WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Freytags-Frage

Gibt es doch Interesse an einer sauberen FIFA?

Seite 2/2

Aus der Sicht der Politik

Aus Sicht der Politik könnte diese öffentliche Bedeutung des Fußballs hochwillkommen sein. Denn wenn es gelingt, dass es eine schlechte Geldpolitik in der Öffentlichkeit unkommentiert bleibt und sich alle Welt auf die schwache Form der Bayern oder die Krise beim BVB konzentriert, müssten die Regierungen weniger Kritik und Widerstand gegen politische Fehler fürchten. Es war bestimmt kein Zufall, dass z.B. während der Fußball-Europameisterschaft 2012 wichtige Entscheidungen auf dem Euro-Gipfel (und zwar genau während eines deutschen Spiels) getroffen wurden.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Vor diesem Hintergrund ist es auch nachvollziehbar, dass die FIFA – insbesondere in Lateinamerika und Europa, wo der Fußball besonders wichtig ist – jahrelang unbehelligt von Strafverfolgungsbehörden ihren offenbar korrupten Geschäften nachgehen konnte. Man stelle sich vor, ein wichtiger Manager aus der Industrie hätte einen ähnlich zweifelhaften Ruf wie die Führungsriege der FIFA: Hätten sich die Regierungschefs aus der ganzen Welt mit ihnen so oft ablichten lassen? Die Politik hatte dieser Interpretation zufolge nur wenig Neigung, den Leuten ihr liebstes Hobby durch allzu genaue Untersuchungen der Korruptionsvorwürfe zu verderben.

Auch die Sponsoren haben offenbar zu wenig Interesse an einer sauberen Sportorganisation gezeigt. Solange die Leute zum Fußball gehen und sich der Werbung aussetzen und solange die FIFA lukrative Exklusivverträge mit den Hauptsponsoren schließt, spielt das Verhalten der Funktionäre dem Anschein nach nur eine untergeordnete Rolle, wenn überhaupt.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Dieses bequeme Gleichgewicht ist nun ernsthaft gestört worden. Die US-Initiative gegen die Korruption im Sport sorgt für Aufsehen – die Verbände reagieren bereits mit der Forderung nach einer Verschiebung der Wahl, allen voran der britische Fußballverband. Man kann in der Tat nur hoffen, dass die Vorgänge in dieser Woche zu drastischen Veränderungen im Weltfußball führen. Es kann nicht sein, dass eine korrupte Dachorganisation leichtfertig Turniere an Diktaturen vergibt, in denen die Arbeiter aus Entwicklungsländern misshandelt werden, oder dass diese Dachorganisation sich Kritiker dadurch vom Leibe hält, dass sie Berufsverbote für diese ausspricht. Politik und Wirtschaft in Europa sollten sich der Initiative der USA ohne Abschwächung anschließen.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%