leverkusen, zu dem die Müllverbrennungsanlage gehört. Sein Arbeitgeber Currenta betreibt das Areal: Auf einer Fläche von 480 Hektar – fast 700 Fußballfelder – sind 200 Betriebe ansässig, die insgesamt mehr als 5000 Chemikalien produzieren. Große Unternehmen wie Covestro und Lanxess sind darunter, aber auch viele kleinere Betriebe. Viele Hersteller sind untereinander verbunden – der eine nutzt die Reststoffe des anderen zur eigenen Produktion. Der Betreiber Currenta ist dafür zuständig, all den verschiedenen Unternehmen die Produktion zu ermöglichen – Currenta stellt die Infrastruktur, organisiert die Energieversorgung ebenso wie die Werksfeuerwehr. In normalen Zeiten ist das ein unauffälliger Job.

Bis 2008 hieß Currenta noch „Bayer Industry Service“. Der Leverkusener Chemiekonzern dominierte einst den Chemiepark, zu dem neben Leverkusen auch noch die Standorte in Dormagen und Krefeld-Uerdingen gehören. Seit etwa anderthalb Jahrzehnten trennt sich Bayer zunehmend von der Chemie, setzt stattdessen auf Pharma und Agrar. Bayer gründete Chemie-Unternehmen wie Covestro und Lanxess aus, die heute unabhängig vom einstigen Mutterkonzern agieren. Einen Chemiepark zu betreiben, ergab dann irgendwann keinen Sinn mehr. Nach einigem Hin und Her übernahm 2019 der australische Finanzinvestor Macquarie Currenta sowie das dazugehörige Areal.

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Bayer ist im übrigen nicht das einzige frühere Chemiekonglomerat, das sich zum Chemiepark wandelte. Ähnlich erging es auch dem früheren Frankfurter Weltkonzern Hoechst. Auf dessen früherem Werksgelände in Frankfurt-Höchst tummeln sich heute Dutzende von Betrieben und Produktionsstätten. Hinter der Betreibergesellschaft Infraserv stehen unter anderem Celanese, Clariant sowie Sanofi-Aventis – allesamt Unternehmen mit einer früheren Verbindung zu Hoechst.

Mehr zum Thema: Fünf Menschen werden nach der gewaltigen Explosion im Chempark in Leverkusen vermisst. Doch mit zunehmender Dauer des Einsatzes sinken die Hoffnungen, noch Überlebende finden zu können.    

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