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Grazia Vittadini Die neue Technikchefin wird gleich zwei Probleme von Airbus lösen

Der Raumfahrtkonzern Airbus steckt in Schwierigkeiten. Mitten im digitalen Wandel könnte Grazia Vittadini die Lösung sein.

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Die digitale Wende versucht der Luft- und Raumfahrtkonzern mit neuen Services zu nehmen. Quelle: dpa

Paris Zum ersten Mal zieht eine Frau in den Vorstand von Airbus ein. Am Freitag gab der deutsch-französisch-spanische Luft-und Raumfahrtkonzern bekannt, dass die 48-jährige Italienerin Grazia Vittadini vom ersten Mai an den Posten des Chief Technology Officers übernimmt. Damit ist nach Monaten des Suchens die Nachfolge von Paul Eremenko geklärt. Den erst Mitte 2016 berufenen Amerikaner hatte es nur kurze Zeit bei Airbus gehalten, im vergangenen Herbst verließ er den Konzern wieder.

Vittadini löst gleich zwei Probleme für das Unternehmen: Sie ist eine bestens qualifizierte CTO und sie entschärft die Kritik, dass der Airbus-Vorstand noch immer eine reine Männerriege ist. „Ich bin überzeugt, dass Grazia einen großartigen Job machen wird bei der Unterstützung unserer Geschäftseinheiten und der Vorbereitung der Technologien, die wir für unsere künftigen Erfolge benötigen“, saget CEO Tom Enders.

Vittadini studierte in Mailand Luftfahrt-Ingenieurswesen und ist bereits seit 16 Jahren bei Airbus. Sie war an der Entwicklung des Eurofighter-Kampfflugzeugs beteiligt und arbeitete zuletzt als eine der Stellvertreterinnen von Dirk Hoke in der Division Defence and Space.

Im zivilen Sektor beteiligte sie sich an den Programmen des Riesen-Jumbos A380 und des Großraumfliegers A350. Vittadini hat mehrere Jahre in Hamburg gearbeitet und pendelte zuletzt zwischen Toulouse und München. Innerhalb und außerhalb des Unternehmens hat sie sich aktiv dafür eingesetzt, dass Frauen mehr Verantwortung übertragen wird.

Die Italienerin tritt ihre Aufgabe in einem komplizierten Moment an. Airbus fehlt eine echte Vision für die Zukunft. Eremenko hatte sich sehr für fliegende Autos und Lufttaxis begeistert – interessante Produkte, die aber einen Konzern mit 129.000 Mitarbeitern nicht ernähren können.

Die digitale Wende versucht Airbus mit neuen Services zu nehmen, etwa dem Angebot vorausschauender Wartung auf der Basis der Auswertung großer Datenmengen. Da sind die Flugzeug- und Raketenbauer aber keine Spezialisten. Zudem ist es ein Feld, auf dem sich sehr viele Mitbewerber tummeln. Das Kerngeschäft, die Herstellung von Zivilflugzeugen, weist zwar einen Rekordbestand von derzeit 7189 Fliegern aus. Der Hersteller ist auf Jahre hinaus ausgebucht. Dennoch geht er durch eine schwierige Phase, was sich an den schlechten Ergebnissen des ersten Quartals zeigt.

Der Umsatz ging um 12 Prozent zurück, der Gewinn sank um mehr als die Hälfte auf 199 Millionen Euro. Dahinter stehen Probleme mit dem Brot- und Butterflieger A320neo, für die Airbus nicht verantwortlich ist: Die Motorenhersteller Pratt & Whitney und General Electric-Safran kommen mit der Lieferung der neuen, spritsparenden Aggregate nicht nach.

Immer wieder tauchen neue technische Widrigkeiten auf, die zu Unterbrechungen führen. Airbus sagte am Freitag, man studiere nun Möglichkeiten, die Belieferung der Kunden im weiteren Verlauf des Jahres zu beschleunigen. „Segelflieger werden wir aber nicht bauen“, sagte Enders ironisch auf der Hauptversammlung vor zwei Wochen – ein Hinweis darauf, dass schon Dutzende A320 ohne Motoren unter den Flügeln in Toulouse und Hamburg stehen. Die Entwicklung eines A320neo-neo als Antwort auf Boeings angekündigten „middle oft the market“-Flieger hat Airbus erst einmal zurückgestellt.

Hinzu kommen Schwierigkeiten beim Langstreckenflieger A330. Die neue Version A330neo soll im Sommer zum ersten Mal ausgeliefert werden. Airbus hat die Produktion des Vorgängermodells auf 50 pro Jahr gedrosselt. Die Bestellungen schwächeln, das Unternehmen leidet unter den Erfolgen des Konkurrenten Boeing. Die Hubschrauber-Sparte konnte ihren Verlust auf drei Millionen halbieren, der Gewinn bei Defense and Space blieb mit 112 Millionen Euro stabil.

Sollte die Bundesregierung der Andeutung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Taten folgen lassen und tatsächlich die veralteten Tornados durch Eurofighter ersetzen, die Airbus herstellt, wäre das ein Konjunkturprogramm für die bei München beheimatete Sparte.

Trotz der Probleme bei Zivilflugzeugen hat das Unternehmen am Freitag seine Ziele für 2018 bekräftigt: Es sollen 800 Flugzeuge an die Kunden übergeben werden und der Gewinn soll um 20 Prozent zulegen. „In der zweiten Jahreshälfte werden wir viel zu tun haben“, sagte das Unternehmen am Freitag. Das darf man getrost eine Untertreibung nennen.

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