WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

GlaxoSmithKline und Pfizer Zwei Pharma-Giganten, ein Milliarden-Deal – und viele enttäuschte Erwartungen

Die britische GlaxoSmithKline (Sensodyne, Voltaren) und Pfizer (Centrum, Baldriparan) legen ihre Geschäfte für rezeptfreie Medikamente zusammen. Quelle: imago images

Der US-Pharmakonzern Pfizer und die britische GlaxoSmithKline legen ihre Sparten für rezeptfreie Medikamente zusammen. Viele andere Hersteller haben an dem Geschäft bereits die Lust verloren. Bayer kämpft noch. Die Branche sortiert sich völlig neu.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Sensodyne gegen empfindliche Zähne, Voltaren gegen Schmerzen, Baldriparan für besseren Schlaf und Centrum für die tägliche Vitaminzufuhr – all diese Medikamente gibt es künftig aus einer Hand.

Die britische GlaxoSmithKline (Sensodyne, Voltaren) und Pfizer (Centrum, Baldriparan) legen ihre Geschäfte für rezeptfreie Medikamente zusammen. An der neuen Gesellschaft mit einem Umsatz von fast 13 Milliarden Dollar wird GlaxoSmithKline mit 68 Prozent die Mehrheit halten – und schwingt sich dadurch endgültig zum Weltmarktführer für rezeptfreie Pillen auf – vor Konkurrenten wie Johnson & Johnson (USA) oder Sanofi (Frankreich).

Die Branche sortiert sich gerade neu. Bis vor wenigen Jahren hielten die meisten Pharmakonzerne neben ihren verschreibungspflichtigen Medikamenten auch rezeptfreie Pillen im Portfolio. Damit ließen sich zwar nicht so schöne Gewinne machen wie mit verschreibungspflichtigen Arzneien, dafür lief das Geschäft mit den freiverkäuflichen Präparaten allerdings stetiger und weitgehend frei von Risiken. Größere Medikamenten-Skandale gab es jedenfalls nicht.

Viele Hersteller von rezeptfreien Präparaten verpassten jedoch in den vergangenen Jahren den Anschluss an das E-Commerce-Zeitalter. Viele Kunden bestellen nun lieber bei Amazon statt in Apotheken. Hinzu kommt: Da auch für Pharmakonzerne die Zeiten härter wurden, mussten sie mit ihren Investitionen stärker haushalten. In den vergangenen Jahren trennten sich etliche Pharma-Hersteller von ihrem rezeptfreien Portfolio: Die Präparate vom US-Konzern Merck & Co. landeten bei Bayer, die Präparate von Boehringer Ingelheim („Thomapyrin“) gingen an die französische Sanofi, die Schweizer Novartis verkaufte an GlaxoSmithKline, die Darmstädter Merck-Gruppe („Nasivin“) an den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble.

Auch Pfizer wollte seine rezeptfreie Sparte loswerden – und hat nun durch das Gemeinschaftsunternehmen mit GlaxoSmithKline eine elegante Lösung gefunden. Die Briten unter ihrer Chefin Emma Walmsley sind entschlossen, die Chancen, die das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten durchaus noch bietet, zu nutzen. Dafür haben sie sich nun ein schönes Arznei-Portfolio zusammengebaut, was ihre Verhandlungsposition gegenüber Apothekern und Online-Händlern durchaus stärken wird.

In Deutschland gibt es dagegen nun nur noch einen großen Anbieter von rezeptfreien Medikamenten: Bayer. Der Hersteller des Klassikers Aspirin ist derzeit allerdings vor allem mit sich selbst beschäftigt. Die Geschäfte laufen schlecht. Bayer hat sich mit dem Kauf der Sparte von Merck & Co. verkalkuliert – viele Präparate hielten nicht, was sie bei Vertragsabschluss versprachen. In Leverkusen haben sie zudem wohl die Macht und Bedeutung der Online-Händler unterschätzt. Der neue zuständige Vorstand Heiko Schipper soll die angeschlagene Sparte nun wieder auf Spur bringen. Durch den GlaxoSmithkline-Pfizer-Deal ist die Mission nun nicht einfacher geworden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%