Gescheiterte Drohne Euro Hawk - Absturz vor dem Einsatz

Nach dem Scheitern der Drohne Euro-Hawk schieben sich die Beteiligten gegenseitig die Schuld zu. Was hat das Projekt Deutschland gekostet, was sind die Probleme? Die wichtigsten Fragen rund um das Debakel.

Die wichtigsten Drohnen und ihre Hersteller
Das unbemannte Kampfflugzeug "Northrop Grumman X-47 Pegasus" im Flug Quelle: gemeinfrei
MQ-9 Reaper (General Atomics, USA) Quelle: Gemeinfrei
MQ-1 Predator (General Atomics, USA) Quelle: Gemeinfrei
Soldaten betrachten die Aufklärungsdrohne IAI Heron Quelle: REUTERS
Ein Soldat schiebt eine RQ-7 Shadow 200 Quelle: gemeinfrei
US-Soldaten prüfen die Langstrecken-Aufklärungsdrohne "RQ-7 Global Hawk“ Quelle: gemeinfrei
Camcopter S-100 (Schiebel, Österreich) Quelle: GNU

Was ist der Euro Hawk und was hat er Deutschland bisher gekostet?

Der "Euro Hawk" ist ein vergrößerter Ableger des unbemannten Militärfliegers "Global Hawk", den der US-Rüstungsriese Northrop Grumman als RQ-4 Global Hawk oder MQ-4 Triton seit den neunziger Jahren herstellt. Die speziell für Europa gedachte Spionage-Elektronik der High-Tech-Drohne stammt von Cassidian, der Rüstungsabteilung des deutsch-französischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Die Bundeswehr hatte einst fünf Exemplaren des 15 Tonnen schweren Fliegers mit einer Spannweite von 40 Metern für zusammen bis zu 1,2 Milliarden Euro bestellt. Ein Test-Exemplar ist bereits geliefert.

Euro Hawk scheitert an Zulassung

Seit der Bestellung im Jahr 2007 hat die Bundesrepublik gut eine halbe Milliarde Euro gezahlt, rund die Hälfte davon für die EADS-Elektronik. Dazu sind noch 158 Millionen Euro offen für offene vertragliche Verpflichtungen und um die Drohe flugfähig zu machen. Doch weil die von der EADS entwickelte Sensorentechnik noch für ein anderes Projekt genutzt werden könnte, sehen Optimisten die Verluste für den Bundeshaushalt durch die gescheiterte Anschaffung nur bei gut 300 Millionen Euro.

Drohne soll bei Herzinfarkt helfen
Aus dem militärischen Alltag sind Drohnen - hier eine Eurohawk-Aufklärungsdrohne der Bundeswehr - nicht mehr wegzudenken. Doch unbemannte Fluggeräte kommen zunehmend auch im zivilen Bereich zum Einsatz. Quelle: dpa
An der Technischen Universität Delft in den Niederlanden hat der Student Alec Momont einen Prototyp für eine Ambulanz-Drohne entwickelt. Das Mini-Fluggerät hat einen Defibrillator an Bord und soll bei Herzstillstand blitzschnell vor Ort sein. Über Audio- und Videoübertragung kann medizinisches Fachpersonal die Helfer vor Ort zum richtigen Einsatz anleiten. Die Drohne ist mit 100 Stundenkilometern unterwegs und findet den Patienten über das Signal des Mobiltelefons, über das der Notruf abgesetzt wurde. Ein Netzwerk solcher Drohnen könne die Überlebenschancen bei einem Herzinfarkt drastisch von acht auf bis zu 80 Prozent erhöhen, hofft Momont. Schon vier bis sechs Minuten nach Herzstillstand kann der Hirntod einsetzen, ein Krankenwagen braucht aber durchschnittlich zehn Minuten. Die Drohne kann in einem zwölf Quadratkilometer großen Radius innerhalb einer Minute am Unfallort sein. Hier gibt es ein Video, das den Drohnen-Einsatz zeigt. Quelle: Screenshot
Helmut Rupp von der Deutschen Bahn begutachtet in Frankfurt am Main den Schaden an einem Zug, der mit Graffiti beschmiert worden ist. Die Deutsche Bahn will Graffiti-Sprüher künftig mit Hilfe kleiner Kamera-Drohnen aus der Luft jagen. Mit Wärmebildkameras sollen Sprüher etwa auf Abstellanlagen für Züge aufgespürt und gefilmt werden. „Wir müssen neue Wege bei der Graffiti-Bekämpfung gehen“, sagte der Sicherheitschef der Bahn, Gerd Neubeck, der "Bild"-Zeitung im Mai 2013. Allein im vergangenen Jahr habe die Bahn etwa 14.000 Graffiti erfasst. Der entstandene Schaden liege bei 7,6 Millionen Euro. Der Flugschreiber der Drohnen solle alle Aufnahmen inklusive Standortdaten gerichtsfest dokumentieren, um Täter juristisch belangen zu können, hieß es. Der neue Hightech-Spürhund mit Logo der Bahn koste 60.000 Euro. In 150 Metern Höhe könne er mit bis zu 54 Kilometern pro Stunde fast geräuschlos fliegen und Ausschau halten. Per Autopilot seien bis zu 40 Kilometer lange Strecken möglich. Quelle: dpa
Die US-Weltraumbehörde Nasa nutzt unbemannte Hightech-Flieger wie diese Global-Hawk-Drohne zur Erforschung höherer Atmosphärenschichten. Quelle: NASA
Auch Archäologen haben längst die Vorteile von Minidrohnen entdeckt. Mit Kameras bestückte Fluggeräte wie der Quadcopter MD4-200 von Microdrone liefern den Ausgräbern die notwendigen Informationen für erfolgversprechende Grabungsprojekte oder 3D-Rekonstruktionen früherer Landschaften. Quelle: Microdrones
Das US-Unternehmen Aerovision hat eine Drohne für die Fischerei entwickelt. Die Messinstrumente an Bord sollen Trawler-Kapitänen bei der Aufspürung von Fischschwärmen helfen. Quelle: Aerovision
Eine Aufklärungsdrohne in Kolibri-Form entwickelten die Experten des US-Unternehmens Aerovironment. Der künstliche Kolibri kann acht Minuten auf der Stelle schweben und lässt sich dabei auch nicht von Windböen vom Kurs abbringen. Flugroboter in Tierform wären perfekt getarnte Überwachungsinstrumente, entsprechend groß ist das Interesse der Entwickler. Quelle: Aerovironment

Was kann der Euro Hawk?

Weil die Bundeswehr immer mehr Kampfeinsätze im Ausland hat, braucht sie Aufklärungsflugzeuge, will sie nicht bei anderen Ländern um deren Informationen bitten. Dafür sind Drohnen ideal. Weil sie keinen Piloten haben und leichter sind als ein normales Spionageflugzeug, fliegen sie mit bis zu 40 Stunden länger und vor allem höher als normale Kampfjets und sind so für den Feind schwerer zu entdecken. So schafft der Euro Hawk mit rund 20 Kilometern fast die doppelte Flughöhe eines Passagierflugzeugs und von dort Funkverbindungen und Telefongespräche belauschen. Das hat laut EADS in Tests auch bestens geklappt. Rein technisch könnte der Euro Hawk damit vom geplanten Standort dem norddeutschen Fliegerhorst Jagel nonstop zu Einsätzen nach Afghanistan fliegen und wieder zurückkommen.

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