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Elektrolaster aCar Deutsches E-Auto soll Afrika erobern

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Günstiger als die kleinsten Benziner

Die beiden Entwickler haben für ihr Afrikaprojekt inzwischen das Unternehmen Evum Motors gegründet, das von 2020 an 700 aCars pro Jahr bauen und von 2025 an mehr als 100.000 Stück pro Jahr auf die Pisten bringen will. Das Elektroauto lässt sich mit einfachsten Mitteln zusammenbasteln: Schraubendreher und Schweißgerät reichen aus; es braucht keine millionenteuren Blechpressen, Lackier- und Schweißroboter. Schließlich soll das Gefährt schon Ende 2019 in Afrika montiert werden, nicht in Böblingen oder Dingolfing.

„Der Elektroantrieb ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern vor allem auch technisch die bessere Lösung, da er nahezu wartungsfrei ist und sein volles Drehmoment direkt beim Anfahren entfalten kann“, betont Šoltés, „außerdem fallen die meisten teuren Wartungsarbeiten weg, wie Zahnriemen- oder Ölwechsel.“ Die Münchner entschieden sich für einen Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von nur 20 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Ein Tesla oder der Anfang September präsentierte ECQ von Daimler haben drei bis fünf Mal mehr Strom dabei. Doch der kleine Akku des aCar ist in nur sechs Stunden an einer ganz normalen 230-Volt-Steckdose geladen. Solarmodule auf dem Fahrzeugdach liefern zusätzlich Energie.

Denn in den ländlichen Regionen Afrikas findet man nirgends Gleichstrom wie in den USA oder dreiphasigen Wechselstrom wie in Europa; das Laden größerer Akkus würde dort viel zu lange dauern. Die durchschnittliche Wegstrecke auf den oft unbefestigten Wegen beträgt bei Kleinlastern und Bussen nur 68 Kilometer. Das haben Forschungen der Münchner ergeben, die dabei mit lokalen Universitäten in Ghana, Kenia, Nigeria und Tansania zusammengearbeitet haben.

aCar-Entwickler Koberstaedt, Šoltés: Nicht nur exportieren, sondern möglichst viele Menschen vor Ort in Arbeit bringen. Quelle: Presse

Nur rund 8000 Euro soll das aCar in Afrika kosten. Damit ist es günstiger als die kleinsten Benziner. Die realistische Reichweite liegt bei etwa 150 Kilometern. Mit einem Leergewicht von nur 800 Kilogramm und einer Nutzlast von einer Tonne ist das allradgetriebene Fahrzeug ein echtes Arbeitstier. Dafür beträgt die Höchstgeschwindigkeit nur 70 Stundenkilometer. Dass das völlig ausreiche, hätten die Tests in Afrika bestätigt, sagt Šoltés. Die schlammigen Schlaglochpisten könnten höchstens mit Tempo 30 zurückgelegt werden. Mehr Top-Speed wäre also ebenso „überflüssiger Schnickschnack“ wie eine Heizung. Als einzigen Luxus, so das Ergebnis der Testfahrten vor Ort, müssen die Entwickler dem aCar ein Autoradio spendieren: Ohne Radio gilt ein Gefährt in Afrika nicht als echtes Auto.

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