Fusionen Übernahmewelle schwappt über deutsche Unternehmen

Exklusiv

Deutschland hat sich mit hohen Wachstumsraten bei Fusionen und Übernahmen (Mergers& Acquisitions, M&A) europaweit an die Spitze gesetzt. Für das dritte Quartal 2015 erwartet der New Yorker Anbieter von Cloud- und Kollaborationssoftware Intralinks in Deutschland gegenüber dem Vorjahreszeitraum gleich um 26 Prozent höhere M&A-Transaktionen.

Zwei Leute schütteln sich die Hände Quelle: Fotolia

Das zeigt der von Intralinks entwickelt sogenannte Deal Flow Predictor, der das Volumen von M&A-Transaktionen im Frühstadium aufzeichnet und der der WirtschaftsWoche online exklusiv vorliegt. Demnach wird die Anzahl der M&A-Aktivitäten zwischen Juni und August in Europa voraussichtlich um 14,4 Prozent und in Europa, den Nahen Osten und Afrika addiert (EMEA) um 13,3 Prozent ansteigen.

Damit sei EMEA weltweit die Top-Region für die erwarteten M&A-Ankündigungen. Zurück falle Großbritannien mit einem erwarteten Zuwachs von nur zehn Prozent. Besonders gefragt würden in den kommenden Monaten produktions- und technologielastige sowie konsumentenorientierte Unternehmen.

Die größten Deals der Unternehmensgeschichte
Platz 1072,0 Mrd. Dollar zahlte der Kabelkonzern Comcast für AT&T Broadband (2001). Quelle: dapd
Platz 972,6 Mrd Dollar zahlte der Versicherer Travelers Group für Citicorp (1998). Quelle: REUTERS
Platz 872,7 Mrd Dollar zahlte der Mobilfunkkonzern AT&T für BellSouth (2006). Quelle: AP
Platz 774,6 Mrd Dollar zahlte der Ölmulti Royal Dutch Petroleum für Shell Transport & Trading (2004). Quelle: dapd
Platz 676,0 Mrd Dollar zahlte der Pharmakonzern Glaxo Wellcome für SmithKline Beecham (2000). Quelle: AP
Platz 5 78,9 Mrd Dollar zahlte der Ölkonzern Exxon für Mobil (1998). Quelle: AP
Platz 489,2 Mrd Dollar zahlte der Pharmamulti Pfizer für Warner-Lambert (1999). Quelle: AP

EZB putscht

Deutschland gelte dabei nach wie vor als sicherer Hafen für M&A,  – trotz des vergleichsweise geringen Wirtschaftswachstums. Das seit März laufende Anleihen-Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) über monatlich 60 Milliarden Euro werde wahrscheinlich einen positiven Effekt auf zukünftige Transaktionen haben. Das sehen zumindest zwei Drittel der 120 europäischen M&A-Experten so, die Intralinks aktuell befragte.

„Im Laufe des letzten Jahres haben sich die weltweiten M&A-Märkte erholt – 2015 hat stark angefangen“, sagt Philip Whitchelo, Vice President Strategy & Product Marketing bei Intralinks. „Wir erwarten, dass die Anzahl der Deal-Ankündigungen im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum letzten Jahr um eine Prozentzahl im mittleren einstelligen Bereich wächst. Besonders in den USA und EMEA sind die Märkte wieder stärker geworden.”

Die zehn größten M&A-Deals in Europa 2014

Neben dem Deal Flow Predictor gibt auch das sogenannte Sentiment Survey von Intralinks Aufschluss über das M&A-Klima – in dieser Studie werden weltweit 600 M&A-Profis zur voraussichtlichen Entwicklung der M&A-Transaktionen befragt. Im Ergebnis erwarten 52 Prozent der europäischen Befragten, dass die Anzahl der M&A-Transaktionen aus China heraus in den nächsten zwölf Monaten ansteigt – in Nordamerika sehen das nur 31 Prozent so.

Desinteresse an Bitcoins

Ein Drittel der Umfrageteilnehmer aus Europa ist der Meinung, dass Unternehmen im Bereich des „Internet der Dinge“ – auch als Industrie 4.0 bezeichnet - besonders beliebte M&A-Ziele sind. Weltweit sind 24 Prozent dieser Ansicht. Bitcoin- oder andere Online-Währungsunternehmen werden dagegen als weitgehend unattraktiv angesehen – nur ein Prozent glaubt in Europa daran, dass diese Unternehmen beliebte Ziele sind.

Mehr als drei Viertel (76 Prozent) der Befragten aus Europa erwarten, dass die Gesamtzahl der M&A-Transaktionen in diesem Jahr steigen wird. Im letzten Quartal waren es noch 69 Prozent.

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