Ford-Chef Hackett auf der CES „Ich will keine Autos verkaufen“

Ford-Chef Jim Hackett bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas Quelle: REUTERS

In seiner Grundsatzrede spricht der Ford-Chef über die Schattenseiten der Autogesellschaft und verspricht ein Umdenken. Selbstfahrende Fahrzeuge könnten helfen, in der Stadt Lebensraum für die Menschen zurückzugewinnen.

Am Dienstag hielt Jim Hackett erstmals seit seinem Amtsantritt im Sommer 2017 eine öffentliche Rede. Der neue Ford-Chef sprach auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Dort stellte er überraschend negative Seiten der Autobranche heraus.

Die Einführung und der Ausbau von Autobahnen in Amerika habe das „Gefühl von Zugehörigkeit“ der Menschen unterminiert, Fast-Food-Restaurants hätten kleine Diner verdrängt und „Parkplätze ersetzten Gemeindezentren“, sagte Hackett. Vor 30 Jahren hätten Amerikaner jährlich im Schnitt 16 Stunden im Verkehr verbracht, heute wären es 38 Stunden. „Das müssen wir so nicht hinnehmen“, sagte Hackett.

Der 62-Jährige entwarf in seiner Ansprache ein Gegenmodell. „Ich will hier keine Autos verkaufen, sagte Hackett, „obwohl ich das sonst gerne tue“. Technische Innovationen wie selbstfahrende Autos, künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge können laut dem Ford-Chef helfen, die Städte wieder lebenswerter zu gestalten. Dazu entwickelt der Autobauer eine virtuelle Plattform, die Städte oder Partnerfirmen wie der Fahrdienst Lyft oder die Pizzakette Domino‘s für Mobilitätslösungen nutzen können. Auch arbeitet Ford an der Kommunikationstechnik CV2X, mit der Fahrzeuge per Mobilfunk miteinander Daten austauschen können.

Fernziel von Hackett ist es, nicht nur Menschen, sondern auch Waren im urbanen Bereich zu transportieren. In einer Präsentation sprach Jim Farley, Chef für den globalen Markt bei Ford, von der Möglichkeit für kleine Läden, per Robotertaxi ihre Waren auszuliefern. Ford verkündete eine Zusammenarbeit mit dem Lieferdienst Postmates, der in 20 amerikanischen Städten bereits solch einen Dienst anbietet und bald auch Mexiko-Stadt ins Angebot nehmen will. Der Konzern geht damit in Konkurrenz zum Fahrdienst Uber, der ähnliche Logistikpläne hegt.

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