WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Glyphosat-Forscher Damián Verzeñassi "Die Monsanto-Übernahme durch Bayer schließt einen Teufelskreis"

Seite 2/2

„Der Widerstand in der Bevölkerung wird wachsen“

Ist der Bevölkerung bewusst, dass ihre Krankheiten etwas mit der Agrarchemie zu tun haben?
Schon bei den ersten Erhebungen erklärten die meisten Menschen, dass sie am meisten Angst hätten, Krebs zu bekommen. Als Grund gaben sie die ständigen Versprühungen auf den Feldern an die direkt vor ihrer Haustür begannen. Das ist natürlich kein Beweis, aber zeigt, dass die Menschen besorgt sind. Inzwischen nehmen die Krankheiten unter den Bekannten und in den Familien deutlich zu, dass niemand mehr an Zufall glaubt.

Wie sind Ihre Erhebungen aufgenommen worden in Argentinien?
Es gab keine offizielle Reaktion der Behörden, bis heute. Die Regierung und die föderalen Behörden in Argentinien halten Glyphosat weiterhin für völlig unbedenklich. Es läuft in der Dreistufenkennzeichnung unter „grün“, also nicht „rot“ oder „schwarz“.

Und Ihre Arbeit?
Mehrfach wurde jedoch über politische Kanäle versucht, unsere Forschungen zu stoppen. Das ging so weit, dass unser Erhebungsmaterial beschlagnahmt wurde. Doch nach der heftigen internationalen Reaktion – unter anderem auch von deutschen Parlamentariern – wurden die Maßnahmen dann wieder aufgehoben.

Die wichtigsten Fakten zu Glyphosat

Welches Risiko geht Bayer aus Ihrer Sicht mit der Übernahme von Monsanto ein?
Man könnte jetzt sagen, dass sich eine Abwärtsspirale nun noch schneller dreht oder anders ausgedrückt, sich ein Teufelskreis schließt: Nicht nur, dass Bayer dann am Saatgut und den Pflanzenschutzmitteln verdient, die miteinander gekoppelt sind. Künftig kann Bayer auch noch seine Medikamente für die Erkrankungen verkaufen, die durch das Glyphosat entstehen.

Die Konzerne argumentieren, dass gerade wegen Glyphosat das weltweite Angebot an Lebensmitteln deutlich erhöht werden konnte, was das Überleben von Menschen garantiert.
Uns ist bewusst, dass wir Lebensmittel brauchen und Pflanzenschutzmittel notwendig sind. Aber wird denken an die Generation der Enkel unserer Enkel: Langfristig kann es keine gesunden Lebensmittel geben von kranken Böden. In den Bilanzen der Konzerne wird ja nicht eingerechnet, was es einer Gesellschaft kostet, wenn sie mehr Familien mit kranken Mitgliedern umgehen müssen.

Was hinter den Kulissen von Monsanto passiert
Monsanto Quelle: Jonathan Gayman für WirtschaftsWoche
Monsanto Quelle: Jonathan Gayman für WirtschaftsWoche
Monsanto Quelle: Jonathan Gayman für WirtschaftsWoche
Monsanto Quelle: Jonathan Gayman für WirtschaftsWoche
Monsanto Quelle: Jonathan Gayman für WirtschaftsWoche
Monsanto Quelle: Jonathan Gayman für WirtschaftsWoche
Monsanto Quelle: Jonathan Gayman für WirtschaftsWoche

In den Medien in Südamerika sind die schädlichen Wirkungen von Glyphosat kein Thema.
Ja, das ist so und liegt an der Bedeutung welche die Agrarwirtschaft für die Staatsfinanzen und Wirtschaft insgesamt hat. Aber der Widerstand in der Bevölkerung wird wachsen. Den Kampf zwischen David und Goliath hat ja auch nicht Goliath gewonnen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%