Gasefusion Linde und Praxair treiben Verkauf von Firmenteilen voran

Die geplante Linde-Praxair-Fusion wird konkreter: Beide Konzerne treiben laut Insidern bereits die nötigen Verkäufe von Beteiligungen voran.

Linde und Praxair bekommen möglicherweise erst im August die Freigabe der EU-Kommission. Quelle: dpa

FrankfurtDie fusionswilligen Industriegasekonzerne Linde und Praxair treiben den für die Zustimmung der Kartellbehörden notwendigen Verkauf von Beteiligungen voran. Die Unternehmen haben die Bieter ausgewählt, die um das milliardenschwere Paket buhlen, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Der Finanzinvestor CVC, der sich mit der deutschen Industriegasefirma Messer zusammengeschlossen hat, sowie die Finanzinvestoren Carlyle, Onex und Blackstone seien in der zweiten Runde. Der kanadische Pensionsfonds CPPIB könnte Teil eines Bieterkonsortiums werden, Taiyo Nippon Sanso könnte sich für einen Teil der europäischen Aktivitäten interessieren. Die Unternehmen wollten sich zu den Informationen am Donnerstag nicht äußern.

Die Partner bekommen möglicherweise erst im August Klarheit über die kartellrechtlichen Auflagen der EU-Kommission. Die Kartellprüfung wurde Ende März bis zum 9. August verlängert. Damit könnte es für die beiden Industriegasekonzerne knapp werden, weil der 2017 vereinbarte Zusammenschluss aus juristischen Gründen bis spätestens 24. Oktober entweder unter Dach und Fach sein oder für gescheitert erklärt werden muss.

Bis zum Abschluss der Kartellprüfung ist der genaue Umfang der zu verkaufenden Aktivitäten offen, doch die groben Züge stehen bereits fest. Finanzkreisen zufolge wollen sich Linde und Praxair von Unternehmensteilen trennen, die auf einen Betriebsgewinn (Ebitda) von rund 800 Millionen Dollar kommen. Die zum Verkauf gestellten Aktivitäten befinden sich in Europa und den USA und dürften das Zehn- bis Zwölffache des Ebitda einbringen, sagten die Insider.

In der Vergangenheit haben Wettbewerbshüter den Verkauf von Aktivitäten an Finanzinvestoren abgelehnt, da sie nicht über genug Marktmacht verfügten. Doch ein Verkauf der Linde/Praxair-Teile an große Wettbewerber wie Air Liquide oder Air Products könnte neue Kartellbedenken auslösen. Dennoch dürften sie Gebote für einzelne Teile des Portfolios abgeben.

Linde und Praxair haben sich vorbehalten, einen Rückzieher von der Fusion zu machen, wenn sie wegen der Auflagen mehr als 3,7 Milliarden Euro Umsatz oder 1,1 Milliarden Euro operativen Gewinn (Ebitda) abgeben müssten. Anfang März sagte Linde-Finanzchef Sven Schneider, die Schmerzgrenze würde nicht erreicht.

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