Flugsicherheit Alle A380 werden untersucht

Nachdem Qantas bei einem seiner A380-Maschinen Haarrisse findet, versichert die australische Fluglinie, dass Flugsicherheit nicht gefährdet sei. Trotzdem sichert die europäische Flugaufsicht an, alle Maschinen des Riesenfliegers zu untersuchen.

Bleibt vorerst am Boden: Ein Airbus A380 der australischen Fluglinie Qantas Quelle: dpa

Die jahrelangen Verzögerungen des Airbus A380 bei seiner Auslieferung sorgten für Schlagzeilen. Nach den ersten Auslieferungen schreckte die Welt bei der Explosion eines Triebwerkes auf – Ende 2010 wäre dadurch fast eine A380-Maschine von Qantas abgestürzt. Dann tauchten bei dem Riesenflieger Haarrisse an den Tragflächen auf. Erst bei Singapore Airlines und bei Qantas. Worauf die australische Fluggesellschaft einen Riesenflieger aus dem Verkehr zog. Ein Mechaniker hatte 36 Haarrisse entdeckt.

Jetzt zieht auch die die europäische Luftfahrtsaufsicht EASA Konsequenzen. Sie ordnete an, alle A380-Maschinen auf den gleichen Schaden zu untersuchen. Damit müssen alle 68 Maschinen in die Werkshallen, die zurzeit im Luftverkehr sind. Die EADS-Tochter Airbus lehnte einen Kommentar dazu zunächst ab. Dann sagte ein Airbus-Sprecher, dass die EASA lediglich sicher stelle, dass „die Untersuchung, die von Airbus ohnehin empfohlen wird, auch durchgeführt wird“. Die Sicherheit der Fluggäste stehe nicht zur Debatte.

Nun gibt die EASA den Gesellschaften sechs Wochen Zeit, die Maschinen zu untersuchen, die etwas weniger als 1300 Flüge hinter sich haben. In Routineinspektionen müssen zudem auch alle übrigen A380-Flugzeuge überprüft werden.

Galerie: Wo Airbus im Vergleich mit Boeing schwächelt

Wo Airbus im Vergleich mit Boeing schwächelt
Airbus A380 auf einem Flughafen in Sharm El Sheikh: Der Mutterkonzern EADS blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die jüngsten Umsatzzahlen und die vollen Auftragsbücher von EADS sind beeindruckend. Aber auch diese positive Entwicklung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern ein Problem hat, das weit über den Streit um die deutsch-französischen Eigentümerstrukturen und den Wechsel an der Konzernspitze hinausgeht: den Mangel an Profitabilität. Quelle: Reuters
Zwar konnte die EADS im Jahr 2011 den US-Rivalen Boeing mit gut 1 500 Neubestellungen deutlich hinter sich lassen. Doch auch mehr als ein Jahrzehnt nach seiner Gründung ist EADS noch nicht auf Augenhöhe mit den US-Rivalen. Quelle: Reuters
Ein Eurofighter des europäischen Rüstungskonzerns: EADS macht zwar viel Umsatz, verdient damit bisher aber kaum Geld. Nach neun Monaten 2011 lagen die Umsätze bei 32,7 Milliarden Euro, 3,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die operative Marge lag nach neun Monaten 2011 aber nur bei knapp drei Prozent. Mehr erwarten Analysten laut Datenanbieter Bloomberg auch für das Gesamtjahr nicht. Quelle: Reuters
Konkurrenzprodukt Boeing 777: Der amerikanische Hersteller kam von Januar bis September 2011 auf Umsätze von 49,2 Milliarden Dollar (36,2 Milliarden Euro) – nicht wesentlich mehr als EADS. Die operative Marge war aber deutlich höher. Sie lag bei 8,6 Prozent. Quelle: dapd
Der Grund für das schlechte Abschneiden von EADS: Der Konzern ist in starkem Maße abhängig von seiner größten Tochter Airbus. Diese steuert mit dem zivilen Flugzeuggeschäft – nur ein verschwindend geringer Anteil produziert Militärflugzeuge – zwei Drittel zum Konzernumsatz bei. Quelle: dpa
Weil Verzögerungen beim Riesenflieger A380 sowie beim Militärtransporter A400M und die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 immer wieder auf die Kosten drücken, lag die operative Marge nach neun Monaten 2011 aber nur bei 1,4 Prozent. Quelle: dpa
Kampfflugzeug F-15 von Boeing: Bei dem US-Hersteller machen Passagier- und Frachtflugzeuge dagegen nur die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Die operative Marge lag im September aber bei deutlich höheren 9,9 Prozent. Quelle: dpa

Die Qantas-Maschine soll nach Reparaturen nächste Woche wieder zum Einsatz kommen. Die Risse hätten die Flugsicherheit nicht beeinträchtigt. Das Problem wurde bei einer Untersuchung der Maschine entdeckt, die nach schweren Luftturbulenzen über Indien in Singapur gelandet war. „Diese Risse hatten nichts mit den Turbulenzen zu tun“, sagte eine Qantas-Sprecherin. Es handele sich um einen Fertigungsfehler.

Es ist nicht der erste Fall: Im Januar wurden 20 Maschinen auf Anordnung der EASA überprüft. Dabei ging es um Risse an Flügelrippen-Verbindern.

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