Geplante Zug-Allianz Gabriel soll in Siemens-Alstom-Verwaltungsrat

Der damalige Bundesumweltminister Gabriel fährt 2006 in Salzgitter eine Alstom-S-Bahn Probe. Quelle: dpa

Siemens und Alstom haben sich für die geplante Zug-Allianz auf die künftige Zusammensetzung des Verwaltungsrats geeinigt. Unter den vorgeschlagenen Mitgliedern ist auch der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel.

er ehemalige Wirtschafts- und Außenminister Sigmar Gabriel soll in den Verwaltungsrat des künftigen deutsch-französischen Zug-Konzerns Siemens Alstom einziehen. Siemens nominierte den früheren SPD-Vorsitzenden als eines von elf Mitgliedern des Gremiums, das den fusionierten Hersteller der Schnellzüge ICE und TGV überwachen soll.

Laut Gabriel war die Bundesregierung umfassend über seine geplante Berufung in den Verwaltungsrat informiert. „Selbstverständlich halte ich mich strikt an die in der letzten Legislaturperiode neu geschaffenen gesetzlichen Vorgaben für ehemalige Mitglieder der Bundesregierung“, teilte Gabriel auf Anfrage der Deutschen-Presse-Agentur mit. Das Unternehmen werde voraussichtlich Ende des Jahres oder zu Beginn des kommenden Jahres seine Arbeit aufnehmen, erklärte Gabriel. „Für die damit dann beginnende Tätigkeit eines neuen Aufsichtsrates würde ich nach Ablauf eines Jahres nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung zur Verfügung stehen.“ Das entspricht den gängigen Regelungen. Damit kann der frühere SPD-Chef die Tätigkeit frühestens im März 2019 aufnehmen.

Als Wirtschaftsminister war Gabriel 2014 in einen Übernahmeprozess zwischen Siemens und Alstom eingebunden. Damals ging es aber nicht um den Schienen-, sondern um den Kraftwerksbereich. Am Ende bekam aber der US-Konzern General Electric den Zuschlag für die Übernahme eines Teils des Alstom-Geschäftes, und nicht - wie von Gabriel gewünscht - Siemens.

Die deutsche und französische Seite haben je sechs Personen für das Gremium vorgeschlagen. Die formelle Berufung kann erst erfolgen, wenn es das Unternehmen gibt. Siemens und Alstom wollen mit der Fusion der starken Konkurrenz aus China Paroli bieten. Die Kartellbehörden müssen dem Zusammenschluss noch zustimmen. Der Verwaltungsrat von Alstom stimmte am Dienstag dem Personaltableau zumindest schon einmal zu. Siemens hatte das Recht, sechs der elf Verwaltungsräte zu nominieren, Vorsitzender des Gremiums ist der Technik-Vorstand des Münchner Industriekonzerns, Roland Busch.

Neben Busch gehören weitere drei Siemens-Manager dem Verwaltungsrat von Siemens Alstom an, unter ihnen Finanzvorstand Ralf Thomas und Personalchefin Janina Kugel. Siemens soll knapp die Mehrheit an dem börsennotierten Zug-Hersteller halten. Mit der Fusion wollen Siemens und Alstom dem chinesischen Branchenriesen CRRC Paroli bieten.

Die Kartellwächter müssen dem Zusammenschluss aber noch zustimmen. Operativ geführt wird das Unternehmen von Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge. Die Franzosen schicken vier unabhängige Manager in den Verwaltungsrat, darunter den bisherigen Verwaltungsratschef Yann Delabriere und den ehemaligen BNP-Paribas-Chef Baudouin Prot.

Bereits zum 1. Juli bekommt Alstom einen neuen Finanzchef. Laurent Martinez kommt vom Flugzeugbauer Airbus, wo er zuletzt das Service-Geschäft führte. Zuvor hatte er als Finanzvorstand bei der Satelliten-Tochter Astrium und als Chef-Controller bei Airbus gearbeitet. Seine Vorgängerin bei Alstom, Marie-José Donsion, war zum Petrochemie-Konzern Arkema gewechselt.

Alstom punktet vor Siemens-Fusion mit Gewinnanstieg
Vor dem Zusammenschluss mit der Siemens-Zugsparte konnte Alstom seinen Gewinn deutlich ausbauen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2017/18 legte das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) um 22 Prozent auf 514 Millionen Euro zu, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz kletterte um neun Prozent auf 7,95 Milliarden Euro. Alstom-Anleger sollen eine Dividende von 35 Cent je Aktie erhalten, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. An der Börse kam das gut an: Die Aktien von Alstom stiegen um gut sechs Prozent auf ein Sieben-Jahres-Hoch von 41,14 Euro. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Alstom mit einem Umsatz von rund acht Milliarden Euro, die operative Umsatzrendite soll auf sieben Prozent zulegen. 2017/18 hatte sie sich auf 6,5 von 5,8 Prozent vor Jahresfrist erhöht. Alstom sei nun in einer "hervorragenden Position", um seine Kräfte mit der Zugsparte von Siemens zu bündeln, urteilte Poupart-Lafarge.

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