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Gas- und Wasserwirtschaft Ausgebremst - Verein verweigert Unternehmen wichtiges Testat

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Neu ersonnenes Testverfahren

Womit ausländische Marktteilnehmer rechnen müssen, erlebt gerade Frabo, ein italienischer Hersteller von Dichtungsringen. Gegen die Firma aus der Lombardei setzten zwei deutsche Konkurrenten durch, dass DVGW Cert 2005 Frabo das Zertifikat aberkannte. In neu ersonnenen Testverfahren sollten die Dichtungsringe plötzlich 3000 Stunden lang Wasser standhalten können – ein Test, der Frabo mehr als vier Monate gekostet hätte.

Das sei Willkür, entschied das OLG Düsseldorf im vergangenen August und verurteilte die DVGW Cert zu Schadensersatz in noch unbestimmter Höhe. Doch DVGW Cert legte Revision beim Bundesgerichtshof ein. Mit einem Urteil rechnen die Frabo-Anwälte Alexander Saueracker und Mathias Becker von der Kanzlei Rödl & Partner in Nürnberg erst 2015.

Wie der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs Geschäfte macht

Bei A&C UV-Lampen sorgt für Skepsis, dass der deutsche Wettbewerber Wedeco aus dem westfälischen Herford, eine Tochter des US-Wassertechnikherstellers Xylem, gute Kontakte nach Bonn hat. So brüstete sich Wedeco noch bis vor Kurzem auf seiner Homepage, sich „am Aufbau der deutschen DVGW Zertifizierungsstelle“ beteiligt zu haben. Wedeco will sich vor dem OLG-Urteil nicht dazu äußern.

Der Verein DVGW kommentiert die Vorwürfe bislang nur knapp: Dass das OLG Düsseldorf zugunsten von Frabo entschieden hat, liege an den angeblich „unterschiedlichen nationalen Hygieneanforderungen im Trinkwasserbereich“. Im Fall von A&C sieht sich der DVGW Cert zu Unrecht beklagt: So könne nur der Hersteller der Wasseraufbereitungsanlagen, also Wedeco, entscheiden, welche Lichter in seiner Anlage eingebaut werden. Daher habe die DVGW Cert die Zertifizierungsanfrage verweigert.

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    „Natürlich ist die Normierung durch Berufsstände nützlich. Wenn aber dort viele Vertreter aus der Industrie sitzen, werden schnell deren Interessen vorrangig und nicht die der Verbraucher“, sagt Wirtschaftsrechtler Adams, der vor überhöhten Preisen für Verbraucher warnt.

    Aus diesem Grund verweigern erste Wasserwerke dem DVGW inzwischen die Gefolgschaft und setzen auch nicht zertifizierte Technik ein. „Die Röhren von A&C sind bis zu 40 Prozent billiger als etwa die von Wedeco“, sagt ein Wasserwerk-Manager aus Baden-Württemberg. In Absprache mit dem Gesundheitsamt benutze er die A&C-Leuchten. Wären diese mangelhaft, würde das bei den regelmäßigen Wassertests sofort auffallen. „Der DVGW wird von der Industrie beeinflusst“, sagt der Wasserwerker. „Es ist gut, dass dort Fachleute sitzen, aber die haben eben auch finanzielle Interessen.“ Der DVGW weist die Vorwürfe zurück. „In den Gremien sind alle beteiligt, die in der Kette der Trinkwasserversorgung stehen“, heißt es in einer Stellungnahme. „Die Entscheidungen werden zudem einmütig getroffen, sodass niemand nur seine Interessen durchsetzen kann.“

    A&C UV-Lampen kann immerhin einen kleinen Erfolg verbuchen: Rund 100 deutsche Kläranlagen verwenden mittlerweile ganz offiziell die UV-Lampen der Norweger – weil ihre Branche sich nicht auf die Zertifikate des DVGW verpflichtet hat.

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