Fiat Chrysler Autokonzern plant keine weiteren Abspaltungen

Stark gestiegenen Papierwerte des Autobauers Fiat Chrysler, ließen viele Anleger auf größere Umstrukturierungen und Abspaltungen spekulieren. Konzernchef Marchionne dementiert nun und bringt den Aktienkurs zum bröckeln.

DetroitFiat Chrysler hat Erwartungen an einen Verkauf von Unternehmensteilen gedämpft. Es gebe nicht die Absicht, einzelne Marken an Chinesen oder andere Interessenten abzugeben, sagte Konzernchef Sergio Marchionne am Montag (Ortszeit) auf der Detroiter Automesse. „Wir haben nicht die Absicht, etwas abzuspalten.“ Der Konzern setze auf seine begehrte Geländewagen-Marke Jeep, um den Gewinn in die Höhe zu treiben. Im vergangenen Jahr hatten Berichte über ein mögliches Interesse des chinesischen Konkurrenten Great Wall den Aktienkurs von Fiat Chrysler vorübergehend auf den höchsten Stand seit 19 Jahren steigen lassen.

Seit Jahresbeginn hat das Papier des italienisch-amerikanischen Autokonzerns noch einmal 30 Prozent an Wert gewonnen. Anleger setzen darauf, dass Marchionne in seinem letzten Amtsjahr als Konzernchef größere Umstrukturierungen vornimmt. Binnen zwölf Monaten hat der Kurs sogar um 113 Prozent zugelegt. Am Dienstag verlor die Aktie wegen der Absage an weitere Abspaltungen jedoch mehr als ein Prozent.

Investoren hatten darauf gehofft, dass Marchionne in Detroit strategische Entscheidungen wie etwa die Abtrennung von Jeep oder technologische Kooperationen bekanntgibt. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren bereits den Traktorhersteller CNH Industrial und die Luxus-Sportwagenmarke Ferrari an die Börse gebracht. Marchionne bereitet zudem bis Ende 2018 die Trennung vom konzerneigenen Zulieferer Magneti Marelli vor, bevor er sich selbst im nächsten Jahr von der Konzernspitze zurückziehen will. Als mögliche Nachfolger des 65-Jährigen gelten Finanzvorstand Richard Palmer, Europa-Chef Alfredo Altavilla und Jeep-Boss Mike Manley. Marchionne hat aber bereits erklärt, es gebe auch andere potenzielle Kandidaten, die nicht im Fokus der Medien stünden.

Um Fiat ranken sich seit Jahren Spekulationen über mögliche Übernahmen oder Fusionen. Auch der Hersteller Guangzhou Automobile gehörte zeitweise zum Kreis möglicher Kandidaten. Das chinesische Unternehmen dementierte jedoch. Vor zwei Jahren hatte Marchionne vergeblich versucht, mit General Motors anzubandeln. Auch Volkswagen, Toyota und Ford wurden von Marchionne als zeitweise geeignete Fusionspartner betrachtet. Doch sein Werben wurde nicht erhört.

Seit einiger Zeit konzentriert sich der Konzern mehr auf seine eigenen Stärken, die Experten vor allem bei SUV und Pickups der Marken Jeep und Ram sehen. Marchionne bekräftigte auf der Detroiter Messe die Ziele für 2017 und 2018. Zudem sollen Schulden abgebaut und die Barmittel erhöht werden. Bei der Frage nach der Rolle von Elektroautos in seinen Plänen blieb Marchionne wage. Batteriebetriebene Autos sollten einmal einen großen Anteil am Fahrzeugangebot von Fiat Chrysler haben. Dies sei jedoch „viel weiter weg als die Leute denken“, sagte er. Er kenne niemanden, der mit dem Verkauf von Elektroautos Geld verdiene.

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