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Fresenius-Chef "Wir lassen uns nichts diktieren"

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Wachstumspläne

Wo Frauen in deutschen Konzernen stehen
European Commissioner for Justice, Fundamental Rights and Citizenship Viviane Reding Quelle: dapd
Die Beine von Deutsche Bank-Mitarbeiterinnen, aufgenommen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main Quelle: dapd
Frau an einem Fax-Gerät Quelle: Fotolia
Männer und Frauen verschiedenen Alters Quelle: Fotolia
zwei Frauen und zwei Männer in einem Meeting Quelle: Fotolia
Business-Meeting Quelle: Fotolia
Frau schaut in den Himmel Quelle: Fotolia

Profitieren Sie davon, dass es zu wenig Nierenspender gibt?

Im Gegenteil: Wir arbeiten daran, dass es mehr Spender gibt. Fresenius unterstützt Aufklärungskampagnen zur Organspende. Ich selbst besitze einen Organspenderausweis. Und wir unterstützen Transplantationszentren mit Therapien gegen Organabstoßung. Allerdings löst eine Organtransplantation nicht alle Probleme. Es gibt ein erhebliches Operationsrisiko, ein Abstoßungsrisiko, das Immunsystem bleibt anfällig für Infektionen und Krebserkrankungen. Die Empfänger sind für den Rest ihres Lebens auf Medikamente angewiesen. Ich bin dafür, die Vor- und Nachteile von Dialyse und Organtransplantation fair darzustellen. Dazu tragen wir bei.

In Ihren Krankenhäusern, den bundesweit 75 Helios-Kliniken, setzen Sie klare Renditeziele. Geht das, ohne dass die medizinische Versorgung darunter leidet?

Natürlich geht das. Die wirtschaftlichere Vorgehensweise ist auch für die Patienten besser. Patienten und Kliniken leiden doch unter ineffizienten Abläufen, Mehrfachuntersuchungen oder unnötig langen Krankenhausaufenthalten. Wir erwarten von Krankenhäusern, die neu in unsere Gruppe kommen, dass sie innerhalb von fünf Jahren einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in Höhe von 15 Prozent des Umsatzes erreichen. Dadurch können wir in modernste Medizintechnik und Therapien investieren. Wir verhandeln Rabatte beim Einkauf, sorgen für effizientere Abläufe und Vermeidung von Doppelarbeiten, standardisieren Medizinprodukte und Hilfsmittel.

Was sollen wir uns darunter vorstellen?

Schneider (zieht ein kleines Fläschchen aus der Brusttasche seines Sakkos): Wer zum Beispiel Infektionen im Krankenhaus vermeidet, tut für den Patienten das Richtige und profitiert selbst davon. Nehmen Sie etwa dieses Handdesinfektionsmittel hier. Unsere Ärzte, Pfleger und Schwestern sind angehalten, das bei sich zu tragen, damit sie sich jederzeit und in jeder Situation die Hände desinfizieren können.

In deutschen Kliniken leben Patienten gefährlich, die Arbeitsbelastung des Personals ist hoch. Jährlich sterben laut Schätzungen 17 000 Kranke, weil Ärzten Fehler unterlaufen. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Die kann sich sehr gut sehen lassen. Auch in den Helios-Kliniken ist die Schlagzahl hoch. Aber ich glaube nicht, dass Fehler primär auf die Arbeitsüberlastung zurückzuführen sind. Bei Helios liegen wir bei allen Qualitätskriterien deutlich besser als der Bundesdurchschnitt. Wir haben 40 Prozent weniger Infektionen, die Zahl der Sterbefälle liegt bei den wichtigen Krankheiten wie Schlaganfall und Herzinfarkt um 15 bis 30 Prozent unter dem Bundesschnitt.

Sie selbst arbeiten ein bis zwei Tage im Jahr als Pfleger auf Station. Wozu?

Ich will schon wissen, was draußen los ist. Ich fahre auch mit dem Außendienst zu unseren Kunden. Vor Jahren habe ich gelernt, wie ein Dialysegerät bedient wird. Auf der Klinikstation teile ich Essen aus, übernehme Krankentransporte im Haus und helfe beim Waschen der Patienten. Ich darf natürlich keine Spritzen setzen; dafür bin ich nicht ausgebildet.

Und hinterher modeln Sie alles um?

Das nicht. Aber ich mache mir auf der Rückfahrt Notizen und gebe Anregungen an die Linie weiter. Gerade bei Kundenbesuchen mit dem Außendienst waren vor allem Anregungen für neue Produkte und Produktverbesserungen dabei.

Helios hat den privaten Klinikbetreiber Damp und das Katholische Klinikum Duisburg übernommen. Wie geht es weiter?

Wir wollen weiter expandieren und an der Privatisierung teilhaben. In den ersten Monaten dieses Jahres sind bereits Kliniken mit einem Jahresumsatz von 400 Millionen Euro auf dem Markt.

Welche Zukäufe planen Sie noch?

Wir sind keine Kaufmaschine, halten aber die Augen offen. Vor allem im Unternehmensbereich Infusionslösungen und künstliche Ernährung setzt Fresenius auf das Wachstum in Schwellenländern wie Brasilien, Indien und China. Dort wollen wir in den nächsten Jahren um 15 bis 17 Prozent pro Jahr wachsen. Das ist doppelt so viel wie im Konzerndurchschnitt.

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