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Fluggesellschaft Airbus einigt sich mit Behörden wegen Korruptionsvorwürfen

Die seit 2016 laufenden Ermittlungen wegen Bestechung könnten für Airbus nun ein Ende finden. Dafür muss der Deal aber noch genehmigt werden.

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Airbus einigt sich mit Behörden wegen Korruptionsvorwürfen Quelle: Reuters

Airbus hat am Dienstagmorgen bekannt gegeben, dass es im Korruptionsskandal mit dem britischen Serious Fraud Office, dem französischen Parquet National Financier und den US-Behörden eine prinzipielle Einigung erreicht hat.

„Diese Übereinkünfte beziehen sich auf Ermittlungen über Bestechung und Korruption sowie die Einhaltung der amerikanischen Internationalen Regeln für Waffenhandel (ITAR)“ schreibt der deutsch-französische Konzern in einer Mittelung. Sie müssten allerdings noch von den französischen und britischen Gerichten, einem US-Gericht und einer weiteren Behörde bestätigt werden.

Aus rechtlichen Gründen dürften keine Details genannt werden. Erwartet wird, dass Airbus eine Geldbuße in Milliardenhöhe zahlen muss, damit die Ermittlungen ohne Gerichtsverfahren eingestellt werden. In diesem Fall würden weder das Unternehmen selbst noch einzelne Manager verurteilt. Das ist das wichtigste Ziel des Herstellers, denn ein Gerichtsurteil gegen ihn könnte wichtige Märkte wie den amerikanischen verschließen.

Rolls-Royce hatte in einem vergleichbaren Verfahren vor einigen Jahren eine Buße in Höhe von 590 Millionen Euro zahlen müssen. Britische Zeitungen schrieben Ende vergangenen Jahres, die Strafzahlung im Falle Airbus würde Indiskretionen zufolge wesentlich höher ausfallen. Auch das könnte das Unternehmen allerdings finanziell verkraften, da es aufgrund von Auslieferungen in Rekordhöhe gut dasteht.  

Der Skandal um Schmiergelder beim Verkauf von zivilem und militärischem Gerät hatte den Hersteller in den vergangenen Jahren in Atem gehalten: Wegen „Betrug, Bestechung und Korruption im Bereich der zivilen Luftfahrt“ ermittelte das britische Serious Fraud Office (SFO), die Behörde zur Betrugsbekämpfung, seit 2016 gegen das Unternehmen.

Der damalige Konzernchef Tom Enders behauptete im Oktober 2017 im Interview mit dem Handelsblatt, Airbus selber habe die Briten auf Unregelmäßigkeiten in Geschäften mit „Business Partners“ aufmerksam gemacht, die zur Absatzförderung eingeschaltet wurden.

Radikaler personeller Schnitt

Die französische Staatsanwaltschaft für Finanzdelikte schloss sich wenig später an, zwei Jahre danach eröffneten auch die Amerikaner eine Untersuchung. Enders-Nachfolger Guillaume Faury sagte im Juli vergangenen Jahres: „Wir glauben, dass es Fortschritte gibt, und es geht in die richtige Richtung“.

Die wichtigsten Bedingungen der Betrugsbekämpfer hat Airbus erfüllt: volle Kooperation mit den Behörden und Austausch aller Mitarbeiter, die eventuell in die Vorfälle verwickelt sein könnten. Praktisch das gesamte Topmanagement hat Airbus ausgewechselt.

Sowohl CEO Enders als auch der frühere Finanzchef Harald Wilhelm und der ehemalige Leiter der wichtigsten Sparte Zivilflugzeuge, Fabrice Brégier, haben das Unternehmen verlassen, neben weiteren Vorstandsmitgliedern. Übrig ist von der alten Garde nur noch Personalvorstand Thierry Baril.

Die für Absatzförderung auch mit unkonventionellen Mitteln zuständige Abteilung SMO (Strategy and Marketing Organisation wurde abgewickelt. Von deren Mitarbeitern ist praktisch niemand mehr an Bord. Sie hatten sich im Auftrag des Managements originelle Dinge einfallen lassen, etwa den Kauf von Büros in Beirut oder die Förderung eines Formel 1-Teams, das nur hinterher fuhr.

Bei einem radikalen personellen Schnitt zeigen die Ermittler sich erfahrungsgemäß milder, verhängen lediglich eine Geldbuße und verzichten auf eine Anklage wegen Betrugs. Die wäre für Airbus gefährlich, weil sie den Ausschluss vom US-Markt nach sich ziehen könnte.

Sprach Enders noch 2017 von einer existenziellen Bedrohung, wurde die Stimmung später gelassener. Im Juli vergangenen Jahres legte das Unternehmen sogar Wert auf die Feststellung, dass es keine Rückstellung für eine mögliche Geldbuße gebildet habe: Man fühle sich nicht schuldig.

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