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Glyphosat Schlappe für Bayer – Aktie stürzt ab

Die Aktien von Bayer brachen nach einem erneuten Gerichtsurteil in den USA zum Unkrautvernichter Glyphosat ein. Quelle: AP

Es klingt zunächst nach einer guten Nachricht für Bayer: Eine US-Richterin hat den Schadensersatz, den Monsanto einem krebskranken Kläger zahlen muss, deutlich reduziert. Doch die Aktionäre verlieren die Geduld.

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So schnell wird Bayer den Ärger um den Unkrautvernichter Glyphosat und die damit verbundenen Kursrisiken nicht los. Eine US-Richterin hat nun den Schadensersatz, den die Bayer-Tochter Monsanto einem krebskranken Kläger zahlen muss, deutlich reduziert. Doch grundsätzlich bleibt das Urteil bestehen. Weitere Prozesse folgen im Februar.

Es klingt zunächst wie eine gute Nachricht. Statt 289 Millionen Dollar, wie im August von einer Geschworenenjury in San Francisco beschlossen, muss die Bayer-Tochter Monsanto jetzt im Fall des krebskranken Klägers Dewayne Johnson nur noch 78 Millionen Dollar zahlen – eine Reduzierung um mehr als 200 Millionen Dollar. Johnson macht den Monsanto-Unkrautvernichter Glyphosat, den er als Platzwart an einer kalifornischen Schule benutzte, für seine Krebserkrankung verantwortlich. „Die Entscheidung des Gerichts ist ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärt Bayer.

Große Freude kommt in Leverkusen allerdings nicht auf. Denn gleichzeitig bestätigt das Gericht das Urteil vom August, dass Monsanto über die angebliche Krebsgefahr von Glyphosat nicht genug gewarnt und Risiken verschleiert hat. Richterin Suzanne Ramos Bolanos hatte zuletzt mit dem Gedanken gespielt, den Schadensersatz ganz fallenzulassen – wegen mangelnder Beweise der Kläger. Dazu kommt es nun nicht. Bolanos reduzierte die Strafzahlung („punitive damage“) – für die es im deutschen Recht keine Entsprechung gibt – von 250 auf 39 Millionen Dollar; hinzu kommt dann noch der Schadensersatz in Höhe von weiteren 39 Millionen Dollar für den Kläger.

Die Folge: Die Bayer-Aktie stürzte zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent auf knapp unter 70 Euro ab, dem tiefsten Stand seit Wochen. Klar ist nun, dass Bayer den Ärger um Glyphosat und die damit verbundenen Kursrisiken so schnell nicht loswird. Derzeit stehen noch 8700 weitere Klagen wegen Glyphosat im Raum. Die nächsten Prozesse starten im Februar. Die Frage ist, wie lange die Geduld der Aktionäre noch reicht.

Bayer beabsichtigt nun, gegen das Urteil Berufung einzulegen – in der nächsten Instanz, beim California Court of Appeal: „Bayer ist nach wie vor überzeugt, dass das Urteil im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen steht.“

Bayer bestreitet vehement, dass von Glyphosat eine Krebsgefahr ausgeht und führt dafür mehr als 800 Zulassungsstudien ins Feld. Bislang ist lediglich die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO zu dem Schluss gekommen, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ sei. Das Ergebnis des IARC ist wissenschaftlich durchaus umstritten. Die Kläger in den USA berufen sich jedoch darauf.

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