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Firmenübernahmen Chinas Investoren lassen die Finger von deutschen Autozulieferern

Flagge der Volksrepublik China Quelle: imago images

Die Übernahme des bayerischen Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern hat die Bundesregierung alarmiert. Mit einer Verordnung will sie seither deutsche Firmen schützen – die Abschreckung funktioniert, wie eine neue Studie zeigt.

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Das Interesse chinesischer Investoren am Kauf deutscher Autozulieferer ist seit 2018 stark zurückgegangen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Zwischen 2011 und Anfang 2019 kauften chinesische Unternehmen 79 Firmen in der Autobranche Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (DACH-Region). In den ersten Jahren des Jahrzehnts griffen die Chinesen weniger als zehn Mal pro Jahr zu, 2016 und 2017 jedoch verdoppelte sich die Zahl der jährlichen Übernahmen. Danach fiel sie wieder auf das ursprüngliche Niveau.

Für dieses jähe Ende des kurzen Übernahme-Booms gibt es nach Ansicht von Jan Dannenberg, M&A-Experte von Berylls, mehrere Ursachen: Die sich abkühlende Autokonjunktur, die internationalen Handelskonflikte, vor allem aber die öffentliche Debatte nach der Kuka-Übernahme über einen vermeintlichen Großangriff Chinas auf deutsche Schlüsselindustrien. In Folge dieser Debatte erließ die Bundesregierung eine neue Verordnung, die ihr Vetorechte beim Verkauf deutscher Firmen an nicht-europäische Investoren einräumt. So will die Bundesregierung verhindern, dass durch Übernahmen wichtiges deutschen Know-how ins Ausland abwandert.

„In solchen Zeiten wollen die chinesischen Unternehmen kein Öl ins Feuer gießen“, sagt Dannenberg, „und halten sich lieber erstmal zurück.“ In den kommenden zwei Jahren werde das wohl noch so weiter gehen, so die Prognose des Beraters. Dannenberg hält die Diskussion über einen möglichen Ausverkauf deutscher Technologie für sinnvoll – und ebenso die Verordnung von 2017. „Es war nötig, dass sich Deutschland überlegt, was aus industriepolitischer Sicht schutzwürdig ist und was nicht“, sagt Dannenberg. „Die neue Regelung ist angemessen.“

Diese sieben Autozulieferer rutschen in die Krise
Der Hannoveraner Traditionshersteller Continental hat große Probleme, die Spur zu halten Quelle: dpa
Bei Bosch hängen 50.000 Arbeitsplätze, davon allein 15.000 in Deutschland, vom Diesel ab. Quelle: dpa
ZF Friedrichshafen stellt unter anderem Getriebe her und ist breit aufgestellt – spürt aber dennoch den Gegenwind der Branche. Quelle: Felix Kädpa
Auch bei den 79.000 Mitarbeitern von Mahle geht die Angst um. Quelle: dpa
Der größte fränkische Auto-Zulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach sieht bisher noch keine Notwendigkeit für weitere Maßnahmen. Quelle: imago images
Das Coburger Familienunternehmen Brose musste ebenfalls Federn lassen und will mit „Kapazitätsanpassungen“ reagieren. Quelle: imago images
Leoni aus Nürnberg ist wohl einer der bisher am stärksten Betroffenen der Branche in Deutschland. Quelle: dpa

Allerdings seien deutsche Ängste vor einer „chinesischen Invasion“ („Die Welt“) unbegründet, sagt der Berater. So hätten in den vergangenen vier Jahren nur hinter knapp 14 Prozent aller Übernahmen in der Autobranche der DACH-Region chinesische Firmen gesteckt, sagt Dannenberg. Die USA, Großbritannien, Schweiz und Frankreich lagen auf einem ähnlichen Niveau. Auch hätten deutsche Firmen in den vergangenen Jahren mehr Geld für Übernahmen in China ausgegeben als chinesische Firmen in Deutschland. Und: „Während China vielleicht tausend Autos im Jahr in Deutschland verkauft, setzen deutsche Autobauer fast jedes vierte Auto in China ab.“

Ebenso falsch sei die Vorstellung, chinesische Käufer stürzten sich einseitig auf die modernste Technik im Automobilbau – also Komponenten für elektrische, selbstfahrende oder geteilte Autos: „Nur knapp ein Viertel der Übernahmen“, sagt Dannenberg, „waren in den vergangen vier Jahren diesem Bereich zuzuordnen.“

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