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Fresenius Neue Ära der Patientenversorgung

Mit der Übernahme der Rhön-Krankenhäuser forciert der Gesundheitskonzern Fresenius die Idee der Polikliniken aus DDR-Zeiten.

Ein Ärzteteam steht um einen OP-Tisch Quelle: gms

So viel Blut floss noch nie entlang deutscher Straßen. Mit Blutbeuteln auf Plakatwänden im ganzen Land warnen deutsche Krankenhäuser gerade, der Staat spare sie zugrunde. Rund 10.000 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel.

Was die Hospitäler verschweigen: Klappt die geplante Übernahme der Rhön-Kliniken durch den Gesundheitskonzern Fresenius, entsteht Deutschlands größter privater Klinikkonzern und bereitet womöglich bald dem gegenteiligen Trend den Weg. Schon jetzt setzen die knapp 100 Helios-Kliniken im Fresenius-Konzern auch auf die Trägerschaft sogenannter Medizinischer Versorgungszentren (MVZ). Das sind Einrichtungen, zu denen sich mehrere Fachärzte zusammenschließen, um Patienten gemeinsam zu betreuen und ambulanter mit stationärer Behandlung enger zu vernetzen.

Renaissance der Polikliniken

Kommen die Rhön-Kliniken mit ihren 39 MVZs hinzu, eröffnet sich Fresenius-Chef Ulf Schneider die Möglichkeit, den Ausbau weiter voranzutreiben. „Schließt sich Helios dieser Strategie an, kommen noch viele Neugründungen auf den Markt zu“, erwartet Susanne Müller, Geschäftsführerin des MVZ-Bundesverbandes.

So käme es, ausgerechnet forciert von einem privaten Klinikbetreiber, zur Renaissance der Polikliniken aus der DDR-Zeit. Dort arbeiteten die meisten Ärzte als Angestellte des Staates in interdisziplinären Großpraxen zur ambulanten Versorgung.

Medizinische Versorgungszentren in Deutschland und bei Krankenhausträgern tätige Ärzte Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Mit der Wiederbelebung der Idee unter marktwirtschaftlichen Vorzeichen würde der neue Verbund einen Trend verstärken: Von 2007 bis Ende 2011 verdreifachte sich fast die Zahl der Versorgungszentren. Inzwischen gibt es rund 1900 (siehe Grafik), bald die Hälfte gehört zu Krankenhäusern. Im Schnitt arbeiten dort 5,6 Ärzte, das sind rund 3,5 Vollzeitstellen.

Den rechtlichen Grundstein für die Zentren in der BRD hatte 2004 die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gelegt, indem sie interdisziplinäre Arztgemeinschaften von überwiegend fest angestellten Ärzten, Psychotherapeuten und nicht-ärztlichen Leistungserbringern wie Physiotherapeuten ermöglichte. Ein Arzt sollte sie leiten, Verwaltung und Abrechnung gemeinsam erfolgen.

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