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Geheimnisvoller Investor Wer hinter der Übernahme von Hasseröder und Diebels steckt

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"Klar, dass man von ihm noch hören würde"

Nach dem Abschluss an der Frankfurter Hochschule für Bankwirtschaft arbeitet Deistler unter anderem bei der Commerzbank, der Dresdner Bank und Ernst & Young. „Mir war immer klar, dass man von ihm noch hören würde“, sagt einer, der ihn bei seinen ersten Schritten begleitet hat. „Ich war mir aber nie sicher, ob das im guten oder im schlechten Sinne sein würde.“

2004 erwirbt Deistler mit einem Partner die Carl Kliem Corporate Finance, damals kaum mehr als eine gesellschaftsrechtliche Hülle. Ein paar Jahre versucht er sich als Berater bei Transaktionen, als sich erste zarte Erfolge einstellen, kommt die Finanzkrise dazwischen. Seit 2012 ist die Gesellschaft laut Bundesanzeiger „bilanziell überschuldet“, der letzte dort veröffentlichte Jahresabschluss verzeichnet für 2015 gut eine halbe Million Euro Verlust und ein Eigenkapital von null Euro. Deistlers Aktivitäten bremst das nicht. Mal will er muslimische Kunden für „Sharia-konforme“ Immobilien begeistern, mal eröffnet er eine Polo-Schule.

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Größere Wirkung entfaltet kein Projekt. Dafür taucht Deistlers Name im Zusammenhang mit Firmenübernahmen und anschließenden Insolvenzen auf. 2013 erwerben der Schweizer Firmensammler Hans-Dieter Fuchs und der wegen Insolvenzverschleppung verurteilte Exnotar Roland Müller von den Baukonzernen Bilfinger und Eurovia Unternehmenstöchter mit insgesamt mehr als 400 Mitarbeitern. Aus denen formen sie die Betam-Gruppe, Teile von dieser logieren zwischenzeitlich an Deistlers Geschäftsadresse in der Hans-Thoma-Straße 4 im Kronberger Gewerbegebiet. Deistler berät Betam, beschafft einen Kredit und kassiert dafür ein Honorar. Als das Unternehmen pleite ist, meldet er Forderungen von rund 1,3 Millionen Euro an. Die weisen die Insolvenzverwalter zurück, weil keine vertraglichen Vereinbarungen vorgelegen hätten. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt bei Betam noch wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs gegen mehrere ehemalige Verantwortliche – nicht aber gegen Deistler.

Mitte 2013 sucht der Automobilzulieferer Mahle aus Stuttgart einen Käufer für sein Tochterunternehmen Behr, das in Mylau bei Zwickau Felgen für Motorräder produziert. Mit Vertrag vom 7. Januar 2014 überträgt Mahle die Anteile an dem 60-Mann-Unternehmen an eine Vorratsgesellschaft namens Platin 979. Wenig später wird aus dieser die Saxess Holding, die Daniel Deistler gehört. Der neue Eigentümer ändert den Namen Behr in IAM Components.

Wenig später stellt sich Deistler in Mylau vor, kündigt an, „die Firma technologisch und qualitativ unter Berücksichtigung des Marktes weiterzuentwickeln“, ein zuverlässiger Arbeitgeber der Region zu bleiben und auf Sicht Personal einzustellen. Dann passiert wenig, bis IAM im November einen Insolvenzantrag stellt. Deistler sei nur daran interessiert gewesen, das Unternehmen auszuschlachten, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. Das Insolvenzverfahren ist noch nicht beendet. Vor dem OLG Fankfurt ist noch ein Berufungsverfahren anhängig, wie eine Gerichtssprecherin bestätigt. Dabei geht es offenbar um eine möglicherweise widerrechtliche Übertragung von Patenten. In erster Instanz hatte der Insolvenzverwalter der IAM recht bekommen.

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